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EIGENSCHAFTEN & AUSSEHEN DES GLOBULINS IM FREIEN ZUSTANDE.
nicht gefällt werden; nach dem Kochen, sogar wenn die Gegenwart von Alkali die Fällung verhinderte, erzeugen dieselben Säuren Niederschläge, die weder in verdünnten Säuren noch in Kochsalz löslich seien. Analoge Erscheinungen stelle auch eine alkalische Globulinlösung vor. Ausserdem beobachtete Brücke, dass, wenn eine alkalische Globulinlösung rasch zum Sieden gebracht und ebenso rasch in kaltem Wasser abgekühlt wird, die durch Säuren erzeugten Niederschläge die Eigenschaften des Globulins bewahren, sich nämlich leicht in einem unbedeutenden Überschuss der zur Fällung benutzten Säuren auflösen. Doch auch dieser Niederschlag habe schon eine Veränderung erlitten, da er die Fähigkeit, sich in Kochsalz aufzulösen, einge-büsst hat, während der Globulinniederschlag aus einer ungekochten Lösung sowohl von Kochsalz als von Essigsäure gelöst wird *)• Brücke schliesst daraus, dass das Protein sich während dieser Operationen in „fällbares Eiweiss“ verwandelt. An diese interessanten Beobachtungen reihen sich unmittelbar Theile's (G8 p. 125) Angaben, nach denen bei 100° getrocknetes Eiweiss bei fernerem Trocken bis auf 130° gegen 12,76% Wasser verliere, wobei Zersetzung des Proteins nicht beobachtet werde. Eine direkte Bestätigung von Brücke’s Angaben finden wir bei Eichwald (21 p. 32). Zugleich betrachtet dieser Autor eingehender die Frage nach dem Übergang des frischgefällten Globulins unter dem Einflüsse von Wasser in den so schwerlöslichen Zustand (21 p. 68 —70, 78) und identifizirt mit diesem Zustande die Neutralisationsniederschläge aus den Alkali-und Säureverbindungen des Globulins (ib. p. 65—78, s. auch AA: Al-—85 p. 88—90). Unter dem Einflüsse der Ohlonvasserstoflsäure verwandle sich das Protein ebenfalls allmälig in „fällbares“ (21p. 82). Andererseits verhindere das gleichzeitige Vorhandensein von Kochsalz in den genannten Fällen den Übergang des Globulins in den unlöslichen Zustand (ib. p. 86).
Kühne’s Beobachtungen (41 p. 178 und 180) über die unvollkommene Fällbarkeit des neutralisirten ..Albumins“ beim Kochen, auf Grund derer die Zersetzung des Albumins in zwei Teile angenommen wurde, veranlasste Eichwald zu der Aussage (21 p. 104). dass in diesem Prozesse der eine Teil des Albumins in „coagu-lirtes“, der andre in ..fällbares“ Protein (?!) übergegangen war. Goodman (25 p.
!) A- Schmidt gibt bereits an, dass die Losungen des Paraglobulins in Mittelsalzen wie eine Eiweisslösung beim Erhitzen gerinnen, und dass auch die schwach alkalischen Lösungen, d.h. solche, die in "Wasser durch Zusatz von möglichst wenig Alkali erzielt sind, durch Zusatz von Salzen coagulirbar gemacht werden können (Reichert & Du Bois-Reymond 's Archiv 1862. p. 438); in Rücksicht auf die rein alkalische Lösung gibt er an, dass sie sich beim Kochen gar nicht verändere. Dies würde also ein von den gewöhnlichen Eiweisslösungen abweichendesVerlialten sein, denn wenn diese so viel Alcali enthalten, dass sie beim Kochen nicht gerinnen, so wird das Eiweiss in fällbares umgewandelt, d. h die Lösung ist nach dem Kochen durch verdünnte Pflanzensäuren und dreibasische Phosphorsäure fällbar, und der Niederschlag löst sich in Kochsalz und anderen neutralen Salslösungen nicht wieder auf. Auch wenn ein Theil des Eiweisses sich in der Hitze ausscheidet, wird der Rest in fällbares umgewandelt und kann durch die erwähnten Säuren niedergeschlagen werden. Hierauf beruht bekanntlich
die Vorschrift, das Eiweiss aus seinen Losungen quantitativ zu bestimmen, indem man die Lösung bis lOO0 erhitzt, ihr hernach so viel Essigsäure hinzufügt, dass sie Lackmus rötliet, dann abzetzen lässt und filtrirt. Ich habe aber diese Angabe von A. Schmidt ausnahmsweise nicht richtig befunden; es ist bei derselben ein unscheinbarer aber wichtiger Umstand übersehen worden. Kocht man eine solche schwach-alkalische Lösung, so zeigt sie allerdings keinerlei Veränderung. Stellt man das Reagirglas. um es schneller abzukühlen, in kaltes Wasser und fügt dann einen Tropfen sehr verdünnter Essigsäure hinzu, so entsteht ein Niederschlag, der im Ueberscliusse des Fällungsmittels wieder auflöslich ist. Ein solcher Niederschlag entsteht auch in der ungekochten Lösung: man könnte also denken, dass hier nur das unveränderte Paraglobulin durch Neutralisation wieder ausgeschieden werde. Das ist aber nicht der Fall. Der Niederschlag, den Essigsäure in der ungekochten Flüssigkeit bewirkt, wird durch Kochsalz wieder aufgelöst, nicht aber der, den Essigsäure in der gekochten hervorruft (8 p. 8S3).