﻿362 IDENTITÄT DER NATÜRL. PROTEÏNFLÏSSIGKEITEN UND DER CLOBULINLÖSl’NGEN.
lichkeit des Neutralisationsnicdersclilags entweder in dem neugebildeten Salze oder in einem Überschuss der zum Neutralismen benutzten, meist organischen Säure, da Salzzusatz das Serum auch in dieser Beziehung den andern Flüssigkeiten gleichstellte. Es wurde auch angenommen, dass, gleich den organischen Säuren, auch Phosphorsäure das Serum nicht fällt: Melsens fand jedoch, dass durch Zusatz von Salzen dasselbe auch von solchen Säuren ausgeschieden werden könne, welche es gewöhnlich nicht fällen (81 p. 247). Auch Panum findet, dass das Serum durch Salzzusatz nicht nur von Essigsäure ') gefällt werden könne, sondern dass bei einem gewissen Salzgehalt sämmtliches Protein sich niederschlage (91 p. 42.3. 429). Andererseits war es seit HewsoiTs Zeit bekannt, dass, wenn Verdünnung mit Was-ser einen Teil des Proteins im Serum der Gerinnungsfähigkeit beraubt und dasselbe somit der Milch—dem Casein—gleichstellt, derselbe Wasserzusatz den Prozentgehalt sowohl der schon vorhandenen Salze als auch der sich neubildenden des andern Teils des Proteins verringert, infolgedessen das Globulin schon nicht mehr in Lösung bleiben kann und sich ausscheidet. Wenn Denis, bei seinen Versuchen, diesen Niederschlag für Albumin ansah, so glaubte Panum. der das übenbeschriebene Verhalten der Essigsäure gegen das Serum als ein für das Albumin charakteristisches in Gestalt der Formel: „das Albumin ist in Essigsäure löslich“ -) ansah, dass bei der Einwirkung von Essigsäure auf das verdünnte Serum sich nicht das Albumin sondern ein andrer, besonderer Körper (90 p. 255) ausgeschieden hatte. Somit gab das mit Wasser versetzte Serum, welches einerseits, wie schon Hewson bemerkte hatte, der Milch ähnlich ist. wobei er als Eigentümlichkeit derselben deren Ungerinnbarkeit in der Wärme ansah (p. n. .V.V 68—74 p. 49), Panum, der die Fähigkeit derselben, von Essigsäure gefällt zu werden in betracht zog, die Veranlassung seinerseits auch dem aus dem Serum durch Essigsäure ausgeschiedenen Niederschlage die Eigenschaften des Caseins (.V.V 4 s—60 p. 107—9) zuzuerkennen. Ihn den löslichen Zustand seiner Niederschläge im Serum zu erklären, blieb Panum nichts andres übrig, als dieselben Agentien anzuwenden, die schon vor ihm von andern Autoren als die Löslichkeit des „Albumins“ in den natürlich vorkommenden Flüssigkeiten bedingenden anerkannt worden waren, nämlich Kali, Natron und Kalk3). „Ein eben solches Verhalten des Albumins wird auch nach der Einwirkung von Alkalien beobachtet“, sagt, sich auf Lehmann berufend Panum; aber nur deshalb, weil es ihm schien, dass es auch noch eine wasserlösliche Modifikation gibt, unterscheidet er das Casein vom „Albumin“ „da ein solcher wasserlöslicher Zustand für ersteres unbekannt ist“ (91 p. 20). Das Seroglobin mit dem Neutralisationsniederschlag aus mit einem Alkali behandelten Serum vergleichend, findet Panum einen Unterschied hauptsächlich darin, dass das Seroglobin in Essigsäure sich leichter löse als der Neutralisationsniederschlag der Alkaliverbindung der Proteine des Serums, nachdem das Serumcasem daraus entfernt ist (91 p. 26). Doch findet Panum, dass der Neutralisationsniederschlag auch von phosphorsaurem und kohlensaurem Natron gelöst werde (ib. p. 165). Wenn der Autor das Seroglobin dem Casein
L Wurde Serum oder verdünnte und filtrirte Hühnereiweisslösungen mit einer hinreichenden Menge Kochsalz oder irgend einem der anderen Mittelsalze versetzt, so war die salzreiche Eiweisslösung durch Esisgsäure, Phosphorsaure, Weinsteinsäure, Oxalsäure, Milchsäure u. s. w. f ä 11-bar g e w orde n (90 p. 428).
-) Vom Albumin unterscheidet die besprochene Proteinverbindung sich schon wesentlich dadurch, dass Wasser und Essigsäure, Beagentien, die das
Albumin nicht zu coaguliren vermögen, dieselbe aus ihrer Aullösung fallen (90 p. 259 L
3) Es ist jetzt, wie ich in meiner vorigen Abhandlung anführte eine ausgemachte Sache, dass das sogenannte Casein (Seroglobin — p. n. TS) nur als coagulirte. in Wasser für sich unlösliche Proteinverbindung existirt. und dass das sog-nante lösliche Casein nichts anderes ist als eine lösliche Verbindung dieser (für sich unlöslichen) Stoffe mit Kali, Natron oder Kalk (91 p. 20).