﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
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ten oder sogar im geronnenen Zustande 1). In seinem Lehrbuche behauptet Kühne, Syntonin bilde sich nicht nur aus Myosin, sondern auch aus irgend einem Protein, wobei diese Präparate sich nur durch die Geschwindigkeit ihrer Bildung von einander untei scheiden 2); andererseits scheint er die Losungen eines jeden andern Proteinpräparats nicht nur in Salzsäure sondern auch in jeder andern Säure für identisch zu halten 3). Man ersieht dies aus der Behauptung, dass die Lösungen in Salzsäure von den Lösungen auch anderer Proteinpräparate in anderen Säuren, d. h. solcher Lösungen, die er unter dem hier ganz willkürlich gebrauchten Namen „Acidalbumin“ zusammenfasst, sich durch nichts unterscheiden. Endlich behauptet Kühne geradezu, dass das von ihm „Syntonin“ genannte Präparat sowohl aus einem jeden Proteinkörper, als auch mittels jeder Säure, sogar Milchsäure 4), erhalten werden könne. Kühne nennt solche Lösungen „Syntoninlösuegen“ (74 p. 20; 75 p. 275); demnach wäre die Bildung des Syntonins mit der Auflösung des Proteins in Salzsäure oder in Milchsäure verbunden. Im allgemeinen müsse nur soviel 0,1%-iger Salzsäure zugesetzt werden, dass beim Kochen der Lösung keine Fällung erfolge (74 p. 16). Kühne findet jedoch, dass das Syntonin nach dem Zusatz der Säure zu der proteinhaltigen Flüssigkeit nicht sogleich erhalten werde, sondern erst etwas später, da andernfalls beim Kochen sich ein Niederschlag bilde (74 p. 16). Säurelösungen der genannten Verbindungen sollen in der Siedhitze nicht gerinnen (74 p. 1 6; 75 p. 276).
Nach der Neutralisation der Lösungen mit Natriumcarbonat scheide sich der Niederschlag aus, den Kühne eigentlich „Syntonin“ 5) nennt. Im ausgeschiedenen Zustande stelle das „Syntonin“ den Neutralisationsniederschlag aus einer Säurelösung des Globulins vor, dessen einziger wesentlicher Unterschied von Myosin, nach Kühne’s Angaben, nur in dessen Unlöslichkeit in Kochsalz 6) bestehe, da es in verdünnten Säuren und Alkalien, auch in Ammoniaklösung, Kalkwasser und sogar in 1%-iger Natriumcarbonatlösung sich leicht auflöse (74 p. 12. 16, 17). Diese mit den Globulinen und vor allem mit dem Myosin gemeinsame Löslichkeit von Kühne’s Präparat könne sich jedoch, wie auch diejenige des Globulins, ändern, und zwar in Abhängigkeit von der Dauer des Waschens des soeben durch Neutralisation ausgeschiedenen Präparats mit Wasser und auch von mehr oder weniger langem
!) „Es war mir seit langer Zeit schon bekannt,
dass saure Lösungen irgend eines festen Albuminkörpers oder coagulirten Eiweisses vollkommen mit den sauren Syntoninlösungen übereinstimmen“
(ib. p. 19).
-) „Obgleich nun das Syntonin durch HCl 0,1 p. Ct. aus Muskeln fast momentan und in so grosser Menge, wie wohl aus keinem anderen Organe, ausgezogen wird, so zeichnet sich dieses Präparat doch durch Nichts aus vor dem Syntonin, das aus anderen Organen oder aus beliebigen anderen Eiweisskörpern dargestellt wurde. Hie Differenz liegt eben ausschliesslich in der Geschwindigkeit der Bildung seiner Lösung“ (75 p. 276).
5) „Wie man sieht, entsteht das Syntonin sowohl durch die Einwirkung der verdünnten Säure
auf coagulirte, ausgeschiedene Eiweisskörper, wie durch eine allmähliche von der Säure herrührende Umwandlung des löslichen Albumins, das ist eine
Thatsache“. Ferner erhielt Kühne Syntonin aus Proteinen, welche in den Muskeln angetroften werden (74 p. 20).
4) „Diese Säure (Milchsäure) ist so gut wie fast alle anderen Säuren geeignet zur Darstellung des Syntonins“ (74 p. 20).
E) „Die filtrirte saure Lösung wurde durch Neutralisation mit kohlensaurem Natron gefällt, das Praecipitat erst durch Decantiren, später durch Waschen auf dem Filter mit destillirtem abgekühlten Wasser vollkommen gereinigt“ (74
p. 16).
6) „Wird das Myosin durch Wasser ausgeschieden, so ist es immer wieder löslich in Kochsalz. Hat man den ausgeschiedenen Körper aber einmal gelöst in verdünnter Salzsäure, so kann man durch Neutralisation der Säure wohl eine Fällung erhalten, allein dieselbe ist ganz unlöslich in Salzlösungen, ist darin so unlöslich wie Syntonin“ (74 p. 11).