﻿368 IDENTITÄT DEE NATTKL. PROTEINFLÜSSIGKEITEN UND DER GLOBULINLÖSUNGEN.
schichte des Albumins als auch bei den Fällungserscheinungen durch Salze, wenn die Flüssigkeiten mit letzteren unter Umschütteln gesättigt wurden (A'.V 48—60 p. 147), zugegeben werden kann, so darf auch eine chemische Verbindung des Globulins mit dem Alkali in den natürlich vorkommenden Flüssigkeiten in Gestalt eines Alkalialbuminats nicht abgeleugnet werden. Zu gunsten eines solchen Zustands des Globulins in diesen Flüssigkeiten zeugen Schmidt's Beobachtungen, nach denen dieselben das Globulin nicht nur an ein Alkali gebunden enthalten, sondern auch dafür, dass dieses keineswegs so rasch abgetreten wird, wie man im Hinblick auf die energische Wirkung der anorganischen Säuren erwarten sollte, namentlich wenn man diese mit einem so inerten Körper, wie es das Protein ist, vergleicht. So setzte z. B. Schmidt zu einem Gemenge aus Hydroceleflüssigkeit und sehr wenig Blut verdünnte Essigsäure zu. Nach einiger Zeit reagirte die Flüssigkeit wieder alkalisch. Dasselbe beobachtete er an Ochsenblutplasma (101 p. 546). Pferdeblutplasma mit 1 10 Normalschwefelsäure neutralisirend, musste Schmidt in einem Fall 0,136 grm. S03 bis zu schwachsaurer Reaktion zugeben, nach 3 Tagen war die Reaktion wieder eine schwachalkalische geworden und waren wieder 0,00028 grm. SO3 erforderlich (loi p. 547), wobei die Neutralisation von Ausscheidung von Niederschlägen aus den Versuchsflüssigkeiten begleitet wurde. In Übereinstimmung mit diesen Beobachtungen scheide bei längerer Durchleitung von Kohlensäure auch unverdünntes Serum einen Niederschlag nicht sogleich aus, sondern es erfordere 24—36 Stunden, bis die Fällung erfolgt (ib. p. 460), was sich wiederum durch die Hartnäckigkeit erklären lässt, mit welcher das Globulin die Alkalien festhält. Weitere Beobachtungen desselben Autors berechtigen uns zu der Aussage, dass Wärme die Substitution des Proteins in dessen Verbindungen mit den Alkalien durch Kohlensäure befördert. So fand Schmidt, dass die Fällungstemperatur eines wässerigen Extrakts aus einer zerriebenen Linse in drei Fällen=79°, 85° und 90° war. Obgleich der Unterschied in der Gerinnungstemperatur sich durch die Verdünnung mit Wasser erklären dürfte, findet Schmidt dennoch, dass dieser Unterschied auch einen andern Grund haben könnte und zwar folgenden: bei der Behandlung der zwei letzten Lösungen mit einem Kohlensäurestrom entstand in denselben Trübung bei 35° und 33°. und beide gerannen anstatt bei der obigen Temperatur schon bei 55°. während Blutserum, welches mittels der Luftpumpe von den Gasen befreit worden war, erst bei 78" und auch dann nur eine geléeartige Masse ausschied; beim Einleiten von Kohlensäure erfolgte Fällung schon bei 66°! Es erwies sich dabei, dass Kohlensäure hier ebenso wie sehr geringe Quantitäten Essig- oder Salzsäure beim Kochen sowohl auf ein wässeriges Linsenextrakt, auf Serum als auch auf Eiweiss wirkte. Zugleich trat Fällung beim Erwärmen um so rascher und in um so kompakterer Form ein, je stärker die Flüssigkeit vor dem Einleiten der Kohlensäure verdünnt worden war (101 p. 442) Q.
l) In drei Versuchen mit Linsensubstanzlösungen trat die Gerinnung das eine Mal bei 90° ein, das zweite Mal, nachdem bei 70° sich die erste Trübung eingestellt batte, bei 85°, das dritte Mal begann die Trübung schon bei 53°, während die Gerinnung bei 79° vollkommen beendet war. Diese Unterschiede hingen wohl nur vom verschiedenen Concentrationsgrade der mit beliebigen Mengen Wasser bereiteten Lösungen ab, wenigstens steigt die Gerinnungstemperatur des Blutserums mit dem Grade der Yerditnung; bei Zusatz von 5 Volum Wasser gerann Rinderblutserum beim Sieden gar
nicht mehr, lndess bedarf durchschnittlich eine Linsenlösung doch immer einer stärkeren Hitze, um zu coaguliren, als Blutserum; ich vermuthe, dass diese Differenz auf dem Kohlensäuregehalt des letzteren beruht. Ich behandelte die zu den zwei letzten der so eben angeführte Versuche benutzten Linsenlösungen mit Kohlensäure, filtrirte das gefällte Globulin ab und erhitzte die Kiltrate: jetzt trübten sie sich schon bei 35° resp. 33° und gerannen beide bei ca. 55° und zwar flockig; dagegen gerann evacuirtes Blutserum erst bei 78° gallertartig, nach der Sättigung mit Kohlen-