﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
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aber bei Gegenwart von Chlornatrium oder von einem Gemenge aus Chlorammonium und Magnesiumsulfat. Nach der Neutralisation einer Syntoninlösung mit Kalkwasser falle unverändertes Syntonin aus (75 p. 275).
Unter anderem ist es interessant zu erwähnen, dass Kühne bei der Ausscheidung des Globulins aus Blutserum durch Verdünnung mit Wasser, Ansäuern mit Essigsäure und Durchleitung von Kohlensäure nach dreitägiger Dialyse (wahrscheinlich in einem runden Graham’schen Dialysor) eine Proteïnlôsung erhielt, welche die Säure hartnäckig zurückgehalten hatte, nach deren Neutralisation Fällung erfolgte (ib. p. 179). Bei diesen Versuchen beobachtete Kühne, nachdem die Salze sich fast ganz ausgeschieden hatten, die Ausscheidung eines Niederschlags, der sich nach dem Auswaschen mit Wasser in Salzen, Säuren und Alkalien löste und—was das Wichtigste ist—gar keine Asche enthielt *).
Nach Külme’s Vorgehen bedient sich auch Hoppe-Seyler (60 p. 185) des Ausdrucks „Syntonin“, mit dem er einen Körper bezeichnet, der sich unter folgenden Umständen bildete: zu Blutserum zugesetzte konzentrirte Salzsäure erzeugte einen Niederschlag, der in einem Ueberschuss derselben löslich war. Hoppe-Seyler spricht die Ansicht aus, dass hier salzsaures Syntonin entstanden war, welches bei Versetzung mit Wasser ausfiel, nach dem Abfiltriren sich in Wasser wieder auflöste, wobei es alle Eigenschaften des salzsauren Syntonins beibehielt! Hoppe-Seyler unterscheidet aber die Benennungen, indem er sagt, dass, gleichwie bei der Einwirkung von Alkalien sich Albuminate bilden, unter dem Einfluss von Salzsäure auf dieselben protemhaltigen Körper Syntonin entstehe; dabei nimmt er aber an, dass das Myosin sich am leichtesten in Syntonin verwandle: um diese Verwandlung zu bewerkstelligen, bedürfe es 4 cc. concentrirter Salzsäure auf ein Liter Wasser. Ohne Näheres darüber mitzuteilen, versteht Hoppe-Seyler offenbar unter mehr oder weniger raschem Uebergang in Syntonin die mehr oder weniger rasche Löslichkeit. Indem Hoppe-Seyler ferner die Bildung von Syntonin aus den verschiedensten Prote'inarten zugiebt, weist er auch auf eine ähnliche Leichtlöslichkeit der Neutrali-sationsniedersehläge in Säuren und Alkalien, nicht aber in Salzen hin. Der Neutralisationsniederschlag sei sehr leicht in verdünnten Alkalien und in Natriumcarbonat löslich, aus denen Kohlensäure einen Niederschlag ausscheidet (60 p. 193). Im allgemeinen führt Hoppe-Seyler mit Kühne’s Angaben übereinstimmende Thatsachen an. Was jedoch den Ausdruck Acidalbumin anbetrifft so drückt sich Hoppe-Seyler sehr unbestimmt folgendermaassen aus: „Acidalbumin hat man die Albuminstoffe genannt, welche durch Einwirkung von Säure auf natürlich vorkommende Albuminstoffe entstehen“ (60 p. 194).
Wie irrtümlich vom historischem Standpunkte aus eine solche Lehre, die eine sehr ungenügende Kenntnis des Autors mit den Arbeiten seiner Vorgänger verrät, auch sei, das in Hoppe-Seyler’s Lehrbuche Dargelegte fand trotzdem starke Verbreitung, so dass die Lösungen des Proteins in Salzsäure hauptsächlich „Syntonin“, in andern Säuren „Acidalbumin“ genannt wurden!
Der unparteiische Leser wird natürlich sagen, dass keine der erwähnten Benennungen ihrem Ursprünge oder ihrer Bestimmung nach der mit diesen Benennungen verbundenen Vorstellung entspricht. Ausserdem konstatirt man, dass auch diese unrichtigen Benennungen nicht immer dieselbe Bedeutung haben, wie wir es in
') „Die Eiweisslösung hatte einen nicht unbe- lieh aschenfrei, aber sie war zugleich träclitlichen grossflockigen Bodensatz bekommen. unlöslich in Wasser, nur löslich in Salzlösungen Als dieser mit Wasser auf dem Filter ausgewa- und Alkalien“ (75 p. 179). sehen worden, war diese Substanz wirk-