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VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
Indem Schmidt sich bestrebt das Ausfallen des Globulins auch in den Fällen zu erklären, wenn Kohlensäure in einer Globulinlösung in Carbonaten oder Mittelsalzen Fällung bewirkt, wo die Ausscheidung nicht mehr durch Abtrennung des Alkali erklärt werden kann, nimmt er an, dass in diesen Fällen eine V e r b i n-dung der Säure mit dem Globulin stattfindet 1). Zu gunsten dieser Annahme scheint, Schmidt’s Ansicht nach, sogar in Bezug auf eine Lösung in Natriumcarbonat auch noch der Umstand, zu reden, dass, je verdünnter die Lösung, desto vollständiger die durch Kohlensäure hervorgebrachte Fällung ist. Dadurch erklärte Schmidt die Wirkung der Säure auf verdünntes Serum (ib. p. 456). vergass dabei aber, dass gerade in diesen Fällen das Globulin in verdünnten Säurelösungen sehr leicht löslich ist, worauf er selbst wiederholentlich hingewiesen hat (ib. p. 437. z. B.). Bei Schmidt finden wir zwar einen Hinweis darauf, dass das Seroglobin nach der Ausscheidung aus dem Serum durch Verdünnung mit Wasser und Einwirkung von Kohlensäure nach kurzem Liegen auf dem Filter sich in Wasser wieder löste (130 p. 432), was, unserer Ansicht nach, auf den ersten Blick gerade durch das Entweichen der Kohlensäure beim Liegen des Seroglobins erklärt werden könnte. Doch giebt es auch noch eine andere, wahrscheinlichere, Erklärung (s. Kap. XIX), um so mehr als Schmidt selbst, die Piesultafe seiner Beobachtungen anführt, die es schwer ist mit der Vorstellung von einer Verbindung des Globulins mit Säuren zu vereinbaren. So findet Schmidt, dass die Fällung um so schneller und vollständiger stattfinde, je mehr die Flüssigkeit mit Wasser verdünnt ist, und dass, umgekehrt, zur Fällung um so mehr Säure nötig sei, je concentrirter die Flüssigkeit ist (129 p. 458). Weiter, auch in der soeben erwähnten Beziehung sei der Niederschlag in Säure und Alkalien um so schwerer löslich, je concentrirter die Flüssigkeit ist, aus welcher das Globulin ausgefällt werden soll 2). Endlich sei auch sehr starke Ä erdünnung nicht rätlich, da die Fällung dabei schwerer von statten gehe, und giebt Schmidt in diesem Falle sogar der Auflösung des Globulins in Kohlensäure den Vorzug (ib. p. 539). Obgleich das Gesagte auf einige andere interessante Eigenschaften des Globulins ein Licht wirft, so ist es doch klar, dass es keine positiven Hinweise auf das Bestehen der Verbindung von Säuren mit Globulin überhaupt und von Auflösung des Globulins in besonderen enthält.
Günsburg’s Beobachtungen enthalten ein bestimmteres Zeugniss über die Identität der Wirkung der organischen Säuren und der Mineralsäuren. Er bemerkte, dass bei gehöriger Verdünnung letztere sich gegen die protei'nhaltigen Flüssigkeiten ebenso wie die vegetabilischen verhalten. So beobachte man bei vorsichtigem Zusetzen geringer Mengen sowohl von Salz-, Salpeter- oder Schwefelsäure, als auch Essig-, Oxal- oder anderer vegetabilischer Säure zu mit Wasser verdünntem Eiweiss nicht nur keine Fällung sondern, im Gegenteil, Klärung der Flüssigkeit; der allmälige Zusatz auch grösserer Quantitäten der Säure bewirkte keine Fällung. Solche Lösungen in Mineralsäuren oder vegetabilischen Säuren schieden beim Kochen keinen Niederschlag aus (45 p. 218; 43 p. 643; 44 p. 239).
Die erste dialysirte Säurelösung des Proteins wurde unzweifelhaft von Graham erhalten (1862. 42 p. 41). Obgleich er durch das von ihm beschriebene Ver-
') „In diesen Fällen kann man sich nickt auf eine Alkalientziehung berufen und man muss an die Möglichkeit denken, dass eine Verbindung der Säuren mit dem Globulin zu einem in der Mutterflüssigkeit unlöslichen Körper stattfindet“ (ib. p. 456).
:) „Je concentrirter die Flüssigkeit ist, aus welcher sie abgeschieden werden, desto geringer ist ihre Löslichkeit in Säuren oder Alkalien“ (ib. p. 458-9).