﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
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serum und verdünntes Eiweiss die ihnen früher abgehende Fähigkeit erwerben, von Essigsäure, Phosphorsäure, Weinsäure, Oxalsäure, Milchsäure u. s. w. * *) gefällt zu werden. Fällung, im besten Falle vollständige, wurde beobachtet, gleichviel, ob zur Flüssigkeit zuerst die Säure und dann das Salz oder, umgekehrt, zuerst das Salz, dann die Säure zugesetzt wurde *). Durch dieselben Neutralsalze wurden auch wässerige Lösungen der Säuregallerte (AW 48—60 p. 64) gefällt, wobei die Niederschläge vollkommen identische Eigenschaften mit den obenbeschriebenen, aus den prote'inhaltigen Flüssigkeiten durch gleichzeitige Einwirkung von Säuren und Salzen erhaltenen, Niederschlägen besassen s). Zugunsten der Identität dieser Niederschläge zeuge, Panum’s Ansicht nach, auch der Umstand, dass schon bei einem solchen Säuregehalt der proteïnhaltigen Flüssigkeit, wie er zur Gallertbildung notwendig ist, die unbedeutendsten Salzmengen Fällung bewirken 4).
Gleich Parkes fand auch Panum, dass je mehr Säure eine gegebene Flüssigkeit enthält, desto weniger Salz zur Fällung derselben erforderlich sei (109 p. 436). So bedürfe es auf 100 Vol. Serum bei 10, 20, 40 und 80 Vol. Säure zur Erzeugung eines Niederschlags resp. 100, 60, 30 und 40 Vol. gesättigter Chlornatriumlösung 5). Diesen Thatsachen gemäss meint Panum, dass ein grosser Säuregehalt für die Bildung von Niederschlägen ein ungünstiger Umstand sei (ib. p. 437). Uebrigens fand Panum dasselbe auch in Bezug auf die durch Salz und Säure bewirkten Niederschläge, zu deren Bildung eine gewisse günstige Säuremenge notwendig sei ß).
Indem Panum nun zur näheren Erforschung des Wesens dieser Niederschläge übergeht, fragt er sich, ob dieselben nicht vielleicht mit dem Seroglobin identisch sind. Diese Frage ist zwar eine gerechtfertigte, doch muss der Leser sich ins Ge-dächtniss rufen, dass zu Panum’s Zeit die Eigenschaften des Globulins bei weitem weniger bekannt waren, als es jetzt der Fall ist.—Nur aus diesem Grunde lässt sich der scharfe Unterschied in den Eigenschaften dieser Niederschläge und des Seroglobins erklären, wie wir ihn in dem Satze finden, den Panum der Aufzählung dieser Unterscheidungsmerkmale vorausschickt 7). Besonders schneidend klingt der
*) „Es stand hiernach zu vermuthen, dass dieselbe Fällung eintreten würde, wenn eine mit Mittelsalzen stark versetzte neutrale Albumin-lösung mit Säuren versetzt würde, welche sonst das Eiweiss nicht niederschlagen. Der Versuch bestätigte diese Vermuthung vollkomen. Wurde Serum oder verdünntes und filtrirtes Hühnerei-weiss mit einer hinreichenden Menge Kochsalz oder irgend einem der andern Mittelsalze versetzt, so war die salzreiche Eiweisslösung durch Essigsäure. Phosphorsäure, Weinsteinsäure, Oxalsäure, Milchsäure u. w. fällbar geworden“ (109 p. 428).
*) „Die Ausfällung war, gleichgültig, ob zuerst Säure und dann Salz oder zuerst Salz und dann Säure hinzugesetzt war, bei hinreichendem Zusatz dieser Substanzen so vollständig, dass Kalium-cyanür in der sauren, vom ausgefällten Stoff ab-tiltrirten Flüssigkeit keine Trübung erzeugte: eben so wenig wurde das Filtrat durch ein Paar Tropfen Salpetersäure oder durch Kochen getrübt“ (109 p. 428-9).
3) „Die wässrige Lösung dieser Gelatine bleibt beim Kochen vollkommen klar, wird aber durch die Mittelsalze gefällt und zeigt in jeder von mir untersuchten Beziehung ganz dasselbe Verhalten gegen die Reagentien wie die wässrige Lösung des durch Mittelsalze aus den sauren Eiweiss-
lösungen und des durch Säuren aus den salzreichen Eiweisslösungen gefällten Stoffes“ (109 p. 436).
*) „Für ihre Identität, natürlich abgesehen von den Beimengungen der Säure oder des Salzes, spricht auch der von mir beobachtete Umstand, dass die für die Entstehung der in Wasser löslichen Gelatine günstigste Säuremenge auch die geringste Salzmenge zur Erzeugung einer bleibenden Fällung in der sauren Eiweisslösung erfordert“ (109 p. 436).
6) Auf 100 Vol. Blutserum sind bei 10—20— 40—80 Vol. Essigsäure resp. 100—60—30—40 concentrirter Chlornatriumlösung und auf 100 Vol. Blutserum bei 0—3—11 Vol. Phosphorsäure 30— 16 — 24 conc. Chlornatriumlösung erforderlich (109 p. 437).
6)	„Eine gewisse Säuremenge war am günstigsten, indem sowohl ein Zuviel wie ein Zuwenig derselben die Fällung durch Salze etwas beeinträchtigte“ (109 p. 428).
7)	„Dass Serumcasein (Seroglohin) und der durch Essigsäure aus salzreichen Eiweisslösungen gefällte Stoff ganz verschiedene Dinge sind, welche sich so scharf und bestimmt von einander unterscheiden wie sonst nur wenige zur Proteingruppe gehörige Körper“ (109 p. 431).