﻿IDENTITÄT DER NATÜKL. PROTEIN FLÜSSIGKEITEN UND DER GLOBULINLÖSUNGEN. 359
licli schlägt er vor, anstatt alles dessen eine Lösung von Seruinasclie zu benutzen. In den beschriebenen Fällen wurden mit Serum und Hühnereiweiss identische Lösungen erhalten ]).
Liebig erkennt Denis’s Lehre nicht nur an. er verleiht ihr noch durch seine Beobachtungen und diejenigen seiner Schüler grössere Beweiskraft. Indem Liebig das „Albumin“ in Denis’s Sinne für unlöslich in Wasser betrachtet, hält er es im Serum deshalb für gelöst, weil es mit einem Alkali und auch mit Salzen verbunden sei, in denen das ausgeschiedene Globulin löslich ist'). Er gibt seinerseits (7Sp. 875; p. n. .Y.V 48—6o p. 97) eine Vorschrift zur Darstellung von Seroglobinlösungen, die sich vom normalen Serum oder Eiweiss in nichts unterscheiden, nämlich: der aus verdünntem Serum und Eiweiss erhaltene Niederschlag wird in einem Alkali oder in einem Alkalicarbonat aufgelöst und der Überschuss des Lösungsmittels vorsichtig mit Essigsäure neutralisirt. Die so erhaltene Flüssigkeit zeige alle dem normalen Serum * * 3) eigentümlichen Reaktionen der Fällung durch Wärme, Metallsalze u. s. w. Auch in sehr verdünnten Alkalien gelöstes Fibrin zeige nach der Neutralisation des Alkaliüberschusses dasselbe Verhalten: die alkalische Fibrinlösung, deren sämtliche Reaktionen mit denjenigen der protemhaltigen Flüssigkeiten identisch sind, unterscheide sich von letzteren nur dadurch, dass sie beim Kochen nicht gerinnt 4). Obgleich Berzelius und Simon sich Denis’s Beobachtungen gegenüber ziemlich ablehnend verhielten, mussten auch sie anerkennen, dass das „Albumin“ in dem Serum mit einem Alkali verbunden ist, infolgedessen es gelöst bleibe (4 p. 34; 107 p. 60), aus der Lösung aber durch Verdünnung mit Wasser oder Neutralisation mit Schwefellsäure oder andren Säuren (4 p. 35) und auch durch Kohlensäure ausgeschieden werden könne (107 p. 60).
Liebig’s Schüler Scherer tritt an die Lösung der Frage von einer andern Seite heran: bei Zimmertemperatur getrocknetes Serum löse sich in Wasser, wenn man das trockne Pulver längere Zeit darin liegen lässt, was auch Berzelius u. andr. beobachtet haben. Indem man den Trockenrest des Serums u. dergl. „Albumin“ nannte, fand mau es zugleich in Wasser löslich, was vom Standpunkte von Denis’s, Liebigs, Berzelius’ u. andr. Lehre sehr begreiflich ist, da man in diesem Falle eine wasserlösliche Verbindung vor sich hatte. Scherer verstand es auch auf eine andre Art das Alkali zu entfernen und zwar durch dasselbe Mittel—nämlich durch Was-
0 Les réactions connues de l'albumine liquide, du serum, du blanc d’oeuf, vous les retrouverez dans cette préparation, si ce n'est (qu'elle est incolore (19 p. 35).
-) Reines Albumin ist an und für sich unlöslich im Wasser, in dem Serum und im Eiweiss verdankt es seine Löslichkeit und Mischbarkeit mit Wasser, dem Natron, mit dem es vereinigt ist, so wie der Gegenwart von alkalischen Salzen mit alkalischer Basis, von denen es hei einiger Concentration ebenfalls in den löslichen Zustand versetzt wird (78 p. 875 .
3) Ganz den nämlichen Körper erhält man,
wenn Eiweiss mit 2-300 Thl. Wasser wohl vermischt, tiltrirt und alsdann, bis zum Verschwinden der Alkalinität. sehr verdünnte Essigsäure zugesetzt wird, bis die Flüssigkeit trübe und milchähnlich geworden ist; in der Ruhe setzt sich, wie beim Serum, der Niederschlag ab, durch Abfiltriren und Waschen wird er rein erhalten.
Beide Niederschläge von reinem Albumin aus Blutserum oder Eiweiss lassen sich mit grosser Leichtigkeit in den löslichen Zustand zurückversetzen durch reines oder kohlensaures Natron. Wird der Ueberschuss von Alkali mit Essigsäure hinweggenommen, so hat man eine Auflösung, die sich genau so verhält, wie das Serum selbst, welche in der Hitze gerinnt und, mit Alkohol, Quecksilbersublimat, Säuren vermischt, weisse Niederschläge bildet (78 p. 875).
i) In verdünnter kaustischer Kalilauge löst sich Fibrin leicht und vollkommen auf; man kann durch Zusatz von Essigsäure das freie Alkali hinwegnehmen, ohne dass eine Fällung entsteht. Diese alkalische Auflösung des Fibrins verhält sich gegen Säuren, Quecksilbersalze. Alkohol genau wie Blutserum, allein sie coagulirt nicht wie dieses beim Erhitzen (78 p. 881).