﻿404 IDENTITÄT DER NATÜRL. PROTEÏNFLÜSSIGKEITEN UND DER GLOBULINLÖSUNGEN.
lange unter dem Ausdruck „Gerinnungstemperatur“ die Ausscheidung des Proteins unter dem alleinigen Einfluss der Wärme verstanden wurde, konnte man sich damit noch zufrieden geben, da einer solchen Vorstellung eine ausschliesslich durch Wärme bedingte vermeintliche Eigenschaft dieses Körpers zu gründe lag; nun alter verstiessen Halliburton und Corin & Bérard nicht nur gegen das historische Anrecht auf die Vorstellung von der „Wärmegerinnung“, sondern verwechselten auch noch, bewusst, oder unbewusst, die Fällung durch blosse Wärme mit einer solchen durch Wärme bei Gegenwart einer Säure, indem sie die Fällungstemperatur, wie sie nach dem oben Dargelegten von Hoppe-Seyler, Hammarsten (.Y.Y 93—100 p. 400) u. a. unter der ausschliesslichen Einwirkung der Wärme beobachtet wurde, der Fällung unter der gleichzeitigem Einwirkung von Wärme und Säuren gleichstellten. Dies ist um so befremdlicher, als Halliburton ungefähr 4 Jahre nach seiner ersten Arbeit ein Kochsalzextrakt aus den Lymphdrüsen des Abdomen ohne Ansäuerung wärmte und bei 50 und 75° Niederschläge erhielt, die er Globuline nannte, während er den bei 73° erhaltenen intermediären Niederschlag für Albuminansah (40 p. 255)!! Dasselbe wiederholen Halliburton & Friend (42 p. 535) auch in bezug auf die Stromata der roten Blutkörperchen, indem sie auch hier mehrere Proteïnkürper finden, welche bei verschiedenen Temperaturen ausfallen. Auch in bezug auf die Proteine der Milch finden wir bei Halliburton mehrere Fällungen in Abhängigkeit von den Salzen (41 p. 450).
Selbstverständlich wurde ein solches Verhalten dieser Autoren den beschriebenen Erscheinungen gegenüber in Haycraft & Duggann’s Mitteilungen (4Gp. 473) einer strengen Kritik unterworfen. Diese Forscher meinten nämlich, dass die Fällungstemperatur der prote'inhaltigen Flüssigkeiten von der Menge der Salze, des Proteins u. s. w. abhänge, und dass man durch gleichzeitige Einwirkung von Säuren und Wärme so viele Niederschläge, wie man wünscht, erhalten könne (ib. p. 475). Wenn das Gesagte sich nur auf Halliburton und Corin & Bérard bezöge, so würde es genügen dessen bloss zu erwähnen; doch sprechen sich in letzter Zeit in diesem Sinne auch andere Beobachter aus. Am befremdlichsten ist. dass Fredericq (27-b p. 601 u. 633) und später Halliburton (41p. 453), das Ansäuern der Flüssigkeit in Corin & Bérard’s Versuchen gutheissen und für zweckmässig erklären.... welchen Zweck hatten sie aber im auge? fragen wir.
Andererseits hat es auch in letzter Zeit nicht an Hinweise auf den Einfluss der Salze auf die Temperatur der Fällung gefehlt. So zeigte Ringer zuerst an den Proteinen der Milch (91 p. 469; 92 p. 164), dann im Verein mit Sainsbury an zweifach mit Wasser verdünntem Serum (93 p. 170), übrigens an einer geringen Anzahl von Beispielen, die Abhängigkeit der Fäilungstemperatur von der Quantität und Qualität der Salze.
Das soeben Dargelegte hat eigentlich nur historische Bedeutung, und dient nur dazu die irrtümliche Ansicht der Autoren über die Temperatur der „Gerinnung“ zu zeigen, da sie. die äusseren Züge der Beobachtungen ihrer älteren Vorgänger sich zu eigen machend, höchst originell die Gerinnungstemperatur zu den Grundeigenschaften der Proteïnkürper rechneten.
Auf welche Art die Temperatur der „Fällung“ sich verändert, und welches die Bedingungen sind, die auf diese Veränderungen einwirken, haben wir schon (.Y.Y 75—so p. 255; .V.V 81—85 p. 110 und S6—92 p. 252) genügend erklärt. Auch erbrachten wir schon Beispiele multipler Fällung, 6- und 7-mal (.Y.Y 75—SO p. 20G— 7), in einer und derselben Lösung. Die Beobachtungen über die Fällungstemperatur können wir durch ein ungleich interessanteres Beispiel als die von den genannten Autoren angeführten vervollständigen. In den Protokollen der Herren Stud. Dobrotworski