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DAS GLOBULIN DER ROTHEN BLUTKÖRPERCHEN.
Obgleich wir es hier factisch unstreitig mit einem Körper zu tliun haben, der mit dem typischen Globulin identisch ist, was sowohl die oben dargelegte als auch die weiter unten stehende Geschichte dieses Körpers bezeugt, so fordert es doch die Billigkeit einzugestehen, dass in der Periode, die wir im Auge haben, die Substanz der Gerüste zufällig, infolge eines Irrtums, Globulin genannt wurde. Nur Virchow schlug den Namen Globulin, wie wir gesehen, ganz bewusst vor und auch nur einerseits zum Unterschied vom Fibrin, wofür er auch die Substanzen der Gerüste hielt, andererseits zum Unterschied von dem Krystallin; wie es scheint, wählte er den Ausdruck Globulin (92 p. 435) wegen dessen Ableitung von „globuli sanguinis“ (ib.). Da wir gerade von Benennungen sprechen, so sei gesagt, dass die Benennung „Globuli n“ auch in der chemischen Bedeutung des Wortes für die Substanz der Stromata der roten Blutkörperchen angenommen werden muss, was aus der weiteren Darlegung der Geschichte derselben deutlich folgen wird; um aber diesen Körper hinsichtlich seiner Herkunft und des Materials, aus dem er erhalten wird, nicht zu verwechseln, wollen wir das Globulin der Stromata der roten Blutkörperchen „G 1 o b o g 1 o b i n“ nennen, indem wir es durch die Partikel „Globo“ in Bezug auf seinen Ursprung (p. n. 71 Le Phys. ,V 41) mit den roten Blutkörperchen (globulus von globus) eng verbinden.
Der Irrtum, den Denis in der Benennung des Globoglobins sich zu Schulden kommen liess, verringert die Bedeutung dieses Gelehrten für die Geschichte der Erforschung dieses Körpers keineswegs. Es ist sein Verdienst, die uns interessirende Substanz allseitig und eingehend studirt zu haben. Nachdem aus defibrinirtem und mit 10°/o-iger Kochsalzlösung versetztem Blute, wie oben (p. n. 22 Le Phys.-V 61) beschrieben, die Blutkörperchen abfiltrirt sind, werden sie mit Wasser auf dem Filter gewaschen bis das Hämatoglobin entfernt ist: dann wird der Rückstand (die Gerüste) in derselben 10°/o-igen Kochsalzlösung aufgelöst, worauf man, wie Denis rät, die Lösung allmälig in sehr viel Wasser giesst. Das Globulin fällt in Gestalt von Faden und Häutchen aus (14 p. 123). Der mit Wasser gewaschene und bei 4ü° getrocknete Niederschlag erfährt keine Veränderung und wird dem Fibrin ähnlich. Gesättigte Lösungen neutraler Alkalisalze, die Carbonate ausgenommen, üben auf das gefällte noch feuchte Globoglobin eine zweifache Wirkung aus; entweder verwandeln sie es in eine dicke, zähe Masse, oder in eine flüssige, leicht filtrirbare Lösung. Dies und jenes hängt von der Salzmenge ab, die bei der Behandlung des Globoglobins gebraucht wurde: Wasserzusatz giebt auch im ersten Fall eine flüssige Lösung (ib. p. 124—5). Frischgefälltes Globoglobin büsst seine Löslichkeit ein, wenn man es unter einer dünnen, doch einigemal täglich erneuten Wasserschicht hält, oder mehrmals aufweicht und wieder trocknet, oder endlich wenn es mit Wasser geschlagen, gekocht oder mit Alkohol und Aether behandelt wird: in solchen Fällen geht das Globulin in „verändertes Globulin“ (globuline modifiée), d. h. in den unlöslichen Zustand über (ib. p, 126—7). Schwache Säuren und Alkalien (Ammoniakflüssigkeit) lösen frisches Globulin besonders gut bei 40°—45°. Essigsäure fällt es aus seinen alkalischen und auch ammoniakalen Lösungen in veränderten Gestalt aus (ib.p. 128). Globulin in gallertartigem Zustande oder noch besser in Salzen behält längere Zeit seine Eigenschaften bei. Alle neutralen Kalium-, Natrium- und Ammoniumsalze lösen sich in einer Salzlösung von Globoglobin, wobei mit der Vergrösserung des Salzgehaltes die Lösung sich verdickt und zuletzt trübt (ib.p. 130—1). Im J. 1858 bereicherte Denis (15 p. 997) unsre Kenntnisse über das Globoglobin durch die Erklärung, er habe solches ausser den Blutkörperchen auch in anderen Geweben und Flüssigkeiten mit denselben charakteristischen Eigenschaften, nämlich Unlöslichkeit in Wasser und Löslichkeit in ungesättigten Kochsalzlösungen ausgestattet, gefunden. Im J. 1859 resümirt.e Denis gewis-