﻿382 IDENTITÄT DER NATÜRL. PROTEINFLÜSSIGKEITEN UND DER GLOBULINLÖSUNGEN.
es nicht möglich sei, ein durch Dialyse wirklich salzfreies Protein !) darzustellen: deshalb glaubt er auch nicht, dass das „Albumin“ für eine wasserlösliche Prote'in-substanz gehalten werden dürfe (52 p. 566)!
Zur Bestätigung von Heynsius’ Ansicht könnten wir alles das anführen, was wir bei dieser Gelegenheit gesagt haben (A«A» 48—60 p. 133—43). und auch unsere eignen Beobachtungen. die für das beständige Vorhandensein eines Alkali in dem sog. „salzfreien Albumin “zeugen, auf welche Weise wir dieses auch erhalten hätten,(.VA»4S—60 p. 167 —9).
Allgemeiner Charakter der natürlich v o r k o m m e n d e n Flüssigkeiten. 1. Die Globulate d e r s e 1 b e n. Die soeben dargelegten historischen Tatsachen im Verein mit den in den vorhergehenden Kapiteln analysirten Eigenschaften des Globulins sowie unsre eignen Beobachtungen berechtigen uns zu der Behauptung, dass die meisten Eigenschaften, die wir an den natürlich vorkommenden Flüssigkeiten kennen, durch das Vorhandensein der schon von Denis in denselben angenommenen salz-alkalischen Globulinverbindung sich erklären lassen. Im wesentlichen stellen Schmidt- Aronstein dieselben Forderungen auf, damit ihr „salzfreies Albumin“ die Eigenschaften der gewöhnlichen protei'nhaltigen Flüssigkeiten aufweise: sie tragen nur Salze hinein, da ihr „Albumin“ schon ein Alkali enthält. Von Rouelle, Fourcroy, Macquer u. and. beginnend, stimmen alle Autoren darin überein, dass es hauptsächlich die Alkalien sind, welche wenigstens einen Teil der Protei'nkörper der tierischen Flüssigkeiten in Lösung erhalten. Folglich erscheint unser Schluss als eine Folgerung einer langen Reihe historischer Tatsachen.
Es versteht sich von selbst, dass wir uns gegenwärtig nicht die Aufgabe stellen. alle Umstände, welche den flüssigen Zustand des Globulins in seinen verschiedenen natürlich vorkommenden Vehikeln, den sog, natürlich vorkommenden Flüssigkeiten, bedingen, aufzuhellen. Wir wenden unsre Aufmerksamkeit vornehmlich den in dem vorliegenden Teile unsrer Arbeit aufgeworfenen Fragen zu. Sowohl die in diesen Kapiteln mitgeteilten historischen Thatsachen als auch die geschichtlichen Angaben über die in den zehn ersten Aufsätzen beschriebenen Körper, sowie auch unsre eignen Beobachtungen geben uns das Recht, zu behaupten, dass alle von den verschiedenen Autoren aus irgend welchen Flüssigkeiten auf irgend eine Weise ausgeschiedenen Proteinniederschläge, welche Namen den erhaltenen Präparaten auch gegeben worden wären, ohne Ausn a h m e m i n e r a 1 i s c h e Basen enthalten, die nach dem Verbrennen der Präparate in der Asche dieser Zurückbleiben. Wenn man für Globulin die reinen, aschenfreien Präparate ansieht, so stellen alle Niederschläge, alle Produkte der protei'nhaltigen Flüssigkeiten, die bis jetzt den allgemeinen Namen „Globuline“ trugen, nämlich: das Paraglobulin, die fibrinoplastische Substanz, das Myosin, Casein u. s. w. (A'.V 41—7 p. 70. V.Y4S—60 p. 50 u. .V.V61 —67 p. 15, 42, 53; A'.V 68- 74 p. 48; A'.V 75—80 p. 171. 231: VV 81—85 1. 68; VA» 86—92 p. 168 u. A'.V 93-100 p. 279, 301. 314, 323, 334, 356). Verbindungen des reinen Globulins mit Basen u nd z w a i N a t r i u m-, K a 1 i u m-. C a 1 c i u m- oder M a g n e si u m globulate v o r. Und je nach dem Agenten, welches die Auscheidung des Präparats aus der natürlich vorkommenden Flüssigkeit bewirkt hat, kann das Globulin mannigfache Verbindungen bilden, welche den von uns für die complexen Globulinverbindungen vorgeschlagenen Schemata entsprechen (VA» 86—92 p. 258 n. A'.V 93 — 100 p. 352). Der Vorzug
!) Ist also noch ein anderer Schluss möglich als dieser: dass dialysirte Eiweisslösungen, wenn sie wirklich neutral sind, beim Sieden gerinnen, und dass das Ausbleiben der Gerinnung bei dia-lysirten Eiweisslösungen von der nicht vollständigen Entfernung des Alkali’s abhängt? Ich
glaube nicht und halte die Frage für erledigt
Dass es also unmöglich ist, durch Dialyse salzfreies Albumin darzustellen, und dass man somit kein Recht hat, das Albumin eine in Wasser lösliche Eiweissart zu nennen (52 p. 56G)