﻿246
VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
Das Case'in vermag ferner, vie sich aus den Untersuchungen von Hammar-sten und Söldner ergiebt. kohlensaure Salze zu zerlegen. Es löst sich in Dinatrium-phosphat auf und erhöht hiedurch die Reaktion der Lösung für Phenolphthalein in dem Grade, welcher seiner eigenen Acidität für Phenolphthalein entspricht.
Die Löslichkeit des Caseins in Dinatriumphosphat sowie das Verhalten der Flüssigkeit in Bezug auf Opalescenz und die Reaktion auf blaues Lakmoidpapier deuten darauf hin, dass das Casein dem Dinatriumphosphat. aber selbstverständlich nicht dem Mononatriumphosphat sein Alkali zu entziehen Vermag, (p. 132).
Grosse Beachtung verdienen die Erscheinungen, welche Courant beim Zusatz von Säuren zu den Kalkwasser-Caseinlösung beobachtet hat. Bei Zusatz von Schwefel- und Salzsäure bildet sich in der gelblichen, opalisirenden Lösung ein streifig-flockiger Ausfall von Casein; unter Umrühren löst sich derselbe wieder, aber nicht leicht und desto schwerer, je mehr von den Säuren schon zugesetzt ist. Nach Zusatz von 4,7 ccm. 0,1 Normal-Schwefel-, Salz- oder Oxalsäure, d. h. sobald so viel Säure zur Kalkwasser-Caseinlösung hinzugesetzt ist, dass alles Calcium an die zugefügte Säure gebunden ist, ist das gesammte Casein ausgefallen; es bleibt eine wasserhelle Flüssigkeit zurück. Bei Zusatz von Phosphorsäure zur Kalkwasser-Caseinlösung bildet sich anfangs eine wolkige Trübung, dieselbe löst sich aber sofort wieder auf. Das gesammte Casein ist erst ausgefallen, wenn so viel Phosphorsäure zugesetzt ist, dass sich nur Monocalciumphosphat in Lösung befindet (ib. p. 130).
Noch mehr. Kalkwasser-Caseinlösungen sind schwach gelblich und wenig opa-lisirend. Setzt man Oxalsäure zu, so bildet sich nach und nach eine weisse Deckfarbe, welche schliesslich der Lösung das Aussehen von Milch verleiht (ib.).
Slyke & Hart stellten gleichfalls nach Hammarsten’s Verfahren Casein dar und lösten es in Kalkwasser auf (1 38-a p. 465), untersuchten im allgemeinen das A erhalten des Kalks und verschiedener Säuren zum Casein, wobei sie zu dem Schluss gelangten, dass bei der Neutralisation einer Caseinlösung in Kalkwasser mit Säuren das Calcium sich zu den Säuren schlägt, und das Casein sich nicht nur frei von Salzen und Calcium sondern auch aschenfrei ausscheidet (ib. p. 477, 483 und 493).
Hammarsten (46-ap. 135) schreibt dem Casein die Fähigkeit zu, Calciumcarbonat und Calciumphosphat lösende Substanz der Milch. Ob die Lösung durch Zustandekommen einer chemischen Verbindung zwischen Casein und Calciumphosphat herrühre, konnte Hammarsten nicht bestimmt beantworten; er ist jedoch mehr zu der Annahme geneigt, dass das Calciumphosphat durch das Casein einfach gelöst sei. Nach Engling’s Anschauung (33-ap. 391) bietet der Iväsestofi der Milch eine chemische Verbindung von Casein mit Tricalciumphosphat als „Casemtricalcium-phosphat“, wohingegen Söldner (138-b p. 375, 380) geneigt ist hier eine 'Verbindung mit Dicalciumcarbonat anzunehmen.
Somit wurden Hammarsten’s Beobachtungen von Söldner. Courant u. a. nicht nur bestätigt sondern auch noch vervollständigt, obgleich weder ersterer noch letzterer der doppelten Rolle des Caseins unter den gegebenen Verhältnissen die gehörige Aufmerksamkeit schenkten, wie dies durch Hardy’s Arbeiten (50-a p. 255) auch von einer andern Seite bestätigt wird. Hardy, der weder Danilewski’s Arbeiten (p. n. 658 u. f.) noch die mehligen vom J. 1892 (100 p. 561), die weiter unten (p. 676) dargelegt werden sollen, gekannt zu haben scheint, gelangt dennoch zu denselben Schlüssen. So findet er, dass frischgefälltes oder über Schwefelsäure und Ätzkali getrocknetes Globulin auf Lakmus als Säure reagirt, Phenolphtalein nicht verändert, aber Methylorange deprimirt. Aus 0.01 Normal-NaOH und Globulin erhielt Hardy eine neutrale Verbindung. Bei Gegenwart von suspendirtem Globulin erscheint Methylorange orangengelb, während bei tropfenweisem Zusatz von 0,01 Normal- C1H oder- JUS04 die Farbe des Methylorange zuerst in eine hellka-