﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
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Somit würden alle Untersuchungen auf die Untersuchung des bei gleichzeitiger Einwirkung von Salzen und Säuren aus dem Serum erhaltenen Niederschlags zurückgeführt werden können. Dass dieser Niederschlag Panum’s Aufmerksamkeit auf sich lenkte und von ihm einen besonderen Namen erhielt, darf nicht befremden! Panum erhielt unter verschiedenen Umständen aus dem Serum drei verschiedene Niederschläge: 1 — durch Verdünnung des Serums und Einwirkung von Essigsäure, den er „Serumcasem“ nannte; 2—aus eben solchem, aber unverdünntem Serum durch Sättigung mit Kochsalz in Substanz und von ihm „Albumin“ genannt *); 3—endlich, durch gleichzeitige Einwirkung von Essigsäure und Kochsalz gleichfalls auf unverdünntes Serum, wodurch Niederschläge entstanden, die Panum „Acidalbumin“ benannte. Schon der Umstand, dass diese Niederschläge aus einem und demselben Serum erhalten wurden; dass bei der Fällung des Acidalbumins die Salz- und Säuremengen im umgekehrten Verhältnisse zu einander standen, zeugt für die Identität derselben; dass, andererseits, wenn Essigsäure ganz fehlte, der Kochsalzgehalt sein Maximum erreichte; und in Anbetracht dessen, dass das Globulin sowohl in Wasser als in gesättigten Salzlösungen nicht löslich ist, aber unter diesen Umständen durch die Gegenwart eines freien Alkali (s. Alkalialbuminat) in Lösung gehalten werden kann, muss schon einfache Neutralisation dieses Alkali offenbar sowohl in stark mit Wasser verdünntem als auch mit Salz gesättigtem Serum Fällung bewirken. Darin besteht der ganze Sinn von Panum's Beobachtungen, und muss der Ausdruck „Acidalbumin“ eine Stelle in der Pieilie der Synonyme des Globulins einnehmen!
Wenn wir hier die Bedeutung dieser Benennung erörtern, so geschieht es einerseits, weil man angefangen hat unter dem Ausdruck „Acidalbumin“ entweder die Verbindungen des Proteins mit einer Säure oder die Neutralisationsprodukte solcher Verbindungen zu verstehen, andererseits weil es uns wünschenswert erschien, mit den Charakter der Neutralisationsniederschläge der Säureverbindungen des Proteins vertrauter zu werden.
Was die Verbindungen des Proteins mit Säuren anbetrifft, so wagt es Panum nicht, auf Grund seiner Beobachtungen hin zu entscheiden, ob solche Verbindungen existiren oder nicht (ib. p. 457). Nichtsdestoweniger finden wir bei Panum Hinweise, die in unmittelbarer Beziehung zu der Frage nach der Verbindung von Säuren mit dem Globulin stehen. So ist es interessant, dass, wenn man in der Wärme geronnenes Protein und Fibrin in verdünnten Aetzkalilösungen aufiöste und die Lösung darauf neutralisirte, diese Neutralisationsniederschläge nach der Auflösung in schwachen Säurelösungen eben solche durch Salz und Säure bewirkte Niederschläge ausschieden wie Seroglobin oder unverdünntes Serum * 2). Wir halten es nicht für überflüssig noch einmal darauf hinzuweisen, dass auch solche Niederschläge in Wasser aufgelöst, mit Salz gefällt, wieder aufgelöst wurden, u. s. w. bis 4-mal (109 p. 427, 441, 444, 453). Mit andern Worten, Panum bemerkte zwischen den Niederschlägen, die unmittelbar in eine saure Lösung übergeführt wrorden, und eben solchen Niederschlägen, die aber nach vorhergegangener Auflösung der Ausgangspräparate in Alkalilösungen entstanden waren, keinen Unterschied.
*) Näheres darüber ist in Kap. IV (W 48—60 p. 103 u. 160) dargelegt.
2) „....als ich auch aus Fibrin und aus durch
Kochen abgeschiedenem Serumalbumin saure Lösungen bereitet hatte. Da eine Lösung dieser Stoffe in Säuren nicht in hinreichender Menge unmittelbar erzielt werden konnte, wurden sie zuerst in sehr verdünnter Kalilauge gelöst, dann
durch Essigsäure gefällt, und durch einen Ueber-scliuss von Essigsäure wurde die Fällung wieder gelöst. Die so auf indirektem Wege erhaltenen essigsauren Lösungen wurden nun durch jedes der oben genannten Salze eben so gefällt wie die Lösung des Serumeaseins in Essigsäure oder Phosphorsäure“ (ib. p. 427).
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