﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN FARBENREAKTIONEN.
319
diesem Falle viel rascher, wenn die Flüssigkeit gewännt wurde *). Hünefeld (19 p. 261), der Krhner’s Beobachtungen über die proteinhaltigen Flüssigkeiten bestätigt, findet ausserdem, dass auch das Glutin mit Quecksilbernitrat diese Reaktion gibt. Doch meint Htinefeld, dass der Erfolg der Reaktion von der Reinheit, dem Säuregehalt u. s. w. in der erwähnten Quecksilbernitratlösung abhänge. so dass die Reaktion mehr oder weniger gut ausfallen könne. Im Jahre 1849 empfahl Millon (29 p. 40) zur Darstellung einer Quecksilberverbindung, welche die protein-haltigen Flüssigkeiten beim Erwärmen unfehlbar rot färbe, das Quecksilber in der gleichen Gewichtsmenge Salpetersäure aufzulösen. Damit die Auflösung besser vor sich gehe, rät er das Gemenge zu erwärmen und dann mit 2 Yol. Wasser zu verdünnen. Nach einiger Zeit wird die Flüssigkeit vom kristallinischen Rückstand abgegossen und dient nun zur Reaktion auf Protein unter Erwärmen auf 60°—70° (29 p. 41).
Krukenberg (24 p. 30) schlägt für das Millon’sche Reagens folgendes Rezept vor. Eine gesättigte Sublimatlösung wird mit einer etwas weniger als äquivalenten Menge Silbernitrat behandelt. Das von dem Niederschlage (CF Ag2) abgegossene, Quecksilbernitrat [(NO,)2 Hg] enthaltende Filtrat wird in geschlossenen Gelassen aufbewahrt. Je nach Bedarf erwärmt man eine Portion der erhaltenen Lösung nebst einigen Tropfen 1%-igen Kaliumnitrits mit der zu versuchenden Substanz bis zum Sieden.
Alle Präparate aus reinem Globulin geben mit dem sog. Millon’schen Reagens ohne Ausnahme eine rosa bis fieischrote Färbung.
K u p fero x y d h y d r a t mit Alkalien. — Biuretreaktio n. Die unter diesem Namen bekannte Reaktion wird eigentlich nicht richtig „Biuretreak-tionlt genannt, da sie an den Proteinkörpern früher beobachtet wurde, als derselbe Versuch zum ersten Mal im Jahre 1847—48	(46 p. 255; 47 p. 271) von
Wiedemann am Biuret angestellt wurde; denn schon im Jahre 1837 hatte Mitscherlich bemerkt, dass bei der Zugabe einer verdünnten Kupfersalzlösung proteinhaltige Flüssigkeiten Niederschläge ausschieden, welche beim Umschütteln sich zu einer blauen Flüssigkeit auflösten (29-a p. 106). Hauptsächlich aber kannte Lassaigne dieses Verhalten schon im Jahre 1840 und beschrieb es als Reaktion im Jahre 1842 (25 p. 529; 26 p. 257). Lassaigne beschrieb eine Verbindung von Protein mit einem Oxyd und einem Ätzalkali, deren Lösung violett oder violettblau gefärbt war. Um diese Reaktion zu erhalten, empfiehlt Lassaigne Kupferoxydhydrat mit einer wässerigen Proteinlösung' zu vermischen und die Mischung dann mit einer Ätzkalilösung zu behandeln; oder Proteinlösungen mit irgend einem löslichen Kupfersalze zu fällen und den erhaltenen Niederschlag in Ätzkali aufzulösen. Anstatt der Alkalien würden mit demselben Erfolge Kalk- oder- Barytwasser und auch Kohlensäure, nicht aber doppeltkohlensaure Alkalien genommen werden können, welch letztere grünblaue Färbung geben 2). Magnesia bewirke solche Färbungen nicht. Eine Fibrinlösung in
*) Merkwürdig war mir immer die Erscheinung, die ich Lei dem Zusatze von salpetersaurer Ouecksilber-Auflösung zum Serum beobachtete; nachdem nämlich Anfangs ein weisser grumoser Niederschlag entstanden war, wurde dieser allmalig zuerst auf dem Grunde des Gelasses dann von unten bis nach der Oberfläche der Masse in abnehmender Schattirung dunkel rosenroth von ausnehmend schöner Farbe. Wurde diese Zusammensetzung massig erwärmt, so erfolgte jene Färbung nicht allein schneller, sondern auch voll-
Le Physiologiste. Vol. V.
kommen und erschien nach einigen Stunden als schönes Scharlachroth, doch die Farbe am Boden immer viel stärker als nach der Oberfläche zu (23 p. 260).
•) Nous proposons de désigner sous ce nom (Albuminate de cuivre et de potasse) la combinaison soluble que l’on forme directement en traitant, à la température ordinaire, l'hydrate de bioxyde de cuivre délayée dans une solution aqueuse d’albumine par une solution de potasse. La dissolution de l’oxyde s’opère peu à peu et
21