﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN FARBENREAKTIONEN.
315
allgemeinen erhielt man eine bräunlich-purpurrote Färbung. Berzelius (4 p. 32) bemerkte beim Auflösen von Fibrin in Salzsäure und Erwärmen des Gemenges rötlich-violette Färbung der Flüssigkeit. Sclnibler (41 p. 570) beobachtete dieselbe Reaktion an Casein in reiner konzentrirter Salzsäure bei Zimmertemperatur. Mit.Salzsäure spez. Gew. 1,09S8 trat die Färbung am dritten Tage ein, wobei sich Casein hellblau, Eiweiss dunkelblau mit violettem Anstrich färbte. Chevreul (8 p. 507) bemerkte, dass Fibrin mit konzentrirter Salzsäure eine rötlich-violette Lösung gab. Auch Colin (9 p. 323) sagt in einem Briefe an Gay-Lussac, dass bei der Behandlung proteinhaltiger Flüssigkeiten mit Salzsäure eine schön rot (d’un beau rouge) gefärbte Flüssigkeit entstehe. Bourdois & Caventou (6 p. 109) erklären, in einem Briefe an Gay-Lussac, dass sie zu derselben Zeit wie Colin die Reaktion mit Salzsäure, dabei aber blaue Färbung wahrgenommen hätten. Orfilla (33 p. 116j widmet eine besondere Schrift seinen Beobachtungen über die Färbung der Protein Körper unter der Einwirkung von Salzsäure, wobei er findet, dass Blutserum und Hydrocelefiüssigkeit eine rotweinähnliche, ins Violette spielende Farbe annehmen, während der beim Kochen des Fleisches abgehobene, fast schwarze Schaum die blaue Färbung mit Salzsäure nicht gibt, Das befremdet Orfilla!
Auch Berzelius (4-ap. 65) beobachtete, dass trocknes Fibrin durch konzentrirte Salzsäure in eine geléeartige Masse umgewandelt wurde, die sich nach und nach blau färbte. Raspail (37p."l98) zerlegt "die Reaktion mit Salzsäure in einzelne Momente, wobei er auch der Wärme eine gewisse Bedeutung zuschreibt. Zuerst sei die Färbung eine purpurrote, dann erst trete die blaue (puis d un superbe bleu — ib. p. 201) eim Caventou (7 p. 326), dem obiges unbekannt gewesen zu sein scheint, schreibt die ersten Beobachtungen über die. Blaufärbung des Proteins durch Salzsäure sich selbst zu. Interessant ist es aber, wie Caventou als erster beobachtete, dass, zum Unterschied von den Leimsubstanzen, nur die Proteinkörper diese Färbung geben. Frémy A Yalancienne (16 p. 473) bemerkten, dass auch die Proteine des Eigelbs durch Salzsäure eine violett-blaue Färbung erhalten. Eine eben solche Färbung erhielt Denis (10 p. 128) mit den Substanzen der Blutkörperchenstromata, und beobachtete Smee (43 p. 617) eine analoge Färbung an dem Protein, welches sich aus Eiweiss bei Durchleitung von Sauerstoff ausgeschieden hatte. Damit die Farbenreaktion mit Salzsäure unfehlbar erfolge, empfiehlt Liebermann (27 p. 322) die ausgefällten Proteinflocken in Alkohol, darauf in Äther zu kochen und erst dann die Salzsäure zuzusetzen: die Flüssigkeit färbe sich dabei schön dunkelviolettblau, was besonders gut in einer Porzellanschale hervortrete, namentlich wenn das Protein in Pulverform genommen werde. Le Nobel bestätigt LiebermamPsAngaben (32p. 625).
Meine eignen Beobachtungen haben mir gezeigt, dass verhältnismässig unbedeutende Protein- und Salzsäuremengen eine schöne dunkel violettblaue Färbung geben, wenn das Gemenge auf einer Porzellanplatte abgedampft und dann, wenn nötig, noch weiter über der offenen Flamme erhitzt wird.
Schwefelsäure. Die ersten Beobachtungen über Schwefelsäure beschränkten sich, wie wir es z. B. bei Fourcroy (13 p. 144) sehen, auf die Braunfärbung der proteinhaltigen Flüssigkeiten und Verkohlung des Proteins. Doch findet Berzelius (4 p. 33), dass Fibrin sich in mit 6 Teilen Wasser versetzter Schwefelsäure mit roter Farbe auflöst. Unter denselben Umständen beobachtete Schübler (41 p. 570) dunkelrote Färbung. Auch Colin (9 p. 323) sagt in seinem Briefe an Gay-Lussac, dass er bei der Behandlung von Proteinkörpern mit verdünnter Schwefelsäure nach der Überführung derselben in den geléeartigen Zustand und dem Auswaschen auf dem Filter in den Waschwässern successive Färbung ins Blaue, Grüne und Rote beobachtete. Bourdois A Caventou (6 p. 109) beobachteten bei der Behandlung