﻿346
EIGENSCHAFTEN & AUSSEHEN DES GLOBULINS IM FREIEN ZUSTANDE.
im Moment seiner Bildung sich leichter auflöst als einige Zeit später (.Y.V 93— 100 p. 291). Dennoch getraut Harnack sich nicht zu erklären, was für ein Prozess den Veränderungen bei dem Übergange des Proteins aus dem löslichen in den unlöslichen Zustand zu Grunde liegt, obgleich seiner Ansicht nach hier jedenfalls chemische Kräfte wirken müssen. Andererseits begegnen wir auch Beobachtungen, welche dafür zeugen, dass Globulinpräparate ihre Lösungsfähigkeit sogar beim Erhitzen bis über 100° behalten.
Lewith (44 p. 349) findet, sich auf Haas (28 p. 378) berufend, dass das Ei-weiss nach dem Trocknen im luftleeren Raume seine Löslichkeit beim Erhitzen bis auf 155° nicht, bis aut 160° teilweise, bei 170° ganz verliere, während das Serum beim Trocknen bei 170° seine Löslichkeit noch nicht einbüsse. Eines der vom Globulin befreiten Eiweisspräparate zeigte in seiner wässerigen Lösung eine Fällungstemperatur zwischen 50—57°. Dieses Präparat erhielt Lewith beim Trocknen, mit 25, 18 und 6 p. C. Wassergehalt. Nach dem Erwärmen im Paraffinbade erwies es sich, dass die Löslichkeit des Präparats mit dem grössten Wassergehalt sich verlor, wenn dasselbe eine halbe Stunde lang mit 18 p. C. bis auf 74—80°, und mit G p. C. bis auf 145° erhitzt wurde (44 p. 351). Diese Beobachtungen veranlassten Lewith zu der Bemerkung, dass die „Gerinnung“ der löslichen Proteine nicht nur eine Funktion der Temperatur und der Dauer der Einwirkung, sondern auch eine Funktion des Wasser sei (44 p, 351).
Allgemeine Sätze. Alle soeben hier dargelegten historischen Tatsachen gestatten noch nicht, sich eine Vorstellung von dem, was eigentlich unter dem Ausdruck „geronnenes Eiweiss, Albumin“ u. s. w. verstanden wurde, zu bilden. Je mehr wir uns in das, was in den vorigen Kapiteln dargelegt ist, hineinlesen, desto mehr steigt unser Befremden! Es erweist sich, dass durch die Einwirkung von Wasser. Wärme. Alkohol, Äther, verschiedener Salze. Säuren, Alkalien und andrei-zahlreicher Agentien die uns interessirende Protemsubstanz, welcher Herkunft sie auch sei, und in was für einem Präparate sie auch erscheine, offenbar in einen und denselben Körper übergeht, da die Autoren für denselben einen und denselben stereotypen Ausdruck „geronnenes Eiweiss“, „geronnenes Albumin“ gebrauchen! Besonderer Hinweise darüber bedarf es nicht, da fast alle Autoren dieser Ansicht sind, die sich natürlich auch in der Lehrbüchern (71 p. 88; 35 p. 279; 26 p. 128 u. s. w.) abgespiegelt hat.
Das „geronnene Albumin oder Eiweiss“ verliert vom Standpunkte einer chemischen Individualität aus für uns alles Interesse, da wir wissen, dass die mit diesem Namen benannten Niederschläge u. s. w. eine sehr verchiedenartige Struktur besitzen oder im äussersten Fall ein heterogenes Gemisch organischer Substanzen mit mineralischen vorstellen! Unwillkürlich kehren wir zu der Bestimmung zurück, die wir dem „geronnenen Albumin“ am Anfang unsers Werkes (.Y.Y 48—60 p. 80) gaben, nämlich: die Produkte der p r o t e ï n h a 11 i g e n Flüssigkeiten, welche ihre L ü s u n g s f ä h i g k e i t in der AI u t-t e r 1 a u g e eingebüsst haben, werden im allgemeinen „ g e-ronnenes Albumin“ gêna n n t. Faktisch wurde alles, was aus den Lösungen dem Bereiche der Beobachtung der Autoren entging ..geronnenes Albumin“ genannt! Alles, was der Autor nicht erklären konnte, was nicht in die geläufigen Vorstellung von der Löslichkeit hineinpasste, erhielt denselben Namen! Mit einem Worte, der Ausdruck „geronnenes Albumin“ spielte die Rolle eines Papierkorbs oder einer Ablegekammer, oder wenigstens der „langen Bank“!
Denis’s, dann Panum’s u. andr. Forscher (.V.V 48—60 p. 90—120) Beobachtungen über die Löslichkeit des „geronnenen Albumins“ in Salzlösungen schufen