﻿376 IDENTITÄT DER NATURE. PROTEINFLÜSSIGKEITEN UND DER GLOBULINLÖSUNGEN.
Diese Tatsachen stellen endgiltig die Möglichkeit fest, eine Lösung zu erhalten, welche den allgemeinen Eigenschaften des Serums—d. h. der Flüssigkeit, welche der Lehre von dem unerlässlichen „Albumin“ zu gründe gelegt worden ist— entspricht. Schmidt s Beobachtungen erklären auch die übrigen Beziehungen des Serums, welche die Möglichkeit der Existenz auch anderer Protei'nkörper neben dem Globulin bedingen.
Zwar wurde auch vor Schmidt von vielen Autoren die Ansicht ausgesprochen, dass das Protein aus seinen natürlich vorkommenden Lösungen durch'” diese oder jene Agentien nicht vollständig ausgefällt werde; Schmidt spricht jedoch ziemlich einschneidend einen Gedanken aus. der für den uns interessirenden Moment in der Geschichte dieser Frage von Bedeutung ist. Auf grund des Dargelegten musste Schmidt zugeben, dass blosse Neutralisation und Verdünnung mit Wasser zur vollständigen Fällung des Seroglobins aus dem Blutserum ‘) "noch nicht hinreichen, NNie man sich auch auf einfache Neutralisation zur Fällung des Fibrinogens (101 p. 441) nicht beschränken kann. Eichwald geht noch weiter, indem er findet (24 p. 31), dass neutrale alkalische Seroglobinlösungen beim Erwärmen nicht gerinnen, und dies gleich den früher erwähnten Autoren durch die Abwesenheit von Salzen erklärt; dabei bemerkte aber Eichwald, dass Chlornatrium- und Natriumsulfatoder Magnesiumsulfatlösungen die trübe Lösung einer Alkaliverbindung bei gewöhnlicher Temperatur zuerst klären, beim Erwärmen aber zum Gerinnen bringen. Beim Einträgen einer geringen Salzmenge sei die Gerinnung eine sehr unbedeutende und trete erst nach verhältnissmässig langem Kochen ein 2). Je mehr Salze vorhanden sind, desto niedriger sei die Gerinnungstemperatur; dennoch bleibe ein Teil der Substanz in Lösung und könne durch Essigsäure und gelbes Blutlaugensalz nachgewiesen werden 3). Grosse Mengen von Neutralsalzen würden jedoch die erwähnte Lösung schon bei gewöhnlicher Zimmertemperatur fällen, obgleich auch hier keine vollständige Fällung erfolge. Eine solche fand erst beim Kochen mit einem Überschuss von krystallinischem Kochsalz statt: das Filtrat schied mit Essigsäure und gelbem Blutlaugensalz schon keinen Niederschlag aus 4). In der Wirkung sowohl
Substanz, wächst in geradem Verhältnisse mit dem Salzgehalte der Lösung; sie ist also um so grösser, je weiter der Fällungspunkt vom Neutralisationspunkte nach der Seite der Säure hin fortgerückt war. Ganz dasselbe tritt ohne besonderen Salzzusatz ein, wenn die angewendete Lösung der flbrinoplastischen Substanz überschüssiges Kali oder Natron enthält, und zwar wegen des bei der Neutralisation gebildeten essigsauren Salzes, ebenso beim Neutralisiren von Lösungen, welche nicht mit kaustischen, sondern mit kohlensauren Alkalien hergestellt sind, von welchen immer beträchtlich grössere Mengen zur Auflösung der flbrinoplastischen Substanz erforderlich sind, als von kaustischen (102 p. 422).
Q Es ergieht sich hieraus, dass zur vollständigen Fällung der flbrinoplastischen Substanz aus gewässertem Blutserum, das Neutralisiren nicht hinreicht, sondern dass dazu wegen der im Serum enthaltenen Salze ein geringer Grad von Ansäurung nöthig ist; man braucht dabei mit dem Ansäuern nicht gar zu ängstlich zu sein, da eine Wiederauflösung der gefällten Substanz viel grösserer Quantitäten der Säure bedarf, als ihre Fällung (102 p. 422).
2)	Hat man nur sehr wenig Salz zugesetzt
(z. B. einen Tropfen gesättigter NaCl—Lösung auf eine 2 — 4 C.C. betragende Probe), so ist die Gerinnung höchst unvollständig, sie tritt oft nur ein, wenn das Kochen eine oder einige Sekunden lang fortgesetzt wird, ja die Veränderung wird
zuweilen erst nach dem Erkalten deutlich......
(24 p. 31).
3)	A\ ar hingegen eine bedeutendere Quantität Salz zugesetzt (einige Tropfen NaCl—Lösung auf die Probe), so füllt sich die Lösung beim Erhitzen sehr schnell, oft noch unter dem Siedepunkt, mit scharf contourirten bräunlichen Flocken, die bald niederfallen und die Flüssigkeit wasserhell zurücklassen; doch bleibt stets ein gewisser Theil der Substanz gelöst und lässt sich im Filtrat der Probe durch Zusatz von G>H402 und KjFeCye nachweisen (24 p. 32).
4)	N u r auf eine NV' e i s e 1 ä s s t sich der S t of f aus seiner alkalischen Lösun g d u r c h N e u t r a 1 s a 1 z e vollständig entfernen, n ä m lieh inde m man die L ö s u n g mit ei n e m lebe r-s c h u s s e des gepulverten Salzes koch t; im Filtrate solcher Proben konnte ich keine Spuren des Stoffes nachweisen (24 p. 33).