﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
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fahren reines gereinigtes Protein zu erhalten meinte (W 48—60 p. 124), dialysirte er, wie aus dem von uns Dargelegten ersichtlich ist, eigentlich eine Säurelösung des Proteins. Mit Essigsäure verdünntes Eiweiss wurde 4 Tage lang der Dialyse unterworfen *). Ohne irgend welche vollwichtigen Beweise anzuführen, behauptet Graham, dass in diesen 4 Tagen sich alle Essigsäure abgetrennt hatte. Dawider zeugen aber seine eignen Beobachtungen: die Lösung reagirte sauer und coagub'rte Milch * 2). Dieses Präparat ist es, welches Graham geneigt zu sein schien hauptsächlich „Albuminsäure“ (42 p. 61 u. 41) zu nennen. Wittich jedoch, der Graham’s Versuche wiederholte, findet nicht, dass in der Flüssigkeit ein aschenfreies Präparat erhalten worden wäre (148 p. 307).
Ein doppeltes Interesse bieten die in derselben Richtung ausgeführten Versuche Schützenbergers (134 p. 86). Dieser Forscher erhielt erstens die Säurelösung eines Neutralisationsniederschlags aus Lieberkühn’s Alkalialbumiuat, zweitens setzte er die Dialyse solange tort, bis sowohl die äussere als die innere Flüssigkeit des Dialysors neutral reagirten. Die erhaltene Flüssigkeit gerann in der Wärme und wurde durch Mineralsäuren und vegetabilische Säuren gefällt; bei alledem erzeugte der Zusatz einer sehr geringen Menge Ätznatron oder irgend eines Mittelsalzes zur dialysirten Flüssigkeit einen Niederschlag 3). Dieselben Erscheinungen wurden auch an nach Graham behandeltem Eiweiss und auch an einer Caseinlösung 4) in Salzsäure beobachtet. In allen Fällen waren die Resultate identisch; im zuletzt erwähnten Fälle bewirkte Essigsäure keine Fällung. Diese Thatsachen entsprechen zwar dem Titel der Schrift „Ueber die Umwandlung des geronnenen Albumins und Caseins in lösliches Albumin“ 5), welcher alles Dargelegte resümirt. dieselben berechtigen aber noch nicht dazu, die Gegenwart einer sich ohne Mitwirkung von Säure gelösten Proteinsubstanz hier anzunehmen. Das einzige, was diese Proteinlösung von einer säurehaltigen unterscheidet, ist die bis dahin noch nicht verkündete neutrale Reaktion derselben, hauptsächlich aber die Fällbarkeit beim Erhitzen; dagegen ist die Wirkung sowohl der Alkalien als auch der Salze mit den Eigenschaften der säurehaltigen Protemlösungen vereinbar,
ÄYie befremdlich muss nun dem Leser der von Hoppe-Seyler aus Schützen-berger’s Arbeiten gezogene Schluss klingen, dass Schützenbergers Tatsachen über die Gewinnung löslichen durch Dialyse erhaltenen Albumins auf einem Irrtum beruhen, da der Autor ein ganz gewöhnliches Albuminat 6) vor sich gehabt habe! Hoppe-Seyler scheint mit dem Verhalten der Säuren zu den Proteinen
'■) „Die Lösung von Albumin aus Hühnereiern wird durch Essigsäure versetzt und dann der Dialyse unterworfen“ (42 p. 61).
2)	„Die Erd - und Alkalisalze gehen rasch weg, und nach drei bis vier Tagen hinterlasst das Albumin bei dem Verbrennen keine Spur Asche mehr. Obgleich die bei diesem Verfahren angewendete Essigsäure vollständig wegdiffundirt, hat doch das in dieser Weise dargestellte Albumin eine schwach saure Reaction. Es coagulirt auch die Milch, wenn es mit der letzteren gemischt und erhitzt wird“ (ib. p. 61).
3)	„Malgré cette apparente analogie avec les solutions naturelles d’albumine il présente aussi
des différences assez marquées; ainsi l'addition
d'une très petite quantité d'alcali ou d’un sel
neutre le coagule également“ (134 p. 86).
4)	Schützenberger nennt „les solutions de chlorhydrate de caseine — salzsaures Casein“. Hier, wie in Fällen anderer Autoren werden, um Umschreibungen zu entgehen, ähnliche Ausdrücke bequemlichkeitshalber gebraucht.
Ö „Sur la transformation de l'albumine et de la caséine coagulée en une albumine soluble & coagulable par la chaleur (134 p. 87).
6) „Die Angabe von Schützenberger (Comp, rend. T. 58 p. 86), dass man durch Dialyse aus in Essigsäure gelöstem Albuminate ein lösliches Albumin erhalte, beruht auf einem Irrthume; nach seiner eigenen Beschreibung ergiebt sich, dass auch er ein ganz gewöhnliches Albuminat (!) erhalten hat“ (59 p. 788; 60 p. 194).