﻿328
VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN ÜBRIGEN A GENT I EN.
erwähnt haben («V.V 48—60 p. 12G), sich hatte irre leiten lassen, nahm die Löslichkeit des Globulins in Sauerstoff im buchstäblichen Sinne des Wortes an, weshalb er es auch für nötig hielt, das Globulin der Stromata von dem „Paraglobulin“ zu unterscheiden. da erstens sich in Säuren nicht löst (46 p. 207). Diesen, wenn auch sehr vorsichtigen, Schlüssen widersprechen die Beobachtungen Smee’s (77 p. 399 und 505; 78 p. 329"), der sich bestrebte das Protein des Serums mittels Zuleiten von Sauerstoff in Fibrin zu verwandeln, wobei er Niederschläge erhielt, die ihm unter dem Mikroscop fibrinähnlich schienen. Die Bildung von Fibrin schien in diesem Falle besser von statten zu gehen, wenn die Flüssigkeit vorher angesäuert worden war. Die in beiden Fällen erhaltenen Niederschläge lösten sich in Salpeterlösung nicht auf. wurden aber durch verdünnte Säuren oder Alkalien gelöst. Ausserdem zeigten direkte von Brücke Angestellte Versuche (S p. 882). dass mit Wasser auf dem Filter ausgewaschenes und in Wasser suspendirtes Globulin sich in Sauerstoff nicht löste. Wenn er es für löslich erklärte, so sei es nur deshalb geschehen, weil das Filtrat des Gemenges nach der Durchleitung von Kohlensäure etwas getrübt wurde. Heynsius fand (36 p. 15), dass auch durch Kohlensäure gefälltes Seroglobin bei längerem Zuleiten von Kohlensäure grösstenteils ungelöst blieb (ib. p. 15). Noch mehr, beim Einleiten von Sauerstoff beobachtete Heynsius vollständige Fällung (ib. p. 16), was einerseits mit Smee’s Beobachtungen, andererseits mit unsern Schlüssen inbetreff der mechanischen Bedeutung des Sauerstoffs, nämlich für die Abtreibung der Kohlensäure, übereinstimmt.
Im Jahre 1872 kehrte Schmidt zwar zu dieser Frage wieder zurück, indem er behauptete, dass frisches, von Filter abgenommenes und in destillirtes Wasser gebrachtes Seroglobin beim Durchleiten von Sauerstoff sich in Wasser löst, obgleich er die Löslichkeit des Seroglobins in Sauerstoff für eine unbedeutende erklärt l). Bemerken wir unter anderm, dass Schmidt nicht erwähnt, ob er den Niederschlag auf dem Filter gewaschen hatte: ausserdem gab er selbst die Löslichkeit des Seroglobins in Wasser zu (s. folg. Kap. Identität der Globulinlösungen), wodurch die Löslichkeit der geringen Quantitäten Globulin, die wirklich in Lösung übergehen, sich viel leichter erklären lasse. Im allgemeinen gibt Heynsius (37 p. 544—5) Löslichkeit des Seroglobins weder in Sauerstoff noch in Wasserstoff zu, obgleich beim Finleiten dieser Gase in Wasser, welches frisch durch Kohlensäure gefälltes Globulin suspendirt enthält, letzteres sich löse. Er erklärt die Löslichkeit in diesem Falle ebenso wie wir. nämlich dahin, dass durch die Einwirkung irgend eines indifferenten Gases die Kohlensäure aus dem Niederschlage, den dieselbe erzeugt hatte, ausgetrieben wird, folglich die vor dem Einleiten der Kohlensäure stattgehabten Bedingungen wiederhergestellt werden (s. folg. Kap. Identität der Globulinlösungen).
Tannin scheint zuerst von Seguin (71p. 34) als eine proteinhaltige ITüs-sigkeiten fällende Substanz genannt worden zu sein. Bostock findet (ib. p. 34). dass ein Galläpfelinfusum bei Gegenwart von 0,001 Protein Fällung bewirkt. Thomson stellte seinerseits Beobachtungen an, aus denen man den Schluss ziehen kann, dass die aus proteinhaltigen Flüssigkeiten mit Tannin in "Wasser erhaltenen Niederschlä-
‘) Die Thatsaclie ist richtig, und der Versuch gelingt jedes Mal, wenn man die feucht von Fil-trum genommene Substanz in destillirtem Wasser fein vertheilt und nun Sauerstoff hindurchleitet. Aber die Lösungfähigkeit des Sauerstoffes für die ffbrinoplastische Substanz ist. wie auch D r iicke angiebt, eine sehr unbedeutende, so dass man bei grösseren Mengen von Substanz
die Auflösung nicht ohne f\ eiteres wahrninnnt daran lag es wohl, dass mir früher der Versuch häufig scheinbar misslang: vielleicht auch gab die Gegenwart des bei dem früheren Verfahren in der Flüssigkeit durch das Neutralismen gebildeten essigsauren Natrons ein relatives Ilinder-niss für die Auflösung in Sauerstoff ab (75 p. 430).