﻿366 IDENTITÄT PER NATl'RL. PROTEINFLÜSSIGKEITEN UND DER GLOBULINLÖSUNGEN.
obgleicli auch bei 100° noch keine vollständige Fällung erfolgte 1). Weitere Fällung trat erst bei erneuertem Säurezusatz ein (ib. p. 549). Bei den verschiedenen Kombinationen in dem Gemenge bliebt eins beständig: die Gegenwart von Alkaliphosphaten in der Alkalialbuminatlüsung (nach Lieberkühn) tritt der Fällung des Proteins durch Säuren bis zu einem gewissen Grade hinderlich entgegen, infolgedessen eine Lösung erhalten wurde, die auf Lakmus sauer reagirte u. s. w. 2) Rol-lett findet in seinen aus Alkalialbuminat- und Natriumphosphatlösungen bestehenden Gemengen im allgemeinen alle von Lieberkühn und Floppe-Seyler 3) beschriebenen Eigenschaften der Milch. Letztgenanntem Autor blieb .natürlich nichts anderes übrig, als Rollett s Angaben beizustimmen, was er auch tat, indem er den Xeutralisatios-niederschlag der Alkaliverbindung und das Casein in dieser Beziehung Ihr identisch erklärte und dabei das Yerhältniss der Lösungen der Alkaliverbindungen zu den Phosphaten folgendennaassen ausdrückte: bei Abwesenheit von Alkaliphosphaten ruft die Neutralisation der alkalischen Lösungen der genannten Proteine Fällung hervor, welche bei Gegenwart von Alkaliphosphaten nicht stattfindet: in diesem Falle bedarf es zur Fällung eines Säureüberschusses (1864.57 p. 427; ls65. 58, p. 193 u. a. analoge Schriften des Autors); dabei fügt Hoppe-Seyler hinzu, dass bei Gegenwart von Phosphaten das Casein auch durch Kohlensäure nicht gefällt werde 4). RolletFs Deutung stimmt auch Kühne (69 p. 565—6) bei. Eine weitere Entwicklung erhielt Rollett’s Idee in den Arbeiten Soxhlet’s (108 p. 1). welcher nicht nur das Verhalten der Alkaliverbindungen des Proteins bei Gegenwart saurer Salze bestätigte, sondern die darauf bezügliche Lehre allseitig noch weiter ausführte. Soxhlet stellte quantitative Bestimmungen mit gewöhnlichem Natriumsulfat (Xa^HPCL) saurem phosphorsaurem Kali (KFFP04) und neutralem schwefelsaurem Natron (NaoSO-i) in 1 q Normallösung an. Mit eben demselben Prozentgehalt wurden Schwefelsäure, Essigsäure und Phosphorsäure bereitet. Soxhlet fand bei seinen Versuchen, dass Lieberkühn’s Alkalialbuminat nur in dem Falle von Säuren gefällt wird, wenn das neutrale Phosphat durch Säurezusatz zu einem s a u r e n geworden ist (108 p. 4). Er fand ferner, dass das saure Phosphat das Alkalialbuminat fällt, die Fällung aber nicht von der Menge des sauren, sondern von derjenigen des neutralen Phosphates abhängt (ib. p. 6). Im Einklang damit beobachtete Soxhlet, dass ver-hältnissmässig geringe Mengen sauren Natriumphosphats auch allein, Alkalialbumi-
6 ......so wie man sie erwärmt, erfolgt bei
verhältnissmässig niederer Temperatur, 35 oder 40 Grad. C.. eine bedeutende Zunahme der Trübung, und diese steigert sich bei weiterem Erwärmen fortwährend, ohne dass es auch, wenn man bis auf 100° C. erhitzt, zu einer vollständigen Auflösung der Eiweisskörper käme (ib. p. 549).
*) Eine wesentliche Erscheinung bleibt immer dieselbe, die Anwesenheit der phosphorsauren Alkalien in einer Kalialbuminatlösung verhindert bis zu einen gewissen Grade die Fällung der in dem Albuminat vorhandenen Eiweisskörper durch Säuren und man erhält Lackmus röthende Kalialbuminatlösung, welche erst auf weiteren Säurezusatz den bekannten im Säureüberschuss wieder löslichen Niederschlag absetzen (95 p. 550).
3) An einer mit phosphorsauren Alkalien gemengten Kalialbuminatlösung lässt sich fast alles wahrnehmen, was Lieberkühn mit F. Hoppe als dem Casein in der Milch eigentümliches, beschrieben (95 p. 552j.
4) Pas neutrale Lieber k h ü n's che Alkalialbuminat wird daher durch Kohlensäure vollständig gefällt, bei Gegenwart von viel Alkali aber unvollständig oder gar nicht. Bei Gegenwart von phosphorsauren Alkali wird das Albuminat und Casein durch Kohlensäure nicht gefällt und mit Essigsäure kann man die Lösung derselben gut ansäuern, ohne dass selbst beim Kochen ein Niederschlag entsteht, fügt man jedoch ein W enig mehr Essigsäure hinzu, so erfolgt Fällung zunächst beim Kochen allein, nach noch etwas gesteigertem Zusatz der Säure Fällung beim Einleiten von Kohlensäure bei gewöhnlicher Temperatur und nun ist der geringste weitere Zusatz von Essigsäure hinreichend, um völlige Ausfällung des Caseins oder Albuminats zu bewirken. Milchsäure und Phosphorsäure verhalten sich wie Essigsäure, und es erklärt sich hieraus das Verhalten der (Milch im Beginne des Sauerwerdens derselben, ehe sie spontan geronnen ist (58 p. 190 .