﻿IDENTITÄT DER NATÜRL. PROTEINFLÜSSIGKEITEN UND DER GLOBULINLÖSUNGEN. 401
davon, dass Halliburton zur Aufstellung eines Kriteriums äusserst wenig Material besass, widerspricht das angeführte Zitat aus Hammarsten’s Arbeit geradezu Halliburton's Schlüssen. Hammarsten sagt an jener Stelle, — dass die von vielen Autoren angegebene Gerinnungstemperatur für das Paraglobulin — 75°— in den meisten Fällen stimme, dass es aber wichtig (!) sei zu wissen, dass, je nach der Anordnung der Versuche und der ungleichen Beschaffenheit des Paraglobulins, diese Temperatur zwischen G8Ü und 78° schwanken und sogar bis 80° steigen könne ’). Nicht genug: Hammarsten spricht auf derselben Seite weiter von der Abhängigkeit der Gerinnungstemperatur auch von den Mengenverhältnissen des Paraglobulins 1 2). Wir wollen des Materials schon nicht gedenken, welches Halliburton offenbar unbekannt war und seine Schlüsse in dieser Hinsicht noch kräftiger widerlegt (.VA" 93 —100 p. 394—9). Was Halliburton's Berufung auf Hoppe-Seyler, der die Gerinnungstemperatur des Serumalbumins auf 70°—73° festgestellt haben sollte, anbetrifft, so machte er sich schon darin eines Fehlers schuldig, dass er, auf das Lehrbuch des genannten Autors hinweisend, nicht erwähnte, in welchem Jahre es herausgegeben war u. s. w. 3). In den Halliburton’s Arbeit zunächst stehenden Ausgaben desselben aus den Jahren 1875 und 1883 finden wir die oben erwähnten Zahlen nicht. So schreibt Hoppe-Seyler im Jahre 1875, dass beim Erwärmen bis auf 72°—73° Blutserum, oder Hydrocelefliissigkeit Flocken auscheide, Trübung aber schon bei 00° erfolge. Ausserdem sagt er geradezu, dass durch Einträgen von Phosphorsäure oder Essigsäure die Temperatur bis 70°, 50° (!) und noch weiter herabgesetzt werden könne 4)! In der Ausgabe vom Jahre 1883 dagegen schreibt Hoppe-Seyler, dass salzfreies Serumalbumin bei ungefähr 1% Salzgehalt bei 50" gerinne, und dass mit dem Steigen des Salzgehalts auch die Gerinnungstemperatur steige. In einem Globulin und Salze enthaltenden Gemenge, wie das im Serum des Blutes und der Lymphe der Fall ist. gerinne das „Albuminu über 60°; zuerst erscheine Trübung, dann, zwischen 72"—75°, auch ein Niederschlag. Ein Zusatz von Salzen. Säuren und Alkalien verändre die Gerimiungstempe-ratur merklich 5). Ein Vergleich der soeben angeführten Angaben, auf welche HaF
11 Die Gerinnungstemperatur des Paraglobulins ist von mehreren Forschern (Weyl, Frédericq und mir) zm-TS^C. bestimmt worden, und diese Angabe dürfte wohl auch für die meisten Fälle eine richtige sein. Es ist doch gewiss nicht unwichtig zu wissen, dass die Gerinnungstemperatui' des Paraglobulins je nach der Yersuchsanordung und wahrscheinlich auch mit der bei verschiedenen Gelegenheiten ungleichen Beschaffenheit des Paraglobulins zwisclien-4-G8°C. und-r-78°C. oder sogar+80°C. wechseln kann.Die Umstände, welche, so weit ich bisher gefunden habe, die Coagula-tionstemperatur einer und derselben Paraglobulinlösung verändern können, sind: der Gehalt an Paraglobulin, der Gehalt an Salz (XaCl) und endlich die Geschwindigkeit, mit welcher das Erwärmen geschieht (44 p. 64).
•-) Die Abhängigkeit der Coagulationstempera-tur von dem Gehalte der Lösung an Paraglobulin dürfte aus Folgendem hervorgehen (44 p. 64).
a) The temperature of heat-coagulation of serum albumin is put down by Hoppe-Seyler as 70°—73°C., in der Anmerkung: Hoppe-Seyler, Handbuch d. phys. u. path. chem. Analyse; nichts weiter (39 p. 154).	,
4) Beim Erhitzen auf 72° bis 73° wird das Se-
rumalbumin aus Blutserum, Hydroceleflüssigkeit u. s. w. in Flocken oder als compacte Hasse coagu-lirt, nachdem über 60° (!) bereits Trübung (!) der Flüssigkeit sich eingestellt hat; diese Fällung erfolgt nicht, wenn durch Diffusion die Salze völlig entfernt sind. Durch Zusatz von sehr verdünnter Phosphorsäure oder Essigsäure, ebenso durch Zusatz von Chlornatrium oder anderen neutralen Alkalisalzen wird der Coagulations-punkt erniedrigt, durch Zusatz von sehr wenig kohlensaurem Natron dagegen erhöht. Aus diesem Grunde gerinnt das Serumalbumin in sauerreagi-renden Harnen meist unter 70°, oft schon in den 50-er Graden oder bei einer noch niedrigeren Temperatur (59 p. 232).
5) Möglichst salzfrei dargestelltes Serumalbumin gerinnt in ungefähr 1 procentiger Lösung gegen 50°, durch Zusatz von NaCl wird die Coagulationstemperatur erhöht. In der Mischung aus Serumglobulin und Salzen, wie das Serumalbumin im Blut und Lymphserum auftritt, gerinnt es stets über 60° zuerst als Trübung, zwischen 72— 75° in Flocken. Zusatz von Salz, Säuren oder Alkalien ändern die Gerinnungstemperatur erheblich (60 p. 269).
26*