﻿IDENTITÄT DER XATÜRL. PROTEINFLÜSSIGKEITEN UND DER GLOBULINLÖSUNGEN. 387
sich in Wasser lösen, wenn sie aus der Mutterlauge sofort entfernt werden. Auch Berzelius erklärte diese Löslichkeit durch die Gegenwart eines Alkali (3 p. 63). In der Tat: welchen Niederschlag bei der frakzionnirten Fällung der prote'inhaltigen Flüssigkeiten wir auch nehmen, dessen Asche reagirt immer stark alkalisch. Bei längerer Einwirkung des Alkohols lösen sich die erwähnten Niederschläge in Wasser trotz der Gegenwart eines Alkali entweder schwer oder garnicht, was schon von tieferen Veränderungen des Globulins abhängt (.MV 93—lüOp. 351). Dasselbe kann auch in bezug auf das durch Alkohol gefällte (MV 68—74 p. 57) und dann mit Äther behandelte Casein gesagt werden, wie wir bei Berzelius (4 p. 677) und in neuerer Zeit hei Hammarsten (XX 68—74 p. 85) erwähnt finden. Nur durch die Gegenwart eines Alkali lässt sich die Wasserlöslichkeit des zuerst bei Zimmertemperatur getrockneten. dann bis über 100° erhitzten Eiweisses, Serums u. dergl.. wie sie z. B. von Chevreul (13 p. 41), Brücke. Lewith (75 p. 341) u. andr. beobachtet wurde, erklären. Hier kann nur der Kern der Verbindung—das Globulin—indem ihm sein Wasser entzogen wird, eine Veränderung erfahren (.VA» 93 — 100 p. 349), was auch nach der Zerstörung der Verbindung, bei der Verbindung der Base mit der Säure, zu tage tritt.
Etwas ganz anderes sehen wir, wenn reines Hydroglobin (.V.V 93 —100 p. 348) oder genau neutralisirte proteïnhaltige Flüssigkeiten einer ähnlichen Behandlung unterworfen werden: es werden in allen Fällen stark veränderte, in Wasser unlösliche und in den übrigen Agentien sehr schwer lösliche Präparate erhalten(.VV 93—100p. 349).
A. B e d e u t u n g der Kohle n s ä u r e. Nicht alle in den natürlich vorkommenden Flüssigkeiten beobachteten Erscheinungen lassen sich jedoch auf die Gegenwart von Salzen zurückführen. Offenbar muss in all diesen Fällen eine Mitwirkung von Kohlensäure angenommen werden. Sobald diese entfernt ist, biisst die Flüssigkeit die Fähigkeit zu gerinnen ein (.V.V 48—60 p. 74). Andererseits sind direkte Angaben EichwakFs vorhanden, die Aronstein-Schinidt's Lehre über die Bedeutung der Salze in den natürlich vorkommenden Flüssigkeiten bei der Einwirkung der Wärme auf dieselben geradeswegs widersprechen (.V.V 48—60 p. 135). Diese Angaben sind dadurch interessant, dass sie noch vor Aronstein-Schmidt’s Arbeiten veröffentlicht wurden und geradezu erklären, dass das Diffusât des Blutserums, in welches die Salze und ein Teil des Proteins übergegangen sind, nach der Einengung durch Abdampfen im Wasserbade heim Kochen keinen Niederschlag ausschied, wobei aber Essigsäure Fällung bewirkte '). Aronstein und Schmidt waren sowohl diese von Eichwald gemachten Beobachtungen als auch diejenigen andrer Autoren über die von den Gasen befreiten proteinhaltigen Flüssigkeiten (.VA» 48—60 p. 72—77) unbekannt. infolgedessen sie die Gerinnbarkeit dieser letzteren fälschlich mit der Gegenwart von Salzen verknüpften. Offenbar ist dem Einfluss der Basen vor allem derjenige der Kohlensäure auf die Beaktionen, welche die proteinhaltigen Flüssigkeiten von jeher charakterisen, anzureihen, und kommt die Einwirkung der Salze auf die Ferinnungstemperatur und die übrigen Reaktionen dieser Flüssigkeiten erst in zweiter Reihe.
Auf den Einfluss der Kohlensäure auf Paraglobulinlösungen in sehr geringen Mengen Natron wies Schmidt hin: hei der Durchleitung von Kohlensäure falle das Globulin aus, oder, richtiger gesagt, es werde ein Niederschlag erhalten, der
l) Die Fähigkeit, aus alkalischer, salzhaltiger Losung durch Pergamentpapier gegen Wasser zu diffundiren, kann also dem Serumalbumin nicht vollständig abgesprochen werden, doch ist diese Fähigkeit sehr gering. Und in der Anmerkung: Aehnliche Fiesultate habe ich bereits früher bei
Diffusionsversuchen mit nativem Serum erhalten: es war dabei auffallend, dass das im Wasserbade concentrirte Diffusât gleichfalls bei einfachem Aufkochen klar blieb, aber beim Erhitzen unter Zusatz von Chll-Oo gerann (24 p. 103).