﻿IDENTITÄT DER NATÜRL. P KOTE IX FLÜSSIG K EITE N UND DER GLOBULINLÖSUNGEN. 365
sten vom Caleiumphospliat abhängcn konnte ') Dabei ist diese Erklärung keine zufällige sondern stimmt mit seiner Ansicht über das Casein vollkommen überein. Lehmann fand, dass das ausgeschiedene Casein die Fähigkeit besitzt, sich in Phosphaten zu lösen, wobei die Lösung garnicht alkalisch reagirt und überdies in der Wärme nicht gerinnt l 2). Diesen letzteren Umstand übersahen alle Autoren, welche die saure Reaktion der Milch auf Grund der Lehre vom Casein als einem Alkali-albuminat der Milch zu erklären suchten. So scheint z. B. Hoppe-Seyler (55 p. 417—8) weder mit dieser noch mit jener Ansicht Lehmann’s bekannt gewesen zu sein. Zusammen genommen, vervollständigen diese beiden von Lehmann aufgest/Ilten Sätze einander und erklären einerseits zur genüge das Verhalten des Caseins in einer sauren Lösung. Fiollett richtete seine Aufmerksamkeit auf einen Punkt von Lehmann's Ansicht, nämlich auf die Erklärung der sauren Reaktion durch die Gegenwart von Phosphaten und legte damit den Grund zu einer Reihe von Arbeiten, welche die Erklärung des löslichen Zustands des Caseins oder einer Alkaliverbindung in einer sauren Flüssigkeit zum Gegenstand hatten. Rollett bereitete (95 p. 547) eine alkalische Verbindung—ein Kalialbuminat—nach Lieberkühn und setzte zu der Lösung derselben eine mehr oder weniger grosse Menge gewöhnlichen phosphorsauren Kali, oder Natrons (P0.j2K0,F[0, oder P052Xaü.H0) hinzu. Diese Gemenge zeigten folgende Reaktionen: Essigsäure, Milchsäure, Phosphorsäure, verdünnte Salzsäure und Salpetersäure erzeugten Niederschläge, die in einem Überschuss der zur Fällung benutzten Säure löslich waren; ganz anders verhielt sich die Sache, wenn die Säure vorsichtig zugesetzt wurde: noch ehe d i e g e-r i n g s t e T r ü b u n g e n t s t a n d. w a r d i e R e a k t i o n d er F 1 ü s s i g k e i t schon längst eine saure 3). Bei weiterem,, aber noch immer vorsichtigem Zusetzen von Säure trat die saure Reaktion auf Lakmuspapicr stärker hervor; darauf zeigte sich schwache Opalescenz, zuletzt fiel das Protein aus, welches sich in einem Überschuss der Säure leicht auflöste. Noch mehr: wenn die Flüssigkeit schon angefangen hatte sauer zu reagiren, so erzeugte gelbes Blutlaugensalz keine Fällung, wurde dieses aber erst dann eingetragen, wenn der durch Säure hervorgebrachte Niederschlag sich wieder aufgelöst hatte, so erfolgte Fällung (95 p. 548). Bei der Ansäuerung bis zum Erscheinen von Opalescenz bleibt das Gemenge bei-Zimmertemperatur unverändert; aber schon bei gelindem Erwärmen, bis 35°—40" trübte es sich, und die Trübung wurde mit der Temperaturerhöhung immer stärker,
l) Es bleibt aber noch zu ermitteln übrig, ob in solchen Fallen die saure Reaction immer von Milchsäure oder vielleicht auch von sauren phosphorsauren Salzen oder wohl gar von Buttersäure
herrühre......... die saure Reaction rührt hier
höchst wahrscheinlicher Weise von sauren phosphorsauren Salzen und insbesondere von saurem phosphorsaurem Kalk her (7L p. 332). Dasselbe wiederholt sich auch 1853 r. (73 p. 294), während Soxhlet's Berufung (108 p. 1) auf Lehmann’s Lehrbuch vom J. 1853 (74 p. 60 und 242 verspätet erscheint).
-) ........ es löst sieh nämlich nur sehr
wenig in reinem Wasser, etwas besser in heissem, nicht in Alkohol; es färbt blaues Lackmus loth, ohne diese Eigenschaft dem Wasser zu ertheilen, bildet aber mit kohlensauren und phosphorsaurem Natron Auflösungen, welche durchaus keine alkalische Reaktion mehr zeigen; es löst sich in Auf-
lösungen von Salmiak, Salpeter und anderen neutralen Alkalisalzen sehr leicht auf. gerinnt aber nicht beim Kochen, wie Eiweiss, sondern bildet beim Abdampfen die oben erwähnte Käsestoffbaut (70 p. 383; auch 1853 r. 72 p. 348).
3) Prüft man, während man von Zeit zu Zeit einen Tropfen verdünnter Säure mit dem G lassstabe zufliessen lässt, die Reaction jenes Gemenges mit gut bereitetem blauem Lackmuspapier, so sieht man, dass lange, bevor auch nur die Spur einer bleibenden Trübung eingetreten ist, die Reaction eine saure wird, dass diese bei erneuertem Säurezusatz fortwährend zunimmt, bis endlich zuerst ein schwaches Opalisiren erscheint, welches bei weiterer Ansäuerung allmälilig stärker wird und zuletzt zu einer bleibenden Trübung und zur Ausfällung der in der Flüssigkeit enthaltenen Ei weisskörper führt (95 p. 548).