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VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
Standpunkte aus höchst wichtigen Thatsachen werden von den neueren Autoren nicht anerkannt; denn im Gegensatz zu dem Dargelegten werden die hier beschriebenen Veränderungen in der Löslichkeit gewöhnlich den Säuren zugeschrieben!
Lehmann (79 p. 129) bestätigt Panum’s Angaben über die durch Salz und Säure erzeugten Niederschläge und findet, dass die Fähigkeit, durch Essigsäure und Phosphorsäure gefällt zu werden, allen proteinhaltigen Flüssigkeiten und sogar den Hämatoglobulinlösungen eigen sei. Aus diesen letzteren erhält Lehmann auf dieselbe Weise einen Niederschlag, den er durch wiederholte Auflösung und Fällung mit Chlornatrium, Chlorammonium, Natriumsulfat und anderen Salzen reinigt. Die Auflösung und Fällung wurde so lange fortgesetzt, bis die saure Reaktion der Flüssigkeiten ganz verschwunden war (79 p. 129). Das erhaltene Produkt, welches Lehmann für „metamorphosirtes Hämatokrystallin“ erklärt und „Ivrystallacid“ zu nennen vorschlägt, stellt unzweifelhaft ein Zersetzungsproduct des Hämatoglobins, und zwar mit Hämatin gefärbtes Globulin, vor. infolgedessen, nach Lehmann’s Worten, das Präparat eine hellrötlichbraune, fast braune Farbe hat. Zuerst quelle der Niederschlag in Wasser auf, dann löse er sich, wobei die Lösung bei einem geringen Salzgehalt beim Kochen auch nicht gerinnen könne; wird aber ein Salz eingetragen, so falle die Gerinnungstemperatur allmälig mit dem Steigen des Salzgehalts '). Wie Panum’s durch Salz und Säure hervorgebrachten Niederschläge, so büsse auch Lehmann’s Krystallacid durch Liegen an der Luft und Trocknen seine Wasserlöslichkeit ein. Eine Krystallacidlösung in wenig Säure werde durch Neutralisation gefällt, wobei der Niederschlag in sehr verdünnter Ammoniaklösung löslich sei; bei der Fällung der säurehaltigen Lösung durch Neutralisation mit Aetzkali löse sich der Niederschlag beim Waschen auf und werde von Säuren aufs neue gefällt (ib. p. 130).
Diese Beobachtung erscheint besonders interessant, wenn man sich vergegenwärtigt, dass auch hier das historische Globulin derselben Untersuchung unterworfen wurde und auf Kosten der in den Niederschlägen zurückgehalten Salze dieselben in Wasser löslichen Niederschläge gab!
Panum’s Angaben anerkennend und bestätigend, nimmt Lehmann zugleich an. dass die Säuren das Protein in eine unlösliche Verbindung überführen, wobei es jedoch nur von Mineralsäuren und Gerbsäure gefällt werde, während vegetabilische Säuren es nicht fällen. Indem Lehmann sich hier Panum’s Arbeiten über die Fällbarkeit säurehaltiger Lösungen durch Salze ins Gedächtniss ruft, spricht er die Ansicht aus, dass das Albumin in zwei neue Körper zerfallen könne 2). Diese Ansicht gründet sich wahrscheinlich auf die Thatsache, dass Panum aus Hülmereiweiss zwei Produkte erhalten hatte (W 48—60 p. 110); in Bezug auf den obenangeführten Satz wäre aber es schwer zu erklären, was Lehmann darunter verstand.
dass aber dieser Stoff durch Einwirkung der Luft und unter Umständen durch Temperaturerhöhung seine Löslichkeit in Wasser einbiisst“ (109 p. 438-9).
*) „Setzt man aber mehr oder weniger Alkalisalz zu, so entsteht bei niederer oder höherer Temperatur ein Praecipitat, d. h. je mehr Salz zugesetzt wird, bei desto weniger hoher Temperatur wird die Substanz aus der Lösung ausge* * schieden,.....“ (79 p. 129).
s) „Durch die meisten Säuren wird das Albumin in eine unlösliche Modification verwandelt, dabei aber nur von den Mineralsäuren (ausser
dreibasischer Phosphorsäure) praecipitirt, wenn diese in einigem Ueberschusse zugesetzt werden; die organischen Säuren, ausser den Gerbsäuren, schlagen das Eiweiss nicht nieder“. Dabei bemerkt er: „Panum hat auch über diesen Gegenstand sehr interessante Versuche angestellt, aus denen hervorgeht, dass selbst durch Essigsäure und gewöhnliche Phosphorsäure die albuminösen Materien wesentliche Veränderungen erleiden, so dass es sogar nicht unwahrscheinlich wird, dass diese Säuren, katalytisch wirkend, das Albumin in „zwei neue Körper zerlegen" (80 p. 312).