﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
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Ferner löse sich Syntonin in Kalkwasser und gerinne nicht beim Kochen, trübe sich aber, wobei die Trübung sich allmälig in Flocken sammle, während das Filtrat trotz der Siedhieze bei der Neutralisation einen Niederschlag von unverändertem Syntonin ausscheide *). Ein ganz identisches Verhalten zeigte eine Lösung in Barytwasser; in 1%-iger Natriumcarbonatlösung dagegen beobachtete man beim Kochen nur den Unterschied, dass keine Trübung und keine Häute entstanden. Syntoninlösungen in sehr unbedeutenden Quantitäten Ammoniak oder Kalk trübten sich an der Luft, was Kühne der Wirkung der atmosphärischen Säure im allgemeinen und dem Entweichen des Ammoniums im besonderen zuschreibt; andererseits wurden die erwähnten Lösungen durch Einleiten eines Kohlensäurestroms gefällt, wobei das Syntonin sich zusammen mit dem Calciumcarbonat ausschied. Bei weiterer Einwirkung der Kohlensäure löste sich der kohlensaure Kalk, und reines Syntonin blieb zurück (74 p. 17—18).
Kühne bemerkte im ganzen keinen Unterschied, ob zuerst eine alkalische Lösung und dann aus dem Neutralisationsniederschlage eine säurige, oder, umgekehrt zuerst eine Säurelösung, dann eine alkalische Lösung desselben Präparats dargestellt wurde: in beiden Fällen wurde ein und dasselbe Produkt erhalten * 2). So wären, Kühne’s Angaben nach, z. B. der Neutralisationsniederschlag aus einer säurigen Fibrinlösung—Kühne’s Syntonin—und Lieberkühn’s Alkalialbuminat vollkommen identisch 3). Andererseits hätten Lösungen von Kühne’s Syntonin und Myosin in verdünnten Aetzalkalien oder Alkalicarbonatlösungen, in Kalk- oder Barytwasser ein ganz identisches Verhalten gezeigt 4). Dies veranlasste Kühne zu der Aussage, dass Syntonin auch auf diese Art, d. h. durch Auflösen in Alkalien und Alkalisalzen, erhalten werden könne 5).
Somit identificirte Kühne sein Syntonin einerseits mit den Neutralisationsniederschlägen aus säurehaltigen Lösungen verschiedener Prote'inpräparate, andererseits mit den Neutralisationsniederschlägen ans alkalischen Lösungen derselben Produkte, und endlich mit dem Neutralisationsniederschlag aus einer alkalischen Lösung von Lieberkühn's Alkalialbuminat; ferner identificirte er es noch mit dem Syntonin, welches durch Auflösung nicht nur in Salzsäure und andern Säuren, sondern auch in Alkalien, Erdalkalien und sogar in Natriumcarbonat erhalten wird! Demgemäss erklärt Kühne die Neutralisationsniederschläge sowohl aus alkalischen als aus sauren Lösungen nicht nur für identisch, er benennt sie auch noch mit einem und demselben Namen—„S y u t o n i n“.
Endlich finden wie bei Kühne auch noch Angaben darüber, dass der Neutralisationsniederschlag aus einer Lösung von Lieberkühn’s Alkalialbuminat sich sehr
„Die Lösung des Syntonins in Kalkwasser schäumt beim Kochen stark, und es gelingt nach längerem Erwärmen diesen Schaum zu einer feinen, wenig durchsichtigen, weissen Flocke zusammenzudrücken. Die davon befi’eite alkaliclie Lösung giebt nichtsdestoweniger heim vorsichtigen Neutralismen einen starken Niederschlag von unverändertem Syntonin“ (74 p. 17).
2)	„....., da die Lösungen des Syntonins in
einem Alkali in der That die überraschendste Aehnlichkeit mit dem Kalialbuminat haben, ebenso wie die sauren Lösungen von dem sog. Acid-albuminum nicht zu unterscheiden sind“ (74 p. 19).
3)	„..... und aus der sauren Lösung (von
Fibrin) scheidet sich gerade wie aus der des aus
Kalialbuminat dargestellten Eiweisses, ein Niederschlag durch Neutralisation ab, der sich wieder genau verhält wie Syntonin, und dessen alkalische oder saure Lösungen alle Syntoninreactionen geben“ (74 p. 19).
4)	„Das Muskelcoagulat (Myosin) ist ausserordentlich leicht löslich in verdünnten ätzenden Alkalien, kohlensauren Alkalien und in Kalk— oder Barytwasser. Die so entstehenden Lösungen verhalten sich ganz wie alkalische Syntoninlösungen“ (74 p. 22).
5)	„Auch durch diese Mittel muss also Syntonin erzeugt werden können“ (74 p. 22).