﻿390 IDENTITÄT DER NATURE. PROTEINFLÜSSIGKEITEN UND DER GLOBULINLÖSUNGEN.
in der Wärme nicht gefällt! Andererseits erfolgt keine Fällung, wie sehr wir die Natriumcarbonat enthaltende Globulinlösung mit Wasser auch verdünnen; die Verbindung des Globulins mit dem Alkali und der Kohlensäure vom Typus der Bas-acidglobine (A2A1» 86—92 p. 255; A»A? 93—100 p. 384) werden jedoch durch Wasser zersetzt, wobei ein grösserer oder kleinerer Teil des Alkali sich mit der Kohlensäure \ ei bindet und das Globulin sich ausscheidet. Endlich kann in eine konzentrirte Alkaliglobulinlösung längere Zeit Kohlendioxydgas eingeleitet werden, ohne dass Fällung erfolgt: wird aber eine solche mit Kohlensäure gesättigte Lösung in eine grosse Menge Wasser gegossen oder gewärmt, so scheidet sich sogleich ein Niederschlag aus.
Durch die Gegenwart der Kohlensäure erklärt sich auch der Umstand, dass die kohlensäurehaltigen Flüssigkeiten auch weit schneller und vollkommener von Salzen gefällt werden als die kohlensäurefreien. Dies erklärt sich auch dadurch, dass die sauren oder basaciden Globulinverbindungen von Salzen leichter gefällt werden als die einfach basischen (A'.V 86—92 p. 259)."
Zu gunsten einer basischen Verbindung des Globulins in den proteinhaltigen Flüssigkeiten zeugt auch noch der Umstand, dass bei vorsichtiger Neutralisation derselben mit Essigsäure oder Phosphorsäure keine Fällung erfolgt, wie das schon den älteren Autoren, z. B. Brücke (10 p. 894—5), bekannt war. Auf Grund unsrer eignen Beobachtungen können wir Folgendes sagen: die natürlich vorkommenden protêt .ihaltigen Flüssigkeiten werden nicht gefällt, mit welch einer Säure wir auch neutralisiren mögen, wenn nur das auf kosten der eingetragenen Säure und der in Verbindung mit dem Globulin vorhandenen Base neugebildete Salz qualitativ oder quantitativ Kraft genug besitzt, das aus der Verbindung austretende Globulin in Lösung zu erhalten! Daraus folgt klar, dass diesen Anforderungen am besten diejenige Säure genügt, welche mit den Basen des Globulins die leichtlöslichsten und das Globulin am leichtesten lösenden Salze bildet. Dem Gesagten gemäss erscheint die Kohlensäure als die für diesen Fall passendste.
Es genügt, das Lösungsvermögen (ALV 93—100 p. 377) der neuentstandenen Salze durch Verdünnung mit Wasser herabzusetzen, damit das Globulin sich zum Teil ausscheide (AW 75 —80 p. 240). Dieselbe Erscheinung muss auch bei vorangegangener Verdünnung der Flüssigkeit mit Wasser erwartet werden.
Hier ist es am Platze, sich das von uns über die Unfähigkeit der proteinhalti-gen Flüssigkeiten, bei Abwesenheit von Kohlensäure gefällt zu werden, Gesagte (AkV 48—60 p. 71 — 6) ins Gedächtnis zu rufen. Besonders interessant sind in dieser Beziehung Mathieu & Urbain's (.VA; 48 — 60 p. 73 u. 75) Beobachtungen, welche gezeigt haben, dass mit Wasser verdünntes Hühnereiweiss und Serum nach der Verdrängung der Kohlensäure aus denselben ihre Gerinnungsfähigkeit in der Wärme einbüssen. Gautier bestätigt diese Beobachtungen nur deshalb nicht, weil seine Versuche nicht dieselben Resultate lieferten, wie die von Mathieu & Urbain angestellten. Gautier „reinigte durch einige Tropfen Essigsäure und Filtration- oder verdünnte das Eiweiss unmittelbar mit 2—3 Vol. Wasser und wirkte auf dasselbe mit der Quecksilber-pumpe und einem Wasserstoffstrom ein. Die erste Behandlungsmethode ist für die Veranschaulichung des Einflusses der Kohlensäure ganz untauglich: bei der zweiten war das Eiweiss ungenügend mit Wasser verdünnt, und dies erklärt die negativen Resultate, die Gautier erhielt. Nachdem aber dieser Autor Eiweiss bei niedriger Temperatur getrocknet und den Trockenrest aufs neue aufgelöst hatte, bemerkte er, dass die Lösung beim Kochen nicht gerann, dass aber nach dem Einleiten von Kohlensäuregas und nachherigem Kochen „Gerinnung” stattfand (31 p. 51). Gautier erwidernd, bemerkt Urbain (113 p. 484), dass es genüge, Hühnereiweiss mit 8—10