﻿EIGENSCHAFTEN & AUSSEHEN DES GLOBULINS IM FREIEN ZUSTANDE.
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Wenn auch andre ältere Autoren gleich Fourcroy in solchen Fällen von der Unlöslichkeit des erhaltenen Niederschlags reden, ohne zu erwähnen, worin derselbe unlöslich ist, so meinen sie selbstverständlich dessen Unlöslichkeit in derselben Flüssigkeit, aus der er ausgefällt wurde, nämlich in der Mntterlauge. Besonders scharf und charakteristisch tritt dies bei Scheele zutage. Nachdem er zu dem Schlüsse gelangt war. dass die Fällung der proteinhaltigen Flüssigkeiten durch Säuren von der Entstehung einer Verbindung der Säure mit dem Protein abhängt, befremdete ihn die Fällbarkeit derselben Flüssigkeiten durch die Wärme: es war kein chemisches Agens hineingetragen worden, und dennoch wurde das ausgeschiedene Protein in der Mutterlauge unlöslich! Scheele konnte diese Erscheinung nicht anders als. auf Grund der Analogie der Verbindungen des Proteins mit Säuren, durch die Annahme von Verbindungen desselben mit dem Stoff der Hitze erklären 1). In Ausdrücken, die keinen Zweifel übrig lassen, behauptet er. dass „geronnenes Eiweiss“ nichts anderes als Käse sei. Nach Scheele sei geronnenes Protein beim Kochen in sehr verdünnten Säuren löslich, wobei die Lösung durch stärkere Säuren aufs neue gefällt werde; auch in Alkalien und sogar in Kalkwasser löse sich das Gerinnsel auf, werde aber durch Säuren wieder ausgefällt2). Noch mehr: der durch Säuren ausgeschiedene Käse löse sich beim Erwärmen in Wasser auf Kosten der mitgerissenen Säure auf (Gl p. 147). Noch überzeugender spricht Thénard (69 p. 189) von der Löslichkeit des in der Wärme geronnenen Proteins. Der Autor fand, dass dieses sich bei Zimmertemperatur in sehr verdünnter Kalilauge löse, und die Lösung dieselben Eigenschaften besitze wie die Flüssigkeit, in der es vor der Ausscheidung enthalten war. nämlich bei der Neutralisation sich trübe, bei einem Säureüberschuss gleich frischem Eiweiss einen Niederschlag ausscheide. Alkohol erzeuge in protemhaltigen Flüssigkeiten einen Niederschlag, der alle Eigenschaften des in denselben Flüssigkeiten durch Wärme erzeugten Niederschlags besitze. Ausserdem finden wir bei Thenard eine sehr wichtige Angabe über eine Grundeigenschaft des geronnenen Proteins, als welche sie wenigstens bis jetzt angesehen wird. Die in solchen Flüssigkeiten durch Säuren hervorgebrachten Niederschläge mit einander identifizirend. unterscheidet er letztere jedoch auf Grund der Konzentration der Säuren, durch welche sie erzeugt wurden, und hält nur die Niederschlage mit denjenigen des geronnen „Eiweisses“ für identisch, welche durch konzentrirtere Säuren ausgefällt wurden, da die durch schwächere erhaltenen beim Neutralismen mit Alkalien, besonders mit Ammoniakflüssigkeit, verschwinden, was „bei einem durch die Wärme erhaltenen Niederschlage nicht der Fall wäre“ (ib.). Gleichsam als Ergänzung des soeben Gesagten nimmt John zwei Zustände des Proteins unter dem Einflüsse von Säuren an: einen einem Säureüberschuss entsprechenden und in Wasser nicht löslichen, und einen „neutralen“, wasserlöslichen (37 p. 251). Klaproth (3!) p. 56) nimmt an, dass aus „geronnenem Eiweiss“ die Muskeln. Knorpeln, Nä-
') Auch ist dies etwas besonderes, obwohl überall bekanntes, dass die Hitze allein das Eiweiss verdickt und zwar ohne Verminderung des Gewichtes. Die rechte Ursache hiervon ist meines AVissens nach unbekannt, scheint indessen folgende zu sein: da nämlich der Käse und das Eiweiss sich mit Säuren verbinden, und dadurch verdickt werden können, und alle die Stoffe, welche eine Vereinigung mit Säuren untergehn, auch mit dem Stoffe der Hitze vereinigt werden können, worin diese Stoffe den Säuren oft gleichen, so scheint es Avahrscheinlich zu sein, dass Le Physiologiste. Vol. V.
der Stoff’ der Hitze mit dem Eiweisse eine chemische Vereinigung trifft, Avelche also die Ursache der Erhärtung desselben ist (Gl p. 149-50).
-) Kein Stoff gleicht dem Käse mehr, als gekochtes Eiweiss, welches in der That niclis anders, als reiner Käse ist. Es Avird durch Sieden in sehr verdünnten Mineralsäuren auf-gelöset, und durch stärkern Zusatz verstärkter Säure Avieder gefällt, auch von ätzenden Laugensalzen und dem Kalkwasser aufgelöset und durch Säuren wieder daraus niedergeschlagen (61 p. 149).
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