﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
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lius1 Meinung nach, die Lösung eine neutrale Verbindung des Fibrins in it der Säure enthält, obgleich sie einen sauren Geschmack hat. Säurezusatz bewirkt abermalige Fällung (2 p. 31). Durchgekochtes Fibrin löst sich in Essigsäure nicht, während frisches darin aufquillt und sich dann auflöst, wobei beim Abdampfen der Lösung sich Häute bilden. Alles, was über das Fibrin gesagt ist. lässt sich auch am Serum beobachten; wobei andere Säuren dieselbe Wirkung ausüben. Beim Trocknen der sauren Lösung wird eine leimartige Masse erhalten, welche blaues Lakmuspapier rot färbt und in Wasser löslich ist. wobei sie sowohl von Alkalien als von Säuren ausgefällt wird. Diesem Verhalten des Proteins gemäss nimmt Berzelius zwei Verbindungen desselben mit Salzsäure und Schwefelsäure an: ein lösliche mit verhältnissmässig geringem Säuregehalt, und eine unlösliche mit grösserem Säuregehalt (ib. p. 32—3 und 58).
Mit diesen Angaben stimmen Marcet’s Beobachtungen (89 p. 44) vollkommen überein: Lymphserum und Eiweiss geben mit Schwefelsäure und Chlorwasserstofi-säure Niederschläge, die in Wasser löslich sind und von Salpetersäure aufs neue gefallt werden. Die mittels dieser Säuren—Salzsäure und Schwefelsäure—erhaltenen Niederschläge lösen sich in Wasser ohne Beihilfe von Wärme schwer (ib. p. 44). Dieselben Säuren in geringerer Concentration erzeugen in den erwähnten prote'in-haltigen Flüssigkeiten keine Niederschläge. Im Gegensatz zu der bis dahin verbreiteten Ansicht bewirke auch Essigsäure Fällung, wenn die Flüssigkeiten, insbesondere das Serum, nur nicht verdünnt sind (ib. p. 45).
John teilt diese Ansichten, indem er gleich Berzelius das Vorhandensein einer neutrale n und einer sauren Verbindung der Proteïnsubstanz mit Säuren anerkennt; erstere werde durch direkten Zusatz der Säure zu der proteinhaltigen Flüssigkeit erhalten und sei eine lösliche Verbindung; letztere, eine unlösliche Verbindung. bilde sich, wenn man den Flüssigkeiten die Säuren bis zur Bildung von Niederschlägen zusetzt (70 p. 251).
Wenn man den schon angeführten Tatsachen gemäss auch zugeben muss, dass in sehr stark verdünnten Säuren das Protein sich löst, aus den Flüssigkeiten aber nicht ausfällt, aus dem festen Zustand in Lösungen übergeht und von stärkeren Säuren aufs neue gefällt wird, so zeigen Schübler’s Beobachtungen (1818,133 p. 507), dass das Protein in noch concentrirteren Säuren wieder löslich ist und aus denselben, indem man in umgekehrter Ordnung vorschreitet, von Wasser ausgefällt wird! So beobachtete Schübler, dass in englischer Schwefelsäure, spec. Gew. 1,808, Casein und Zieger (p. n. 183) eine rotbraune Lösung bildeten, aus welcher sie durch Verdünnung letzterer mit Wasser in Gestalt eines weissen Niederschlags ausfielen2) (133 p. 557).
Solche Beobachtungen veranlassen uns zuzugeben, dass Protein in sehr verdünnten Säuren löslich ist, diese Lösungen von Säuren mittlerer Concentration gefällt werden, und der Niederschlag in concentrirten Säure sich abermals auflöst. Beim umgekehrten Verfahren wird das Protein aus der Lösung in concentrirten Säuren von Wasser ausgefällt, und bei weiterer Verdünnung findet wiederum Auflösung statt. So fand z. B. Thénard, dass Fibrin in schwacher Salz- oder Essigsäure eine feste
’) „Si le précipité est mis sur le filtre et lavé, une certaine quantité d’acide est emportée par l’eau, et le reste de la substance est soluble dans l’eau pure. La solution contient une combinaison neutre de fibrine et de l’acide minéral employé. Elle a une consistance muqueuse, une couleur opale et un goût acide" (2 p. 31).
;') Dass hier nicht sämmtliches Protein unter
dem Einfluss der Säure sich zersezt hatte, beweist die Bildung eines Niederschlags durch Verdünnung mit Wasser, hauptsächlich aber die Aussage der Autoren, dass nach längerer Einwirkung derselben Säure kein Niederschlag erhalten wurde, folglich schon Zersetzung des Proteins eingetreten war (133 p. 570).