﻿372 IDENTITÄT DER NATÜRL. PROTEINFLÜSSIGKEITEN UND DER GLOBULINLÖSUNGEN.
Proteinniederschläge erhalten konnte 1). Es ist somit sehr schwer, das Globulin von der Säure zu befreien, infolgedessen wir in Schützenberger’s und Graham’s Fällen das Vorhandensein eines wenigstens aus Acidalbumin und Hydroglobin bestehenden Gemenges annehmen müssen; dennoch enthielt die Flüssigkeit bis 1% Asche. Dagegen gelang es Graham (36 p. 62) unzweifelhaft eine Alkaliverbindung des Globulins mittels Dialyse in deren Bestandteile zu zerlegen und Hydrosol (A.V 93 — 100 p. 249—50) zu erhalten, wobei die Lösung, wie quantitative Analysen zeigten, alles in derselben enthaltene Alkali in das äussere Wasser ausschied.
Was das ausgeschiedene Globulin anbetrifft, so spricht sich Schmidt ziemlich bestimmt dahin aus, dass das Paraglobulin, z. B. nach der Auflösung in schwachen Alkalilösungen beim Kochen nicht ausfalle, dass aber durch Einträgen eines Neutralsalzes beim Kochen Fällung entstehe, wobei der Niederschlag sich von dem „geronnenen Albumin“ durch nichts unterscheide -).
Sehr interessant für die historische Entwicklung der von uns berührten Frage, sind Kühne’s Beobachtungen und Schlüsse über die gegenseitigen Verhältnisse der Bestandteile des Serums. Nach 10-facher Verdünnung des Serums mit Wasser und Durchleitung von Kohlensäure fiel das Globulin aus. Ansäuern des Filtrats mit Essigsäure erzeugte einen neuen Niederschlag, welchen Kühne für eine Natriumverbindung hielt (69 p. 177). Nach Entfernung dieser Niederschläge schied das Filtrat nach Hinzufügung einer unbedeutenden Säuremenge einen neuen Niederschlag aus: doch erfolgte die Ausscheidung der lezten Protemmenge erst bei gleichzeitigem Ansäuern mit Kohlensäure und Erwärmen (ib. p. 177). Nimmt man, nach Denis’s, Liebig’s u. and. Lehre an, dass das sämtliche Protein mit einem Alkali verbunden ist, so erklären sich diese drei konsekutiven Fällungen, welche bei der allmäligen Steigerung der Energie, so zu sagen der Bedingungen, die auf die Alkaliverbindungen im allgemeinen fällend wirken, erfolgen, leicht. So fällt z. B. Kohlensäure das Globulin aus verhältnissmässig konzentrirten Lösungen einer Alkaliverbindung nicht: um schwächere Lösungen zu erhalten, muss man dieselben verdünnen, und ist nun die Kohlensäure im stände einen Niederschlag zu erzeugen; allein die sich bildenden Salze halten einen Teil des Globulins in Lösung zurück; der Zusatz von Essigsäure ruft noch stärkere Fällung hervor; damit aber vollständige Zersetzung erfolge, muss mit Essigsäure bei erhöhter Temperatur eingewirkt werden.
Wenn Kühne zwischen den durch Essigsäure und Kohlensäure hervorgebrachten Niederschlägen, dem vermeintlich, „Paraglobulin“ und dem „Natronalbuminat“ einen Unterschied auch zugab, so geschah es nur deshalb, weil er die Alkaliverbindung durch Kohlensäure für nicht fällbar hielt. Wie wir aber zeigten (.V.V 81—5 p. 86), liess Kühne hier einen Fehler zu, da ein Vergleich von Ss. 175 und 565 seiner Arbeit (69 p, 175 u. 565) zeigt, dass auch Kühne unter gewissen Bedingungen Fällbarkeit zugab (69 p. 175 u. 565). Vollständige Fällung der prote'inhaltigen Flüssigkeiten durch blosses Kochen gibt Kühne im allgemeinen nicht zu, sondern erklärt dieselbe durch die Mitwirkung von Alkalien, d. h. durch die Gegenwart der Natriumverbindung, welche bei Gegenwart einer grossen Menge eines Salzes durch Kochen gefällt wird (69 p. 178);
i) Das flüssig gebliebene Eiweiss hinterliess nach dem Verdunsten eine noch löslische Substanz, die beinahe 1 p. Ct. Asche enthielt. Dieser flüssige Theil gab beim Neutralismen eine schwache Fällung, es hatte sich also unter der langen Einwirkung der geringen Menge von Essigsäure, die hartnäckig trotz der Diffusion vom Eiweiss zuruckgehalten wurde, etwas Syntonin gebildet, der grössere Theil war dagegen Serumeiweiss ge-
blieben, und dieser coagulirte natürlich beim Er hitzen (69 p. 179).
-) Setzt man zur schwach sauren oder schwach alkalischen Lösung dieser Substanz ein neutrales Alkalisalz und erhitzt, so entsteht eine starke weisse Fällung, die sich weder in verdünnten noch in concentrirten Säuren oder Alkalien wieder auflöst (101 p. 438).