﻿IDENTITÄT DER NATURE. PROTEINFLÜSSIGKEITEN UND DER GLOBULINLÖSUNGEN. 379
solches in der Wärme nicht gerinnendes Serum oder „aschenfreies Albumin“ scheidet hei längerem Dialvsiren das in demselben enthaltene Protein, welches unzweideutig den Charakter des Globulins besitzt, als Niederschlag aus.
Kaum hatten Aronstein und Schmidt von dem dialysirtem Eiweiss und Serum Kenntnis genommen, als sie zu der Überzeugung gelangten, dass bei fernerer Dialyse des „salzfreien Albumins“ die Reaktionen der Fällung durch Wärme und Alkohol wiederkehrten! Umsonst bestrebte sich Aronstein diese Erscheinung, trotz der nur kurze Zeit dauernden Dialyse, durch Fäulnissprozesse ‘) zu erklären, indem er die Fällbarkeit in der Wärme mit der vermutlichen Bildung von Ammoniumcarbonat verknüpfte, da bei direkten Versuchen mit dem „von den Salzen befreiten Albumin“ das Einträgen von Ammoniumcarbonat in die Flüssigkeit gleich Kochsalz beim Erwärmen Gerinnung bewirkte a)- Ausser der offenbaren Irrtümlichkeit einer solchen Deutung sind auch noch Zeugnisse anderer Autoren verbanden, welche dieselbe widerlegen. So bemerkte Heynsius, (51p. 527), welcher Serum und Eiweiss längere Zeit ohne Fäulnisserscheinungen dialysirte, zu seinem Erstaunen, dass diese Flüssigkeiten nicht nur die Fähigkeit, in der Wärme zu gerinnen, nicht eingebüsst hatten, sondern schon anfingen zu opalesciren, wenn das Probirgläs-chen in der Hand gehalten wurde, und eine Ausscheidung von Flocken schon bei 35° begann. Nach der Abkühlung lösten sich die Niederschläge wieder auf (51 p. 527). Man sättigte mit Wasser verdünntes Eiweiss mit Kochsalz und dialysirte es dann längere Zeit gegen eine grosse Wassermenge; nach dem Abfiltriren des Niederschlags schied die Flüssigkeit beim Abdampfen bei 45° einen Niederschlag aus. Deshalb wurde dieselbe aufs neue filtrirt und dialysirt, gab aber trotzdem bei 45° wiederum eine Fällung. Nach dem Auswaschen dieses Niederschlags mit Wasser bis letzteres keine Reaktion auf Protein mehr zeigte, war derselbe in Salzen unlöslich (ib. p. 528) geworden. Nach der Abtrennung dieses Niederschlags wurde auch das letzte Filtrat dialysirt uni schied aufs neue einen Niderschlag aus: nach einiger Zeit wurde die Flüssigkeit schon bei 28° gefällt, und der erhaltene Niederschlag löste sich in Kochsalz auf, Misste aber beim Erhitzen über 40° seine Löslichkeit in Salzen allmälig ein (ib. p. 529). Ochsenblutserum wurde nach der Abtrennung des Globulins durch Verdünnung mit 10 Vol. Wasser und Einwirkung von Kohlensäure und Essigsäure nach dem Eindampfen bis zum anfänglichen Volum und nach der Sättigung mit Kochsalz 9 Tage lang der Dialyse unterworfen. Nach der Entfernung des ausgeschiedenen Globulins trübte sich das Filtrat schon bei 40°! Unmittelbar mit Salz gesättigtes Ochsenblutserum trübte sich nach 11-tägiger Dialyse bei 41° und Pferdeblutserum unter denselben Umständen schon bei 38° (ib. p. 532).
Indem Heynsius diese Tatsachen mit den bei der Dialyse gegen destillirtes V asser erhaltenen vergleicht, gelangt er zu dem Schluss, dass er mit dem destil-lirtem Wasser vielleicht deshalb kein bei niedriger Temperatur ausfallendes Protein erhalten hatte, weil es ihm, nach seinem eigenen Geständnisse, an einer genügen-
>) Liess ich die Eiweisslösung, nachdem sie im Laufe von circa drei Tagen vollkommen salzfrei geworden, noch einige Tage langer im Dialysator stehen, so wurde sie mit dem Eintritt der Zersetzung wieder fällbar durch Alkohol und Siedhitze; zuerst erhielt ich blosse Opalescen-zen. dann Trübungen, weiter an Masse wachsende Fällungen, welche endlich, wenn die Albuminlösung sehr deutlich in Zersetzung übergegangen war, nicht geringer erschienen, als die in der
ursprünglichen Eiweisslösung, mit gewöhnlichem Salzgehalte, erzeugten Niederschläge (1 p. 90).
-) Diese Wiederkehr der Fällbarkeit des Albumins durch Alkohol und Siedhitze erklärt sich einfach aus dem durch die Zersetzung bedingten Auftreten von Salzen, namentlich von Ammoniaksalzen, unter welchen ich das kohlensaure Ammoniak besonders geprüft und ebenso wirksam wie das Kochsalz gefunden habe (1 p. 91).