﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN METALLSALZEN.
283
lichkeit des Proteins in den natürlich vorkommenden Flüssigkeiten auf kosten der Salze, führten zum Beweis der Löslichkeit des Proteins (des historischen Albumins) in Wasser ähnliche Versuche aus. Zu gunsten dieser Meinung sollte sich, Nasse’s Worten nach (1842. 50-c p. 156), Simon ausgesprochen haben. Letzterer fällte Eiweiss mit Bleiessig, wusch den Niederschlag mit Wasser und zersetzte ihn mittels Schwefelwasserstoff. Die abfiltrirte Flüssigkeit wurde bei massig hoher Temperatur abgedampft, und aus dem Rückstand wurde von löslichen Salzen freie Asche erhalten. In der beschriebenen Flüssigkeit war Protein enthalten, welches, Simon’s Meinung nach, sich nicht auf kosten der Essigsäure aufgelöst hatte, da die Flüssigkeit durch Ätzkali nicht gefällt wurde; doch findet Nasse keinen Grund, eine Verbindung des Proteins mit der Essigsäure in diesem Falle in Abrede zu stellen *).
Wurtz aber, dem die Arbeiten, auf welche wir hingewiesen, unbekannt waren, und den man fälschlich für den ersten Forscher gehalten hat, der lösliches Protein durch Fällen mit Blei darstellte, sah nichtsdestoweniger das Protein unter den genannten Umständen für löslich an.
Im Jahre 1844 kündigte Wurtz (72 p. 700 und 73 p. 217) seine Arbeiten an, die er unternommen hatte, um die Löslichkeit des historichen Albumins „in Wasser ausser dem Bereiche des Einflusses von Salzen“ zu beweisen. Zweifach mit Wasser verdünntes und durch Leinwand geschlagenes Hühnereiweiss wurde mit Bleiessig gefällt und dabei ein voluminöser Niederschlag erhalten. Nach dem Auswaschen mit Wasser zersetzte man den in Wasser suspendirten Niederschlag mit einem Kohlensäurestrom, wobei sich, Wurtz’s Beschreibung nach, Bleicarbonat bildete, welches zu Boden fiel, während in der Flüssigkeit d a s i n Wasser gelöste Protein zurückblieb 2).
Nach dem Filtriren glaubte Wurtz in der Flüssigkeit nur Albumin und Spuren von Bleioxyd 3) zu haben; um letzteres zu entfernen, leitete er eine gewisse Quantität Schwefelwasserstoff ein, welches die Flüssigkeit aber nur braun färbte; Erhitzen bis auf 60° bedingte Ausscheidung eines unbedeutenden Niederschlags, der auch diese Bleispuren mitriss4). Das klare Filtrat wurde bei 50° zur Trockne eingedampft, wobei der Trockenrest seine Löslichkeit in schwachsauer reagirendem Wasser bewahrt und Acidität genug besessen habe, um die Kohlensäure nicht nur aus doppeltkohlensaurem, sondern auch aus kohlensaurem Natron zu verdrängen! Die Lösung trübte sich bei 59,5°, schied Flocken bei 61—63° aus und ging bei noch höherer Temperatur in ein sich über das Ganze erstreckendes Coagulum über (72 p. 701).
') Gegen diese hauptsächlich von Denis und Dumas verteidigte Ansicht hat sich Simon erklärt. Er stellte reines, nicht salzhaltiges Eiweiss dadurch dar, dass er das Eiweiss mit Bleiessig fällte, auswusch und aus der Verbindung mit Blei durch Schwefelwasserstoffgas befreite. Das Eiweiss ward hei gelindem Erwärmen aufgelöst, filtrirt und eingedampft. Die Asche lieferte keine löslichen Salze. Das gelöste Eiweiss war keineswegs durch Essigsäure gelöst, weil Kali keinen Niederschlag bildete. Weshalb sich aber die bei der Bildung des Schwefelbleis aus dem essigsauren Blei frei werdende Essigsäure nicht mit dem Eiweiss, zu dem sie eine grosse Verwandschaft hat, verbunden haben soll, ist nicht recht einzusehen (50-ap. 156—7).
-) Dem früher Dargelagten gemäss darf Wurtz in keinem Falle für den Erfinder dieses Präpa-
rats gehalten werden, wenigstens habe ich mir nicht klar machen können, oh Wurtz früher, vor der obenerwähnten Arbeit Xasse's, (p.n.283) in welcher von Simon die Rede ist, geschrieben hat. Wer letztgenannter Autor gewesen ist, und wo er geschrieben hat, habe ich auch nicht herausfinden können. Bei Franz Simon habe ich nichts Ähnliches gefunden.
3)	L’a lhuminate de plomb (?!) est de-composé par l’acide carbonique; il se forme du carbonate de plomb qui reste en suspension, et l’albumine devenue libre, se dissout dans l’eau (72 p. 701).
4)	L’albumine qui a passé à travers le filtre n’est pas encore pure; elle contient des traces d’oxyde de plomb; on y verse quelques gouttes d’hydrogène sulfuré: la liqueur brunit, mais reste transparente (72 p. 701).