﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
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u. s. w. gefällt. Ein neuer Zusatz von Säure bewirke aber neue Auflösung, ein neuer Zusatz von Salz abermalige Fällung u. s. \v. *). Alkalische Seroglobinlösungen würden ferner durch Säuren: Phosphor-, Essig-, Weinsäure u. ?. gefällt, und der Niederschlag löse sich in einem Überschuss derselben. Wenn diese Säuren in Serum. dem durch Verdünnung mit Wasser und Einwirkung von Kohlensäure das Seroglobin entzogen wurde, keinen Niederschlag erzeugen, so erkläre sich, nach Brücke, dieser Umstand durch die Gegenwart von Salzen in dem Serum. Auch der durch Säuren in einer alkalischen Globulinlösung hervorgerufene Niederschlag verschwinde, wenn zu der Flüssigkeit Salze zugesetzt werden (106 p. 887). Im allgemeinen glaubt Brücke, dass das Protein bei mehr oder weniger langer Einwirkung einer Säure sich verändere; dies kennzeichne sich vor allem durch die Eigenschaft der durch Säuren modificirtes Protein enthaltenden Lösungen, von grösseren Salzmengen gefällt zu werden. Doch hänge diese Modification sowohl von der Concentration und der Natur der Säure als von der Temperatur ab (ib. 886—7).
Brücke führt zwar dieses neue Kriterium ein, giebt aber weder an, wie es anzuwenden, noch was unter dieser Veränderung zu verstehen sei. Dies ist um so erstaunlicher, als bei längerer Einwirkung der Säure die Neutralisation Niederschläge „von sogenanntem Svntonin“ a), wie er sich ausdrückt, erzeugen soll. In derselben Arbeit weist Brücke aber darauf hin, dass die Salze der lösenden Wirkung der Säuren gerade dort entgegenwirken, wo diese Wirkung auch noch nicht Zeit gehabt hatte ihren Einfluss auf das Protein geltend zu machen. So löste sich, seinen Beobachtungen nach, der Neutralisationsniederschlag aus einer Alkalialbuminatlüsung um so leichter in einem Überschüsse der neutralisirenden Säure, je weniger Salze in der gegebenen Lösung enthalten waren s).
Gleicherweise quelle auch sein Pseudofibrin (p. n. 88) in Säuren auf, werde glasartig, durchsichtig, der Zusatz eines Salzes gebe ihm aber sein trüberes Aussehen wieder: es wird undurchsichtig und fällt zusammen. Eine neue und grössere Quantität Säure bewirke abermaliges Aufquellen seines Pseudofibrins. Wenn Brückc’s Kriterium keine Kritik aushält, so bestätigen sich dagegen seine Beobachtungen in
') ..Es muss hinzugefügt werden, dass das Paraglobulin auch durch concentrirte Lösungen von Kochsalz, schwefelsaurem Natron, Chlorkalium, etc. wie das Ehveiss aus seinen sauren Lösungen gefällt wird, dann durch Zusatz von Säure bis zu einem gewissen Grade wieder gelöst wird, dann von Neuem durch Salzlösung gefällt werden kann etc.“ (14 p. 886).
-) Wir schlagen dem Leser vor, den Sinn und die Bedeutung von Brücke's Angaben selbst herauszufinden; „Die Säuren verändern das native Ehveiss ebenfalls, bald rascher bald langsamer, je nach ihrer specifischen Natur, ihrer Concentration und der Temperatur, unter welcher sie einwirken. Das erste Zeichen der Säurewirkung ist, dass bei Gegenwart einer grösseren Menge von Salzen eine Fällung eintritt. Dieselbe erfolgt allmälig, nicht auf einmal. Wenn man eine mit concentrirter Kochsalzlösung versetzte Eiweisslösung mit Essigsäure versetzt, so entsteht zwar sofort ein Niederschlag: aber wenn man dann schnell filtrirt, so trübt sich das vollkommen klare Filtrat von Neuem und scheidet einen immer reichlicher und reichlicher werdenden
Niederschlag aus. Anfangs ist die Modification nicht tief eingreifend und kann, wie es scheint, durch Neutralisation noch vollständig wieder aufgehoben werden. Der auf dem Eiltrum gesammelte Niederschlag gibt, mit Wasser behandelt, eine klare, bisweilen eine opalisirende Flüssigkeit, die man, ohne eine weitere Trübung zu erzeugen, neutralisiren kann, und aus der sich das Eiweiss unlöslich ausscheidet, wenn sie nach vorsichtiger Neutralisation erhitzt wird. Hat aber die Säure andauernder oder energischer aufgelöstes Eiweiss eingewirkt, so entsteht bei der Neutralisation der Lösung ein reichlicher Niederschlag, der aus sogenanntem Svntonin besteht“ (14 p. 897).
3) „Dieser in Salpeterwasser unlösliche Niederschlag löst sich in überschüssiger Säure aut und zwar um so leichter, je freier die Flüssigkeit von Salzen ist. Denn sind viel Salze zugegen, so entziehen sie dem unter dem Einflüsse der überschüssigen Säure stehenden Eiweissmolecül W asser und bringen dadurch eine Trübung hervor, die nur durch grösseren Säureüberschuss und oft selbst durch diesen nur unvollkommen aufgeklärt werden kann“ (14 p. 896).