﻿370 IDENTITÄT DER NATÜRL. PROTEINFLÜSSIGKEITEN UND DER GLOBULINLÖSUNGEN,
Stoff oder atmosphärischer Luft in derselben Mutterlauge auf '). Vergleicht man diese Angabe mit den von Schmidt früher gegebenen Tatsachen über den Einfluss der Kohlensäure auf die Gerinnungstemperatur der prote'inhaltigen Flüssigkeiten, so erkennt man klar, dass im erwähnten Falle das Globulin von der Kohlensäure ausgeschieden wird; wird aber diese ausgepumpt oder, wie im lezten Falle, durch Gase oder selbst durch Äther verdrängt, so löst sich das Globulin auf, da durch die Entfernung der Kohlensäure das Lösungsvermögen der Mutterlauge wieder zu der Kraft anwächst, welche das Globulin vor dem Zuleiten der Kohlensäure in Lösung erhalten hatte. Bei sorgfältigem Auswaschen des „Paraglobinniederschlags“ kann auch Sauerstoff, wie Brücke gezeigt (10 p. 882), den Niederschlag nicht mehr auflösen helfen. Unter denselben Bedingungen fand Heynsius (50 p. lö) einen Alkalialbuminatniederschlag nicht löslich. Die zahlreichen Tatsachen über den Einfluss der Kohlensäure, die wir in dem historischen Teil darlegten, stimmen mit dem beschriebenen Verhalten derselben vollständig überein (.V.V 93—100 p. 356).
Auch Schmidt scheint die Auflösung des durch Kohlensäure ausgeschiedenen Globulins durch die Entfernung dieser aus der Mutterlauge erklären zu wollen * 2). Eine nähere Untersuchung dieser Bedingnisse zeigt, dass in konzentrirteren Globulinlösungen die Auflösung nach der Entfernung der Kohlensäure leichter von statten geht, wobei die Lösung ihre frühere Eigenschaft, in der Wärme nicht zu gerinnen, wiedergewinnt 3). Dies konnte Schmidt in bezug auf die durch Essigsäure erhaltenen Niederschläge nicht sagen; doch auch hier beobachtete er, wenn auch nur in Ausnahmefällen, Auflösung des Globulins in der Mutterlauge beim Zuleiten von Sauerstoff (101p. 457). In der Folge fand Schmidt jedoch (102 p. 432) dass der durch Kohlensäure frisch ausgeschiedene schneeweisse „Paraglobulinniederschlag“, sogleich abfiltrirt und zur Verhütung des Austrocknens auf dem Filter durch einen Deckel geschützt, nach 2 Tagen ein durchsichtiges, syrupähnliches Aussehen bekommt, wonach er sich in destillirtem Wasser vollständig löst. Diese wässerige Lösung g e r i n n t beim Kochen n i c h t, wird aber sowohl durch Kohlensäure als durch Essigsäure ausgeschieden. Bei der Fällung mit Kohlensäure entsteht aufs neue ein Niederschlag von demselben Charakter 4). Es unterliegt kaum einen Zweifel.
0 Aus einer solchen wässerigen, schwach alkalischen Lösung wird die fibrinoplastische Substanz durch Kohlensäure gefällt, beim Zuleiten voir Sauerstoff oder von atmosphärischer Luft löst sie sich wieder auf; sie scheidet sich ferner aus beim Neutralismen dieser Lösung durch höchst verdünnte Säuren (101 p. 437).
Ü Wenn die durch Kohlensäure in Globulinlösungen bewirkte Trübung beim Durchleiten von Sauerstoff wieder schwindet, so kann das aus einer Verdrängung eines Theils der Säure aus dem Bicarbonat erklärt werden (101p. 457).
3)	Der Sauerstoff verhält sich also hierin der Kohlensäure gerade entgegengesetzt, die ihre Wirkung um so leichter ausübt, je dünner die Flüssigkeit ist. Aus einer solchen Sauerstoftiö-sung wurde die Substanz durch Erhitzen nicht gefällt, obgleich sich essigsaures Natron in der Flüssigkeit befand, durch dessen Gegenwart in alkalischen Lösungen des Globulins immer eine Fällung in der Hitze bedingt wird (101 p. 457).
4)	Lässt man die frisch gefällte und abfiltrirte tiorinoplastische Substanz, welche ein schnee-weisses breiiges Ansehen hat, ein Paar Tage lose
bedeckt (um das Eintrocknen zu verhüten) aut dem Filtrum liegen, so macht sie eine eigenthüm-liche Umwandlung durch. Sie verwandelt sich in eine durchscheinende, schwachgelbliche, klebrige, syrupöse Vlasse, welche in destillirtem Wasser ohne jeden Zusatz leicht löslich ist. Bei dieser Umwandlung büsst sie, soweit ich gesehen, keine einzige ihrer früheren Eigenschaften ein: die Lösung in destillirtem Wasser wirkt ungeschwächt fibrino-plastisch, durch Kohlensäure und verdünnte Essigsäure wird die Substanz gefällt, der Niederschlag ist in verdünnten Alkalien, im Ueber-schuss der Säure und in Kochsalz löslich; die rein wässerige Lösung dieser umgewandelten Substanz bleibt beim Sieden klar, die durch Kohlensäure oder Essigsäure aus der gekochten Lösung gefällte Substanz ist unlöslich in neutralen Alkaliensalzen. Sammelt man die aus der Lösung in destillirtem Wasser durch Säure gefällte Substanz auf einem Filtrum, so erscheint sie wieder sclinee-weiss und breiig, ist wieder unlöslich in Wasser und verändert sich bei längerem Stehen nochmals in der angegebenen Weise u. s. f. (102 p. 432).