﻿380 IDENTITÄT DER NATÜRL. PROTEINFLÜSSIGKEITEN UND DER GLOBULINLÖSUNGEN.
den Menge destillirten Wassers gefehlt hatte (ib. p. 533). Bei der Benutzung von Regenwasser fiel es Heynsius auf, dass die alkalische Reaktion der dialysirten Flüssigkeit rasch verschwand, während bei der Dialyse gegen destillirtes Wasser dieselbe beständig blieb, woraufhin er die Unfällbarkeit durch Wärme im zweiten Falle dem Alkali zuschrieb; dasselbe werde auch bei der direkten Vermischung dieses oder jenes Wassers z. B. mit Blutserum beobachtet: in dem einen Falle, bleibe die alkalische Reaktion bestehen, in dem andern verschwinde sie sogleich Q, was sich durch die Gegenwart von Kohlensäure im Regenwasser erklären lasse (ib. p. 534). Indem Heynsius danach Versuche in Aronstein-Schmidt’s Sinne machte, gelangte er zu der Überzeugung, dass die genannten Autoren eine alkalische Protemlüsung (AhV 48—60 p. 140; 51 p. 538), welche mit einer alkalischen Glohulinlösung vollkommen identisch ist, vor sich gehabt hatten, da beide Lösungen nach dem Kochen durch Kohlensäure gefällt wurden. Ausserdem konnten auch durch unmittelbare Neutralisation mit Vio oder Vioo Normalessigsäure, anstatt der gewöhnlichen Essigsäure, mit welcher Aronstein sein salzfreies Albumin zu neutralisiren gedachte, leicht Niederschläge erhalten werden 3). Ferner bemerkte Heynsius, dass, wenn in je 20 Cc. dialysirten, aber bei einer verhältnissmässig niedrigen Temperatur (40°—58°) sich trübenden Eiweisses, eine Ätzkalilösung, welche in 1 cc. 0,00047 Kali enthielt, eingetragen wurde, die Flüssigkeit beim Kochen nicht nur nicht gerann, sondern sich sogar klärte, obgleich sie sich schon bei einem Gehalt von 4 cc. bei 60—75° getrübt hatte. Ausserdem wurde diese Flüssigkeit durch 10 Vol. Alkohol gefällt; betrug aber der Alkaligehalt 4 cc. oder mehr, so entstand schon keine Fällung. Somit würden die Flüssigkeiten weder beim Kochen, noch beim Einleiten von Kohlensäure gerinnen, wenn dieselben 0,0015—0.0040 grm. Kali enthalten. Kohlensäure bedinge Fällung bei grösserem Alkaligehalt, wobei der Niederschlag in Kochsalz löslich sei (ib. p. 539). Auf Grund seiner Beobachtungen zieht Heynsius den Schluss, dass Aronstein, sehr geringe Quantitäten Hühnereiweiss dialysirend, dasselbe sehr rasch von den Salzen befreite, dass aber der Alkaligehalt gross genug war, um das Protein beim Kochen in Lösung zu erhalten. Die Trübung, die im weiteren Verlaufe der Dialyse sich zeigte und von Aronstein der Fäulniss zugeschrieben wurde, hält Heynsius für eine natürliche Folge der allmäligen Verminderung des Alkaligehalts 3). Was Aronstein's Aussage anbetrifft, dass er beim Kochen auch nach einem Säurezusatz keine Gerinnung beobachtete, so erklärt Heynsius diesen Um-stand durch einen Überschuss der Säure, welche auch in sehr geringer Menge das Protein in Lösung erhalten kann (ib. p. 541).
i) Beim Gebrauch von Regenwasser hatte ich
schon sofort bemerkt, dass die alkalische Reaction
der Flüssigkeit bei der Dialyse immer mehr abnimmt und zuletzt verschwindet. Beim Gebrauch von destillirtem Wasser sah ich hingegen, dass die alkalische Reaction bestehen bleibt, und ich leitete natürlich die höhere Gerinnungstemperatur der mit destillirtem Wasser dialysirten Eiweisslö-sung von der Gegenwart des Alkalis ab. In Ueber-einstimmung damit sah ich, dass Vermischen von Blutserum (Rind) mit 20 Vol. destillirten Wassers die alkalische Reaction der Flüssigkeit nicht aufhebt, während beim Gebrauch von Regenwasser unter denselben Umständen alkalische Reaction sich kaum nacliweisen lässt. Im ersten Falle wird, wie erwähnt, nur wenig Eiweiss ausgeschieden, im letzteren Fall entstand hingegen ein enormes Präcipitat (51 p. 533).
-) Wenn Aronstein und Schmidt nicht die gewöhnliche käufliche Essigsäure, sondern 1 * 10 oder t/ioo Xormalessigsäure gehabt und damit ihre durch Dialyse dargestellten Eiweisslösungen neutralisât hätten, so würden sie nicht in den Wahn gera-then sein, dass Serum und Eieralbumin eine in Wasser lösliche Eiweissform sei, die beim Sieden nicht gerinnt (51 p. 538).
3) Aronstein und Schmidt haben sehr kleine Eiweissmengen mit destillirtem Wasser dialysirt, und sie entzogen den Flüssigkeiten ihre Salze also sehr rasch. Der Alkaligehalt war noch gross genug, um das Eiweiss beim Sieden in Lösung zu erhalten. Später sahen sie beim Sieden Trübung auftreten. Sie schrieben dies der Bildung von Ammoniaksalzen zu; der Grund möchte wohl eher in dem allmäligen Abnehmen des vorhandenen Alkalis zu suchen sein (51 p. 540).