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VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
Die geléeartigen Massen würden z. B. aus einer 2%-igen Protemlösung bei 62° weit schneller durch Essigsäure erhalten, während unter diesen Umständen mit Ätznatron keine Gallertbildung stattfindet. Lehmann fand im allgemeinen, dass die geringste Menge Essigsäure, die zur Gallertbildung bei 1% trocknen Eiweisses notig ist, wenigstens 30% in dem Gemenge betragen müsse. Bei einem weiteren Zusatz von Säure löste sich die geléeartige Masse auf. wobei die erhaltene Losung durch Wasser nicht gefällt wurde; wohl aber erzeugten Salpetersäure, gelbes Blutlaugensalz und Kochsalz Niederschläge. Wurde aber Ätznatron zugesetzt, so erfolgte reichliche Fällung, noch ehe vollständige Neutralisation stattgehabt hatte, als „die Flüssigkeit noch stark sauer reagirte“; der dabei erhaltene Niederschlag löste sich infolge eines Überschusses von Natriumacetat in dem Ätznatronuebr-schuss nicht, wohl aber, wenn er aus dem Gemenge ausgeschieden wurde *). Wurde die Gallerte nicht sogleich erhalten, so bildete sie sich bei mehr oder weniger langem Liegen an der Luft, Im allgemeinen war um so weniger Säure erforderlich, je höher die Temperatur war, bei welcher die Behandlung des Proteins mit der Säure vorgenommen wurde (81 p. 114). Bei einem geringen Säuregehalt, von z. B. 3 cc. auf 100 cc., oder 1,0—1,5% wasserfreier Essigsäure auf 1% wasserfreien Proteins, werde schon geronnenes Protein erhalten. Dieselbe Wirkung wie die Wärme bringe Alkohol hervor (ib. p. 115). Andererseits brauche man. um eine beim Erwärmen lösliche Gelatine zu erhalten, desto mehr Säure, je concentrirter die Proteinlösung ist (85 p. 122). Im ganzen schmelzen die geléeartigen Massen bei einer um so niedrigeren Temperatur, je mehr Säure sie enthalten. Zugleich bemerkte Lehmann, dass Gelatine, welche sich in Wasser löst, diese Fähigkeit einbüsst. wenn sie anfänglich bis 75—85° erhitzt wird, und dass dieser Zustand um so deutlicher hervortritt, je niedriger die Temperatur ist, und je weniger Säure die Masse enthält; derselbe werde aber gar nicht beobachtet, wenn eine genügende Säuremenge vorhanden ist (ib. p. 118—9) 3). In Übereinstimmung damit sagt Lehmann, dass eine Gallerte auch unter den obenbeschriebenen Umständen (ib. p. 120) erhalten werden könne. Lehmann glaubt nicht, dass die geléeartigen Massen eine bestimmte und noch weniger eine beständige chemische Verbindung vorstellen, da die Säure sowohl durch Trocknen als durch Auswaschen entfernt werden könne; dabei bestätigt er Lieber-kühn’s Beobachtung, dass beim Trocknen auf Glasplatten die Masse nicht nur Säure entweichen lässt, sondern auch, obgleich in sehr geringer Menge, sich in phosphorsaurem Natron und in verdünnter Essigsäure auflöst (ib. p. 122).
Commaille (21 p. 141) fand, dass der durch Wasser in Eidotter erzeugte Niederschlag—das Vitellin—in mit Essigsäure angesäuertem ÄVasser löslich ist. wobei die erhaltene Lösung von einer stärkeren Säure gefällt wird, und der Niederschlag sich in AVasser löst. Millon & Commaille erhielten Lactoglobinlösungen in verschiedenen Säuren und sahen dieselben für Säureverbindungen an. die sie als „caséine hydrochlorique, azotique, oxalique“ u. s. w. bezeichneten. Genannte Autoren
*) „Bei Zusatz von Natron wurde, während die Reaction noch stark sauer war, alles Eiweiss ausgefällt; der Niederschlag war nicht im Ueber-schuss von Natron völlig löslich, so lange es sich in derselben Flüssigkeit befand, in welcher die Ausfällung geschehen war (wegen der grossen Menge des darin enthaltenen essigsauren Natrons)“
(81 p. 112).
’) „Das zweite und zwar früher nicht bekannte Phänomen, das beim Erhitzen der Gelatine beob-
achtet wird, besteht darin, dass diese, obwoh sie vorher in kochendem Wasser sehr leicht löslich ist, nun diese Löslichkeit gänzlich oder fast vollständig verliert, wenn man sie ohne Wasser zu einer gewissen Temperatur erhitzt .. . dieses Phänomen, das Unlöslichwerden beim Erhitzen, tritt um so deutlicher und bis zu einer um so niedrigeren Temperatur hervor, je weniger Säure die Gelatine enthält, bleibt aber ganz aus, wenn die Gelatine einen gewissen Säuregehalt hat“ (81p. 118-9).