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VERHALTEN DES GLOBULINS ZU ALKOHOL & AETHER.
selbe Erscheinung, welche bei der Löslichkeit verschiedener chemischer ’S erbindun-gen in Abhängigkeit von der Temperatur beobachtet wird.
Bei der Zersetzung der verschiedenen Globulinverbindungen in den Niederschlägen durch Alkohol erhalten wir, dem Gesagten gemäss, wiederum 'S erbin-dungen, deren Existenz aber durch die Gesammtheit der veränderten Bedingungen bedingt ist. Pleines Globulin durch Fällung mit Alkohol anders als in Verbindung mit verschiedenen Agentien zu erhalten, ist unmöglich. Bei den älteren und den meisten der neueren Autoren werden alle derartigen Niederschläge „geronnenes Albumin oder Eiweiss“ genannt (s. folg. Kap. Globulin im freien Zustande).
Verhalten zu Äther. 1. Historisches. Wenn inbezug auf die Wirkung von Alkohol auf die verschiedenen proteinhaltigen Flüssigkeit sich kein nennenswerter Unterschied bemerkbar macht, so zeigten die ersten Beobachtungen Tiedemann & Gmelin’s eine ungleichartige Wirkung des Äthers auf Eiweiss und Serum. Die Beobachtungen dieser Autoren boten nichts Besonderes und wurden bald vergessen, aber dem aus denselben gezogenen Schluss stimmen viele Autoren bis auf den heutigen Tag bei. Fast in allen Lehrbüchern wird von dem Unterschied zwischen dem „Serumalbumin“ und dem „Eieralbumin“ in der Reaktion auf Äther gesprochen, obgleich den späteren Verfassern von Lehrbüchern, auch denjenigen, die den Satz über das verschiedenartige Verhalten des Äther zu beiden „Körpern“ anführen, der Ursprung dieses Unterschieds, dieser Reaktion ') kaum bekannt gewesen sein dürfte.
Chevreul scheint einer der ersten gewesen zu sein, der auf die Fällbarkeit des Hühnereiweisses durch Äther hingewiesen hat (7 p. 44). Gewöhnlicher Äther wurde nach dem Waschen mit Wasser bei Zimmertemperatur vorsichtig aut eine Schicht Hühnereiweiss gegossen. Nach einigen Tagen bemerkte Chevreul an der Berührungsstelle eine undurchsichtige Schicht, von welcher eine nach unten schwächer werdende Trübung ausging. Chevreul hielt diesen Prozess für „Gerinnung" (coagulation). Nachdem er eine 2 ctm. dicke Eiweissschicht mit einer 1 mm. starken Ätherschicht einen Monat lang in einer verkorkten Flasche hatte stehen lassen, bemerkte er, dass das Eiweiss eine geléeartige Masse vorstellte, deren oberer Teil trüber war als der untere. Beim Umschütteln trennte sich die Flüssigkeit von dem Gerinnsel ab, wobei dieses sich in Wasser nicht löste (7 p. 45). In der Folge fanden Tiedemann & Gmelin, dass Hühnereiweiss beim Umschütteln mit Äther eine geléeartige Masse bildete, welche den grössten Teil des Äthers aufgenommen hatte. Diese im Hühnereiweiss hervorgebrachte Veränderung nennen die Autoren ebenfalls Gerinnung. Dagegen wurde obige Erscheinung beim Zusatz von Äther zu Blutserum oder Lymphe nicht beobachtet; aus diesem Grunde glauben die Autoren, dass zwischen dem Protein des Hühnereiweisses und des Serums ein Unterschied vorhanden sein müsse. Berzelius teilte diese Ansicht und beobachtete, dass die bei der Einwirkung von Äther auf Hühnereiweiss erhaltenen geleeartigen Massen eine gelbliche Flüssigkeit ausschieden, die in der Wärme nicht gerann (4 p. G5). Auch Müller (34 p. 543) meint, dass Serum durch Äther nicht gefällt werde, dass aber in Zuckerlösung erhaltenes Blutplasma mit Äther einen körnigen Niederschlag gebe. Gruby & Dela-
*) Weingeistfreier Aether bringt das Eiweiss der Hühnereier sogleich zum Gerinnen; es bildet sich eine weisse durchscheinende Gallerte, welche einen grossen Theil des Aethers in sich aufnimmt. Derselbe Aether coagulirt weder das Serum des Blutes noch des Chylus: beide Flüssigkeiten werden nur durchsichtiger, indem sie das in
ihnen suspendirte Fett an den Aether abtreten. Es muss demnach eine Verschiedenheit existiren, einerseits zwischen dem Eiweiss des Hühnereies, und anderseits zwischen dem des Blut- und Chy-lus-Serums. In der Anmerkung: Auch mit der Kuhmilch bewirkt reiner Aether keine Coagulation, nur weingeisthaltiger (45-a, p. 12-13 des Vorworts).