﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
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phorsäure, beobachtete. Dass dieser Forscher den Niederschlag in Essigsäure unlöslich fand, erkärt sich, Panum’s Ansicht nach, entweder durch eine unvolkommene Befreiung von dem Salze, bei dessen Gegenwart es unmöglich sei die Niederschläge in Essigsäure aufzulösen '), oder durch eine Veränderung unter dem Einflüsse von Feuchtigkeit und Luft (109 p. 447). Was das Verhalten dieses Körpers oder dessen Lösungen gegen die Wärme anbetrifft, so behauptet Panum im Gegensatz zu Mel-sens, dass der durch Salz und Säure erzeugte Niederschlag sowohl in kaltem als auch in warmen Wasser löslich sei (109 p. 434). Dies entspricht natürlich unserer Vorstellung von den Globulinen nicht. Zieht man aber Panum’s Beobachtungsmethoden in Betracht, nach welchen der in Wasser suspendirte Niederschlag mit einer grossen Wassermenge versetzt wurde, wobei Panum vollständige Lösung 2) des Niederschlags beobachtete, so ist es schwer anzunehmen, dass er seine Versuche wirklich mit „heissem“ nicht aber bloss mit warmem Wasser ausführte, in welchem die Löslichkeit die Globulins bei Gegenwart von Salzen nicht abgeleugnet werden kann, wir wir seinerzeit schon genügend erklärten (AkV 75—80 p. 247). Prüfte Panum dagegen eine Lösung auf die Löslichkeit des Präparats in der Siedhitze, und erhielt dabei, keine Fällung, was den von uns angeführten Thatsachen gemäss (ib. p. 259) wahrscheinlich ist, so erklärt sich das leicht durch den geringen Globulingehalt, da Panum’s Lösungen sehr wasserreich waren. Giebt man andererseits auch zu, dass Panum wirklich Auflösung des Niederschlags in heissem Wasser beobachtete, so ist nicht zu vergessen, dass die Wasserlöslichkeit des Niederschlags sogleich und vor allem geprüft wurde, folglich, wie man wohl annehmen darf, als der Niederschlag noch nicht säurefrei war. Ungeachtet des Wunsches, Melsens gegenüber Löslichkeit der Niederschläge, besonders in heissem Wasser, zu verfechten, konnte Panum nicht umhin Tatsachen anzuerkennen, die ihn befremdet zu haben schienen, nämlich dass Lösungen eines in Wasser noch nicht veränderten Niederschlags durch Zusatz einer geringen Salzmenge bei gewöhnlicher Temperatur sich nicht veränderten, dass aber beim Erwärmen Fällung erfolgte; überdies bemerkt er daselbst, dass die Temperatur und die Salzmenge bei der Fällung der Lösungen dieses Niederschlags durch Wärme einander so zu sagen ersetzen 3). Diese Erklärungen Panum’s überzeugen uns noch mehr, dass die obenbeschriebenen Misverständnisse auf den Mengenverhältnissen des Proteins, des Salzes und des Wassers und der von diesen abhängenden Fällungstemperatur (ib. p. 260) beruhten.
Nachdem wir auch dieses Misverständniss erklärt haben, verhindert uns nichts mehr dem durch Salz und Säure erhaltenen Niederschlag die Eigenschaften des Globulins selbst zuzuerkennen. Bei aufmerksamerem Verhalten seinen eigenen Beobachtungen gegenüber hätte Panum selbst, ob gern oder ungern, zwischen dem durch Salz und Säure erzeugten Niederschlage und dem durch Sättigung unverdünnten Blutserums mit Kochsalzkrystallen erhaltenen Identität anerkennen müssen, was er
‘) „Möglich ist es aber auch, dass Melsens die Salzlösung nicht hinreichend entfernt hat; denn bei Gegenwart einer grossem Menge der Salzlösung ist eine Lösung in Essigsäure schwer oder unmöglich zu erzielen; und etwas früher: denn wenn die Niederschläge an der Luft lange liegen oder gar eintrocknen, werden sie unlöslich sowohl in Essigsäure und Phosphorsäure wie in Wasser" (ib. p. 447J.
5) „Jedes der durch Einwirkung von nicht praecipitirenden Säuren und Mittelsalzen aus Losungen eiweissartiger Körper von mir erhaltenen Praecipitate habe ich zuerst auf seine Löslich-
keit in Wasser in der Weise geprüft, dass ich einen Theil des in der Flüssigkeit suspendirten Praecipitats mit vielem Wasser übergoss; es verschwand jedesmal vollständig“ (ib. p. 432-3).
3) „Wir werden nämlich sehen, dass der noch nicht durch die Luft veränderte Stoff in einer wässrigen Lösung durch eine geringe Salzmenge in der Kälte nicht gefällt wird, aber beim Erhiz-zen sich abscheidet, ja dass eine Temperaturerhöhung und eine grössere Menge Salz für die. Bewerkstelligung der Fällung einander substitui-ren können“ (109 p. 434).