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EIGENSCHAFTEN & AUSSEHEN DES GLOBULINS IM FREIEN ZUSTANDE.
Sowohl lioclileder (58 p. 262) als Lehmann (43 p. 350) halten das durch Säuren oder Lab gefällte Casein für geronnenes Protein, und Scherer sieht die heim Abdampfen der Milch sich bildenden Häute für geronnenes Eiweiss an: dieser Autor hält (63 p. 453) aber das gefällte und rasch aus der Mutterlauge entfernte Protein nicht für dessen geronnenene Modifikation, da diese Niederschläge sich in warmem Wasser auflösen (63 p. 453). Her Löslichkeit des geronnenen Proreins in verdünnten Säuren, Alkalien und Alkalisalzen erwähnt auch Lehmann (42 p. 179). Um geronnenes Protein zu erhalten, schlägt Strecker (67 p. 576) vor, die proteinhaltige Flüssigkeit mit 5	6 \ ol. Wasser zu verdünnen, mit Essigsäure zu neutralisiren und zu
kochen; den Niederschlag behandelt man auf dem Filter mit Wasser. Alkohol, zuletzt mit Äther. Lieberkühn (45 p. 287) löste die durch Kochen aus proteinhaltigen Flüssigkeiten erhaltenen Niederschläge in Essigsäure. Er hält es nicht für angemessen das sgeronnene“ und das „unlösliche“ Albumin für identische Begriffe anzusehen. Es ist interessant, dass, gleich Chevreul und Berzelius, auch Lehmann der Ansicht ist. dass, wenn eine proteinhaltige Flüssigkeit beim Kochen kein geronnenes Protein ausscheidet, dieses sich dennoch im geronnenen Zustande befinde, obgleich es von den Alkalien in Lösung erhalten wird, da es durch Essigsäure wieder ausgeschieden werden kann; ebenso scheine sich das Casein zu verhalten (43 p. 350—54).
Panum, der Denis’s Ansicht nicht kannte, besteht seinerseits darauf, dass das „coagulirte“ Protein mit dem in Wasser unlöslichen (54 p. 439) nicht identifizirt werden könne. Panum meint, dass in der Chemie der Proteinkörper mehr als irgendwo das Medium angegeben werden müsse, in welchem dies oder jenes Präparat löslich ist oder nicht *). Gleich Panum findet auch Virchow (70 p. 141), dass es irrtümlich sei alles das. was nicht löslich ist, für „geronnen“ anzusehen, ohne sogar zu erwähnen, worin es unlöslich ist 2); dabei schlägt er vor, unter dem Ausdruck „geronnen“ nur das zu verstehen, was in der Mutterlauge unlöslich ist, abgesehen davon, ob es in irgend einer andern Flüssigkeit löslich oder unlöslich sei 3).
Um den bei dem Ausdruck „geronnen“ entstehenden Misverständnissen vorzubeugen, schlägt Denis vor, besonders den durch Wärme ausgeschiedenen, in Salzen unlöslichen Niederschlag „substance albuminoïde modifiée oder altérée“ zu nennen. Verf. erblickt zwischen dem durch Wärme geronnenen und ungeronnen Protein keinen besondern Unterschied und findet, dass auch Alkohol eine identische Modifikation des Globulins bewirke (16 p. 30-1). Zugleich finden wir bei Denis auch Angaben darüber, dass eine Temperatur von 50° die Löslichkeit des Globulins nicht verändere, obgleich sie bei der Sättigung der Flüssigkeit mit Salzen dasselbe fälle (17 p. 39; .MV 48—60 p. 158—9). Doch führe eine 60°—65° übersteigende Temperatur das Globulin in einen in Salzen unlöslichen Zustand über (16 p. 71 u. 86).
Brücke (7 p. 172) verdünnte, gleich Strecker, Hülmereiweiss mit Wasser, neutralisirte es mit Salzsäure und erwärmte es auf dem Wasserbade: den sich
0 Die Ausdrücke „uncoagulirt“ uud „coagu-lirt“ als Synonyma für „löslich“ und „unlöslich sind ganz überflüssig und müssen abgeschafft werden, weil sie nur dazu dienen, Begriffsverwirrung zu erzeugen. Löslich und unlöslich sind die für diese Begriffe technischen Ausdrücke in der Chemie der übrigen Stoffe; man darf aber, wenn von eiweissartigen Körpern die Rede ist, ebenso wenig wie sonst unterlassen, das Medium jedesmal ausdrücklich anzuführen, worin der Körper löslich oder unlöslich ist (54 p. 440).
2)	Die Chemiker haben mehr und mehr darauf bestanden, nur das Unlösliche als geronnen zuzugestehen, wobei freilich das Menstruum der Lösung ziemlich willkürlich gedacht ist (70 p. 141).
3)	Es ist dabei durchaus gleichgültig, ob die ungelösten Theile löslich oder u n 1 ö s-1 i c h sind; n u r i n der Flüssigkeit, aus welcher sie gerannen, sind sie natürlich zugleich uni ö s 1 i c h (70 p. 141 ).