﻿190
VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
Säure an der Auflösung dieses Niederschlags aus—was der Autor eben bezweckte.—sie beben die Grundeigenscbaft des Globulins erstaunlich hervor, sich auf kosten des zurückgebliebenen Salzes aufzulösen und durch Sättigung der Flüssigkeit mit demselben Salze (AM 75—80 p. 236) auszufallen.
Panum selbst liefert uns das Material, auf Grund dessen wir die Überzeugung gewinnen, dass er nichts anderes als Globulin vor sich hatte. Der Niederschlag kann jedoch seine Löslichkeit in Wasser (in Salzen) einbüssen, und wenn Panum von dessen Wasserlöslichkeit spricht, so meint er immer einen frischgefällten Niederschlag '). Um den Verlust der Löslichkeit besser beobachten zu können, empfiehlt Panum die Mutterlauge so gut wie möglich von dem auf dem Filter befindlichen Niederschlage abtropfen zu lassen * 2). Je besser die Flüssigkeit abgeschieden wurde, desto weniger Salz wird offenbar der Niederschlag bei der Auflösung in Wasser enthalten.
Nicht genug: der durch Salz und Säure erzeugte Niederschlag verändert sich, Panum’s Worten nach, auch unter dem Einflüsse der atmospärischen Luft3). Die Beschreibung dieser von Panum beobachteten Veränderung entspricht vollkommen den Beschreibungen einer ähnlichen Veränderung des Globulins unter denselben Bedingnissen. Der uns interessirende Niederschlag behält seine Löslichkeit länger, wenn er in Wasser suspendirt ist, als wenn er feucht an der Luft liegt 4)- Es ist interessant hier-selbst darauf hinzuweisen, dass dieselben Veränderungen der durch Salz und Säure erzeugten Niederschläge unter dem Einfluss der Feuchtigkeit und der Luft langsamer eintreten, wenn zur Bildung des Niederschlags nicht Essigsäure sondern Phosphorsäure genommen wurde (109 p. 434). Diese Veränderlickeit der Löslichkeit unter dem Einflüsse der atmosphärischen Luft und der Feuchtigkeit, die den Globulinen eigentümlich ist, wurde auch am Seroglobin beobachtet (AM 48—60 p. 110) und zwar von Panum selbst, als einem der ersten Autoren auf diesem Gebiete, worüber er bei Gelegenheit seiner Beobachtungen über die Unlöslichkeit des durch Salz und Säure hervorgebrachten Niederschlags spricht 5). Weiter: sowohl das Seroglobin als auch der durch Salz und Säure erzeugte frischgefällte und vom Salze sorgfältig befreite Niederschlag sind, Panum’s Beobachtungen nach, in sehr verdünnter Phosphor- oder Essigsäure 6) löslich, was übrigens auch Melsens, wenigstens in Betreff der Phos-
Filtrum gesammelte Stoff ein Paar Male vom Filtrum heruntergenommen und mit concentrirter Kochsalzlösung ausgewaschen wurde, bis diese keine freie Säure mehr aufnahm“ (109 p. 433-4).
‘) „üm die angeführten Erscheinungen gut zu beobachten, muss man aber den auf dem Filtrum gesammelten Stoff durch Abtropfenlassen möglichst vollständig von Salzlösung (!) befreit haben“ (109 p. 434).
2)	„...... immer fand ich den ausgefällten
Stoff in Wasser, kaltem sowohl als heissem, sehr leicht löslich, wenn ich denselben bald nach der Ausfüllung und noch feucht untersuchte“ (109 p. 433).
3)	„Fortgesetzte Beobachtungen haben mir aber gezeigt, dass der Stoff seine Löslichkeit i n Wasser einbüssen kann, erstens, durch Einwirkung der atmosph ä-rischen Luft und Austrocknen und zweitens durch Erhitzen desselben mit Salzlösungen“ (109 p. 434).
4j „Was nun die Einwirkung der atmosphäri-
schen Luft auf den fraglichen Körper betrifft, so
behält derselbe viel länger seine Löslichkeit, wenn
er in der Flüssigkeit suspendirt ist, als wenn er auf dem Filtrum gesammelt, der Luft mehr zugänglich ist (109 p. 434). Es geht aus dem Angeführten mit Sicherheit hervor, dass der durch Säure und Salz aus Eiweisslösungen gefällte Körper eine Veränderung dureh Einwirkung der Luft erlitten hat, ob aber diese Veränderung auf einer Oxydation, oder auf einem Wasserverlust, oder auf einer Veränderung des Aggregatzustandes oder auf etwas Anderem beruht, muss vorläufig dahingestellt bleiben“ (109 p. 435).
5)	„Die Einwirkung der Luft verändert übrigens auch, was ich schon früher erwähnt habe, die Löslichkeitsverhältnisse des Serumcaseïns; während dieser Stoff frisch gefällt in höchst verdünnten Salzlösungen leicht löslich ist, wird er nach dem Austrocknen sowie auch durch Erhitzen zum
Kochen in Salzlösungen ganz unlöslich ..........“
(109 p. 438).
6)	„Der ausgefällte Stoff ist, frisch untersucht, von mir immer in der fällenden Säure (Phosphorsäure oder Essigsäure) leicht löslich gefunden worden, wenn die Salzlösung hinreichend entfernt war“ (ib. ’p. 447).