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VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
Zur Lehre von der Wirkung der Säuren auf die Protemkörper zurückkehrend, müssen vir noch erwähnen, dass Berzelius (3 p. 37) über die zweifache Rolle der Proteinsubstanzen sich bestimmter ausspricht, indem er annimmt, dass das Protein wie als Base so auch als Säure wirken kann l).
Ausser dem schon aus früheren Arbeiten Mitgeteilten, vollen vir noch erwähnen, dass auch Berzelius Zusammenfallen des Fibrins beim Auswaschen mit Wasser, nachdem es in Schwefelsäure aufgequollen war, beobachtete. Unter dem Einfluss mit 5—ß Vol. Wasser versetzter Schwefelsäure setzt frisches Fibrin sich zusammen und verdichtet sich; in diesem Zustande hielt Berzelius dasselbe für eine Verbindung mit der Säure, für eine solche Verbindung, wie auch bei der Behandlung einer säurehaltigen Gallerte mit einer Säure entsteht (ib. p. 38). Beim Auswachen diesei Präparate mit Wasser auf dem Filter bekommen sie ihr gallertartiges Ansehen wieder; gleichdem geht auch getrocknetes Fibrin bei der Behandlung mit stark con-centrirter Salzsäure in den gallertartigen Zustand über und löst sich dann allmälig unter Bildung einer blauen Flüssigkeit auf, aus welcher durch V asser ein neuei Niederschlag erhalten wird, der nach der Entfernung des Säureüberschusses aufs neue in eine Gallerte übergehen kann. Den gallertartigen Zustand des Fibrins unter den gegebenen Umständen hält Berzelius für eine neutrale wasserlösliche Verbindung des Fibrins mit Säuren 2 3). Eben solche neutrale Verbindungen werden auch mit Phosphorsäure, Salpetersäure und Salzsäure erhalten (ib. p. 38	9).
Der zweifache Charakter des Proteins wird, wie wir schon in der Lehre vom Alkalialbuminat (p. n. 70) gesehen, auch von Denis anerkannt; hier ist es für die Geschichte des Verhaltens des Globulins äusserst wichtig hervorzuheben, dass Denis der erste war. welcher Fällung einer Proteinlösung, und zwar iibriu in neutialen Salzen, in Gestalt einer Gallerte, in welcher auch nach Denis’s Ansicht das Fibrin die Rolle einer Base spielte, beobachtete, wobei, wenn die zur Fällung benutzte Säure sehr verdünnt ist. der Niederschlag in sehr kleinen Flocken . erhalten wird. Nimmt man wenig Säure, so wird in der salzhaltigen Fibrinlösung im allgemeinen kein Niederschlag erhalten °). V ie Dutrochet (30 p. 42) für Eiv*eiss so fand Denis in Bezug auf Blutserum, dass sowohl Mineralsäuren als vegetabilische Säuren einen Niederschlag erzeugen, der in der zur Fällung benutzten verdünnten Säure sich vollständig autiöst. Nimmt man concentrirte Säuren, besonders wenn das Blutserum «ingedampft ist, so erhält man eine geléeartige Masse (25 p. 79).
Zu derselben Zeit beobachtete Magendie, dass sowohl Blutserum als Eiweiss mit Essigsäure geléeartige Massen 4) geben; letztere lösen sich beim Erwärmen auf und nehmen beim Abkühlen ihr früheres Aussehen wieder an. Diese Präparate sah Magendie für eine Verbindung der Säure mit dem Protein, für essigsaures Albumin an 5). Wie schon erwähnt, gab auch Lecanu zu jener Zeit eine Verbindung des Chromoglobins mit Schwefelsäure zu und nannte dieselbe „schwefelsaures Albuminc-
*) „Das Verhalten des Faserstoffs zu Säuren und Alkalien zeigt, dass er bald die Rolle einer Basis, bald die einer Säure, oder wenigstens eines elektronegativen Körpers spielen kann“ (2 p. 37).
2)	„Die lösliche gallertartige Masse ist eine neutrale Verbindung von Schwefelsäure mit Faserstoff“ (3 p. 38).
3)	Les acides y (dans une solution salino-
fibrineuse) produisent également un précipité cail-
lebotté; alors la fibrine est basique. Si les acides et les alcalis sont fort étendus, les précipités sont à flocons très fins. En général, si l’on n’ajoute
que peu d’acides ou d alcalis, il ne s y opère aucun changement appréciable“ (25 p. 74).
4)	Lehmann (81 p. 112), besonders aber Brücke (14 p. 885), und nach diesem Rollett (123 p. 347), behaupten, dass Magendie der erste war, der den geléeartigen Zustand des Serums unter diesen Umständen beobachtete. Rollett neunt diese Massen sogar „Magendie’s Gallerte“ (123 p. 347).
5)	„Je mets de l’acide acétique en contact avec du sérum: il s’est formé un corps opalin transparent, qui est probablement un acétate d’albumine“ (87 p 344).