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VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN METALLSALZEN.
Wurtz scheint geglaubt zu haben, dass bei der Fällung mit Blei eine Verbindung nur des „Albumins“ mit Bleioxyd (albuminate de plomb) statthabe; von dem Gedanken, dass der Niederschlag auch Essigsäure in sich schloss, war er weit entfernt, wie aus der Beschreibung seiner Beobachtungen erhellt. Ausserdem gab das Serum ein so unvollkommenes Präparat und in so geringer Menge, dass Wurtz davon abstand, auf diesem Wege lösliches „Albumin“ aus Serum darzustellen (73 p. 223).
Wenn man erwägt, dass Wurtz nicht angibt, ob er durch den Bleiessig vollständige Fällung des Hülmereiweisses erzielt hatte, so sind wir vollkommen berechtigt zu behaupten, dass der bleihaltige Niederschlag des Hülmereiweisses wenn nicht ausschliesslich, so doch grösstenteils aus „Globulin“ bestand, welches aus dem Eiweiss schon durch einfache Verdünnung mit Wasser ausfällt. Aus diesem Grunde beweisen Wurtz’s Versuche die Wasserlöslichkeit nicht des „Albumins“, sondern diejenige des Globulins. Indem Wurtz, ziemlich naiv, den durch Bleiessig erzeugten Niederschlag ausschliesslich für eine Verbindung des Proteins mit Bleioxyd ansieht, gibt er die Wasserlöslichkeit der Niederschläge nur aus diesem Grunde zu, ohne die Flüssigkeit genauer auf die Gegenwart anderer Körper, ausser Wasser und Protein, zu untersuchen: dies wäre aber um so notwendiger gewesen, als alles auf die Gegenwart von freier Essigsäure hinwies.
Was Wurtz unterliess, führte Scherer aus, der zu derselben Zeit arbeitete und seine Beobachtungen niederschrieb. Diese sind in der Hinsicht interessant, dass sie die unmittelbar nächste Stufe in der Entwicklung der Frage von der Löslichkeit des Proteins sowohl im allgemeinen als im besonderen, auf Grund der näheren Untersuchung der durch Blei hervorgerufenen Niederschläge bilden, derselben Frage, die von Mitscherlich aufgeworfen, von Berzelius am Casein, von Simon am Albumin weitergeführt worden war. Scherer’s Arbeit ist die unmittelbare Fortsetzung der Untersuchung des-Proteins in dieser Beziehung. Indem er (1844) das Casein mit neutralem Bleiacetat fällte, bemerkte er, dass dieses Präparat aut „Albumin (Serum und Hülmereiweiss) eine unbedeutende Wirkung ausübte“; damit scheint er sagen zu wollen, dass der Niederschlag ausschliesslich aus in Wasser unlöslichem Casein bestand; trotzdem aber wurde nach der Zersetzung des Niederschlags durch Kohlensäure in der Lösung essigsau v es Casein erhalten *)! Scherer sagt ganz bestimmt aus, dass die erhaltene Caseinlösung Essigsäure und Bleioxydcarbonat enthielt* 2). Indem Scherer die Gegenwart von Essigsäure dartut. scheint er die von ihm angeführte Ansicht Lehmann’s zu teilen, nach welcher bei der Fällung mit Bleiessig sowohl eine Verbindung von Bleioxyd und Protein als von Protein und Essigsäure entsteht (59 p. 454).
In der Tat hatte Lehmann schon im Jahre 1842 die Meinung ausgesprochen, ohne dieselbe jedoch experimentell zu stützen, dass sowohl das „Albumin“ (38 p. 170) als das „Casein“ (ib. p. 205) durch Metallsalze gefällt werde, wobei sich zweierlei Verbindungen der Proteinsubstanz, einerseits mit der Säure, andererseits mit der Base des Metallsalzes, bilden würden.
Auf diese Art wurde die Gegenwart von Essigsäure in Wurtz's Präparat durch eine Reihe von Beobachtungen, deren wir erwähnt haben, bewiesen. Was Vurtz’s eigne Schlüsse anbetrifft, so wurden dieselben bald nach ihrem Erscheinen durch
‘) Wird der erhaltene, sorgfältig ausgewaschene Niederschlag durch Kohlensäure zerlegt, so erhält man in der Flüssigkeit essigsaures Casein (59 p. 454).
2) Ich fand wenigstens, wie oben schon ange-
geben wurde, in dem durch Kohlensäure zerlegten sorgfältigst ausgewaschenen Bleicaseate Essigsäure und im Rückstände verblieb kohlensaures Bleioxyd. (59 p. 455).