﻿IDENTITÄT DER NATURE. PROTEINFLÜSSIGKEITEN UND DER GLOBULINLÖSUNGEN. 373
dabei nimmt er an, dass das sog." Albumin“ auf kosten der Salze im Serum löslich ist (09 p. 178). Nicht weniger bestimmt spricht sich Eichwald in dem Sinne aus, dass das „Albumin“ in Wasser unlöslich ist und seine Löslichkeit in den natürlich vorkommenden Flüssigkeiten den Salzen und Alkalien verdankt 1). Zwar wurde auch in der Zeitperiode, welche wir im Auge haben, die Meinung laut, dass das Albumin selbständige Löslichkeit in Wasser besitze; sobald man aber den Worten der Autoren ihre wahre Bedeutung gab, dieselbe in die Sprache der Tatsachen übersetzte, erwies es sich, dass nicht das „Albumin“, sondern das bei niedriger Temperatur erhaltene „trockne Serum oder trockne Eiweiss“ in Wasser löslich war (p. n. NW 48—00 p. 84—7), wie wir es bei Gautier sehen (28 p. 30).
Um dieselbe Zeit unternahm auch Brücke (10 p. 883) Untersuchungen, um die Beziehung einer Globulinlösung zum Serum aufzuhellen; obgleich er von „Albumin“ spricht, führt er seine Vergleiche faktisch mit gewöhnlichem Serum aus. Brücke stellte das Globulin aus Pferdeblutserum dar (10 p. 883). Die alkalischen „Paraglobulinlösungen“ verhielten sich ganz so wie alkalinisirte Serumlösungen, wie es bei Scherer’s Versuchen der Fall gewesen war. Damit das Serum in der Wärme nicht gerinne, muss der Alkaligehalt vergrössert werden. Salze enthält dasselbe schon, da die alkalische Seroglobinlösung ihrerseits durch Wärme gefällt wird, wenn ein Salz in dieselbe eingetragen wird (10 p. 884). Ausserdem bereitete Brücke Paraglobulinlösungen in Kalilauge und Ammoniakflüssigkeit, entweder indem er erstere mit einem Glasstäbchen in suspendirtes Globulin enthaltendes Wasser eintrug, oder indem er frischgefälltes Seroglobin in ammoniakhaltiges Wasser brachte. Die zweite Lösung besass eine stärkere alkalische Beaktion (10 p. 885). Starken Säuren und Alka lien gegenüber verhielt sich das „Paraglobulin“ ebenso wie das Hühnereiweiss (10 p. 886; u. .VW 81—85 p. 00 u. AW 86—92 p. 168); in den Beziehungen der Metallsalze bestehe zwischen diesen Körpern auch kein Unterschied. Brücke findet im allgemeinen, dass der Unterschied zwischen den alkalischen Seroglobinlösungen, dem Serum und dem Eiweiss nur ein scheinbarer Ft 2). Dabei wurde das Seroglobin aus seinen Lösungen, wie auch das Eiweiss, durch Sättigung mit Xatriumsulfat oder Chlornatrium u. s. w. ausgeschieden; Zusatz von Säure löste den Niederschlag, der aus der Lösung aufs neue durch Salze ausgeschieden wurde (10 p. 880) auf. Die Fällbarkeit alkalischer Seroglobinlösungen durch Phosphorsäure, Essigsäure, Weinsäure u. a. Säuren, welche dem Serum abgeht, erklärt Brücke, wie auch frühere Autoren (AbY 93 —100 p.357) durch das Nichtvorhandensein von Salzen in den alkalischen Seroglobinlösungen, da im Serum, welchem sogar das Seroglobin entzogen wurde, infolge des Salzgehalts ein solcher Niederschlag nicht beobachtet wird; demgemäss löse sich der durch Säure in einer alkalischen Globulinlösung erzeugte Niederschlag durch Salzzusatz auf. Um eine künstliche Eiweisslösung darzustellen, empfiehlt Brücke zu einer Kochsalzlösung Ätznatron, Ätzkali oder Ammoniak bis zu deutlich alkalischer Reaktion zuzusetzen und dieses Gemenge tropfenweise in Wasser, welches „Paraglobulin“ suspendirt enthält, solange einzutragen, bis das Globulin sich auflöst. Die erhaltene schwachalkalische Lösung werde durch Ansäuern mit Essigsäure nicht gefällt (10 p. 887). Schon im Hinblick auf diese Angaben muss man gestehen, dass die von Denis mitgeteilten viel reichhaltiger waren und grössere Beweiskraft besassen.—Dennoch
') ....., dass wir mit allen in dieser Angele-
genheit competenten Richtern das reine Albumin lur einen in V\ asser unlöslichen Stoff halten. Wir glauben daher, dass der Zustand, in welchem das Albumin in tIberischen Flüssigkeiten zurückge-halten wird, und welcher vielleicht nicht einmal
eine wirkliche Lösung ist. lediglich von der Gegenwart von Alkalisalz und freiem Alkali abhängig ist (23 p. 319).
-) Der Unterschied zwischen Paraglobulm und gewöhnlichem Eiweiss war also wieder nur ein scheinbarer (10 p. 886).