﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
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sich selbst sauer reagirt und in Wasser unlöslich ist und dass, wenn in Gibourt’s Versuchen das in Schwefelsäure aufgelöste Protein nach der Neutralisation mit kohlensaurem Baryt auch in Lösung blieb, dieser Umstand dem Vermögen des Ba-ryumcarbonats, das Casein zu lösen, zuzuschreiben sei. da kohlensaures Baryt sogar in kaltem Wasser löslich ist (ib. p. 612). Dabei enthielt der durch Chlorwasserstoffsäure erhaltene Niederschlag nach sorgfältigen V äschen bei genauer Untersuchung kein Chlor (ib. p. 612). Braconnot fand, dass in Chlorwasserstoffsäure gefälltes Casein in einem Ueberschuss der Säure sich löste, durch einen noch grösseren Ueberschuss aber aufs neue gefällt wurde (10 p. 344). Bei Berzelius finden wir jedoch Tatsachen, die mit Gibourt’s Angaben übereinstimmen. Auch im J. 1831 (3 p. 564) gab Berzelius zu. dass bei der Fällung z. B. von Milch mit Säuren, das Casein derselben mit den Säuren Verbindungen eingeht, die, wie in Gibourt’s Versuchen, von kohlensaurem Baryt zersetzt werden. Dabei erwähnt Berzelius, dass Casein mit geringen Säuremengen eine lösliche Verbindung bildet.
Hier begegmen wir einem gewissen Widerspruch mit dem, was Berzelius über eine saure unlösliche Verbindung berichtete, welche nicht nur zur Fällung des Caseins sondern auch zu dessen Auflösung ungleich mehr Säure erforderte. Uebri-gens wiederholte Berzelius auch jetzt, dass eine saure Caseinlösung aufs neue von Säuren gefällt werde, indem sie in eine unlösliche Säureverbindung übergeht, welche nach der Entziehung einer gewissen Wassermenge sich wieder lösen soll *). Es erweist sich, dass wir bei der Fällung von Milch eine solche Säuremenge mit dem Casein verbunden annehmen müssen, wie zur Bildung einer unlöslichen Verbindung im früheren lalle notwendig war. um so mehr als Berzelius selbst angiebt. dass, wenn beim Säurezusatz zu proteinhaltigen Flüssigkeiten sich auch kein Niederschlag ausscheidet, das Protein dennoch in denselben Zustand, in welchem das Fibrin sich nach der Auflösung in Säuren befindet, d. h. in eine saure lösliche Verbindung. übergeht (3 p. 67).
Diese Frage gewinnt überhaupt ein bedeutendes Interesse. Stellen die durch Einwirkung fast nur neutralisirender Säuremengen erhaltenen Niederschläge eine Säureverbindung vor? Direkte Beobachtungen Braconnot’s beweisen gewiss klarer als irgend welche Betrachtungen das Nichtvorhandensein einer Verbindung im gegebenen Falle. Andererseits aber erklärte im Jahre 1835 Denis, der von dem Satze ausging, in welchem er mit Berzelius übereinstimmte, nämlich dass das Protein in den proteinhaltigen Flüssigkeiten durch Alkalien gelöst erhalten werde, dass durch die Einwirkung von Säuren zuerst die das Protein in Lösung erhaltenden Alkalien neutralisirt werden, welches daher in unverändertem, aber säurefreiem Zustand ausfällt (25 p. 78 ix. a.). Damit legte Denis den Grund zur Lehre von den Neutralisationsniederschlägen aus proteinhaltigen Flüssigkeiten, zur Lehre von den Globuli-nfen, die wir schon genügend discutirt haben. In diesen Fällen spielt die Säure die Rolle eines Agenten, welches das Globulin aus dessen Verbindungen und auch dies nicht unmittelbar, ausscheidet. Im Anklang daran sind die von Säuren in proteinhaltigen Flüssigkeiten bewirkten Niederschläge, und zwar in den Fällen, wenn die Säure an der Bildung des Niederschlags keinen Anteil nimmt, schon der Gegenstand unsere Betrachtung gewesen.
*) „Um den Käsestoff darzustellen, vermischt man abgerahmte Milch mit verdünnter Schwefelsäure, welche sich mit dem Käsestoff verbindet und ihn in Gestalt eines weissen C’oagulums niederschlägt.“ (3 p. 5G4). Man vergleiche: ..Der
Käsestoff verhält sich zu Säuren fast wie das Eiweiss. Er giebt mit weniger Säure eine in Wasser lösliche, und mit mehr Säure eine schwerlösliche Verbindung, aus der sich die Säure aus-waschen lässt, so dass sie löslich wird“ (3 p. 565.