﻿IDENTITÄT DER NATURE. PROTEIN FLÜSSIGKEITEN UND DER GLOBULINLÖSUNGEN. 371
dass das Globulin in diesem Falle sich mit einem Teil des Alkali, welches es in Lösung gehalten hatte, oder mit welchem es verbunden gewesen war, ausgeschieden hatte. Wie unsere eigenen Untersuchungen gezeigt, hat die Asche in diesem Fall eine stark-alkalische Reaktion, infolgedessen dieses Präparat nach dem Abtreiben der Kohlensäure, welches durch Auspumpen beschleunigt werden kann, wasserlöslich ist. Dies soll jedoch Schmidt’s Beobachtungen über die schwache Wasserlöslichkeit des Globulins nicht erklären (101 p. 536): beim Auswaschen mit kohlensäurehaltigem Wasser löst sich das Präparat nicht; enthält aber das Waschwasser ein andres neutrales Gas, oder ist es durch Kochen ganz von Gasen befreit, namentlich wenn das Waschen, wie in Scherer’s Fall, nicht sehr rasch vor sich geht (.VA' 93—100 p. 359), so bildet auch in diesem Falle, wenn nicht vollständige, so doch teilweise Auflösung des Globulins auf kosten des in demselben enthaltenen Alkali statt. In dieser Beziehung sind sowohl von Schmidt selbst (.VA? 48—60 p. 122) als auch von andern Forschern, z. B. Kühne (.VA? 48 — 60 p. 121—126), angestellte Beobachtungen vorhanden; lezterer zeigte, dass gerade durch Kohlensäure frischgefälltes Globulin in sauerstoffhaltigem Wasser löslich ist! Bei der Fällung mit Essigsäure kann auch der entgegengesetzte Fall eintreten: auch hier kann Auflösung des Niederschlags in Wasser beobachtet werden, aber nun schon auf kosten der Essigsäure. Besonders leicht lösen sich frischgefällte, feine oder feinkörnige Flocken auf. So beobachtete Schmidt, dass bei der Darstellung des Globulins aus Hämatoglobin. wobei ziemlich wenig von der Substanz erhalten wird, verdünnte Essigsäure zur Fällung derselben nicht benutzt werden kann, da es unmöglich ist, sich streng innerhalb der Grenzen der Neutralisationsmengen zu halten, und schon der unbedeutendste Überschuss derselben den Niederschlag auflöst. Demgemäss zieht Schmidt Kohlensäure vor (101 p. 444), welche diesen Übelstand nicht besitzt. Daraus kann man schliessen, dass die Löslichkeit des Globulins in Kohlensäure eine sehr zweifelhafte ist, sogar wenn es sich um aschenfreies Globulin handelt (p. n. A'.V 86-—92 p. 199). Diese fast verschwindend kleinen Mengen Essigsäure genügen jedoch, das Globulin in Lösung zu erhalten. Graham (36 p. 41) dialysirte in Essigsäure aufgelöstes Hühnereiweiss in seinem Dialysor; nach 4 Tagen fand er in der Flüssigkeit keine Asche und glaubte, dass auch die Essigsäure sich entfernt hatte. Wir sagen „glaubte“, da seine Flüssigkeit von Milch gefällt wurde, was bei Hydroglobin, welches Graham bei fortgesetzter Dialyse der sauren Lösung hatte erhalten müssen nicht der Fall sein sollte. Den Ausschlag hätte in diesem Falle eine Probe auf die Gerinnung durch Wärme geben können, doch erwähnt Graham einer solchen nicht. Unstreitig ging der Bildung des Hydroglobins diejenige einer Säureverbindung mit äusserst geringem Säuregehalt voran, weshalb dieselbe in der Wärme nicht gerann (.VA? 86—92 p. 252). Bestimmtere Angaben linden wir in dieser Beziehung bei Schützenberger, welcher gerade das Stadium der Zersetzung der essigsauren Globulinverbindung beobachtete (103 p. 86), wenn das Globulin in Hydroglobin übergeht, infolgedessen bei völliger Abwesenheit einer sauren Reaktion sowohl innerhalb als ausserhalb des Dialysors die Flüssigkeit in der Flitze einen Niederschlag ausschied; dennoch kann angenommen werden, dass die Flüssigkeit nur zum teil Hydroglobin enthielt, da die Lösung von Alkalien gefällt wurde. W äre die Dialyse längere Zeit fortgesezt worden, so würde das Dialysat alle für das Hydroglobin bekannten Reaktionen—Fällbarkeit in der Hitze, Ünfällbarkeit durch Alkalien, Säuren und auch Salzen, endlich allmälige Ausscheidung, namentlich durch mechanische Manipulationen, an den Tag gelegt haben (A'.V 93—100 p. 354).
In der Tat war es Kühne (69 p. 179) bei der Dialyse von Hühnereiweiss, welches durch Einwirkung von Kohlensäure und Essigsäure vom Globulin befreit worden war. trotz vierwöchentlicher Dialyse nicht gelungen, das Dialysat von der Essigsäure zu befreien, da man auch noch danach mit einem Alkali neutralisiren und