﻿402 IDENTITÄT DER NATÜRL. PROTEÏNFLÜSSIGKE1TEN UND DER GLOBULINLÖSUNGEN.
liburton sich beruft, gibt schon das Recht zu der Aussage, dass sein „Albumin“ aus „Globulin“ allein, oder aus einem Gemenge von „Albumin“ und „Globulin“ bestehen und sein „Globulin“ auch gar kein „Globulin“ enthalten konnte, nämlich im Sinne der Autoren, auf deren Angaben er seine Schlüsse gründete, indem er ganz willkürlich die Existenz dieser vier durch Wärme und Säure erzeugten Niederschläge, die schon genügend von Heynsius (AW 93—100 p. 308) erforscht worden waren, annahm. Herter, der Referent dieser Arbeit in Maly's Jahresberichten, hält es für angemessen, die von Halliburton angegebenen Zahlen „70°—73°“ ohne weiteres durch 72°—75° zu ersetzen (47 p. 127), indem er sich dabei auf Hoppe-Seyler’s Lehrbuch vom Jahre 1883 (60 p. 269) beruft. Hass es sich in Halliburton's Arbeit nicht um einen Druckfehler handelt, den der Referent zu verbessern hatte, erhellt daraus, dass auf S. 170 seines Buches Halliburton dieselben Zahlen wiederholt (39 p. 170) ‘). Die bedeutungslosen Benennungen bei Seite lassend, darf man wohl sagen, dass Halliburton sukzessive Fällung bei Gegenwart unbedeutender Säuremengen, die allein keine Fällung bewirken konnten, erhielt, indem er die Verdünnung mit Wasser, deren sich z. B. Eichwald zu seinen frakzionnirten Fällungen bediente, durch Wärme ersetzte. Wenn in Eichwald’s Falle das beim Einleiten von Kohlensäure sich bildende kohlensaure oder doppeltkohlensaure Natron das Globulin in Lösung erhalten konnte, das Wasser aber die lösende Kraft des Salzes herabsetzte und das Globulin sich ausschied, so nahm auch hier das Lösungsvermögen des Salzes nicht blos infolge des Vorhandenseins eines Säureüberschusses sondern auch durch die Temperatur ab: je höher diese ist. desto weniger Globulin kann das Salz in Lösung halten (.VW 75—80 p. 266), namentlich bei Gegenwart einer wenn auch nur in geringer Menge vorhandenen Säure (A'.V 86—92 p. 259).
Somit besitzen wir in Halliburton's Arbeit einen neuen Beweis für den Aufbau der natürlich vorkommenden Flüssigkeiten aus Lösungen basischer Globulin Verbindungen. Zugleich beobachte der Autor einen interessanten Umstand, der mit allen Angaben im Einklang steht, welche zu gunsten einer nicht nur bei einfachem Kochen sondern auch nach sorgfältiger Neutralisation und nachherigem Kochen in der Flüssigkeit bleibenden Alkaliverbindung reden, nämlich, dass es zur vollständigen Fällung nicht bloss der Siedhitze sondern auch einer leichten Ansäuerung bedarf, mit einem ÄVorte alles dessen, was auch Scherer empfohlen hatte; der einzige LTiterschied besteht darin, dass Halliburton dasselbe bei niedrigerer Temperatur—82"-87°— erreichte, wobei, wie wir schon erklärten, die Gerinnungstemperatur hier auch nocb niedriger sein kann; vollständige Ausscheidung des Proteins aus der Flüssigkeit kann auch bei Zimmertemperatur stattfinden, wenn die Menge der Säure oder des vorhandenen Salzes bis zu einem gewissen Grade gesteigert wird, wie wir es schon aus der Lehre über das Verhalten des Globulins zu den Säuren kennen gelernt haben.
Diesen Tatsachen gemäss kann auch hier kein Körper durch die Temperatur charakterisirt werden. Halliburton selbst gibt übrigens zu. dass die Gerinnungstemperatur der Flüssigkeiten durch mancherlei Umstände beeinflusst wird, vor allem durch deren Reaktion, dann durch die Gegenwart von Salzen, endlich durch die Dauer und den Grad der Erhitzung i) 2).
Ausser dem Dargelegten und ohne der Gerinnungstemperatur eine diagnostische Bedeutung zuzuschreiben, muss noch erwähnt werden, dass wir bei Halliburton viele
i) The observer upon whose authority the	rature of coagulation of a proteid: the	most	po-
coagulation temperature of serum albumin is	tent of these is the reaction: others	are,	the
stated as 70°—73 is Hoppe-Seyler (39 p. 170).	amount of sQdium chloride present, and the	du-
-) Various cicrumstances influence the tempe-	ration and rate of heating h t. ä- (39	p. 161)’.