﻿EINE HÄM ORE IT A GIE AM BODEN DES AUGES.	11
nidit selten an zerschlagenem Glase zu sehen ist. Nach circa 24 Stunden zeigte sich in der Mitte, zwischen den Flecken, ein Blutgefäss mit nach oben und unten abgehenden Verästelungen, die in ein dichtes Capillarnetz zerfielen. Nach zwei Wochen plattete sich das Hauptgefäss ab und wurde durchsichtig; mit jeden Tage wurde dasselbe mit den von ihm abgehenden Gelassen kleiner und verschwand nach 5—6 Wochen ganz. An dieser Stelle war das Gesichtsfeld lange gelbgrün gefärbt.
Die Blutflecken erschienen in den zwei ersten Tagen dunkelrot gefärbt und in verschieden Richtungen von noch dunkleren Balken durchzogen. Die Ränder der Flecken waren fimbrienförmig und bestanden aus verfilzten geschlängelten Fäden. Am dritten Tage trat in Farbe und Structur der Flecken eine scharfe Veränderung ein: die dunkelrote Färbung ging in eine dunkelgrüne ins Graue fallende über. Bei starkem Lichte war der hochrote Schein nicht mehr zu sehen, und auf der ganzen Fleckenoberfläche waren äusserst feine Oeftnungen zerstreut, die ganz farblose Lichtstrahlen durchlies-sen. Die Zahl und Grösse dieser Oeffnungen wuchs allmählich an; letztere flössen schliesslich zusammen und bildeten eine dichte Fleckenoberfläche, die für das Licht durchgängig war und die Gegenstände und deren Einzelheiten zu unterscheiden gestattete; doch bleibt bis jetzt—nach 9 Monaten—das Gesichtsfeld in deren Gebiete noch sehr nebelig.
Mit dem Uebergang der dunkelroten Färbung in die dunkelgrüne, also mit der Zerstörung des Oxyhaemoglobins, nahmen die Lichterscheinungen im Auge an Stärke scharf ab, doch dauern sie bis jetzt fort und werden bei jeder Ermüdung des Auges durch starkes Licht, anhaltendes Lesen und besonders Schreiben, die mir in der ersten Zeit fast ganz unmöglich waren, stärker.
Das A orhandensein von Lichterscheinungen sowie die sehr langsame Abnahme des Nebels im Gesichtsfelde lassen vermuten, dass der durch die Haemorrhagie hervorgerufen Process im Auge noch nicht beendigt ist; derselbe verläuft vom ersten Tage an bei streng geregelter, gewohnter Lebensweise ohne jegliche therapeutische Behandlung.
In der Reihe der beschriebenen Erscheinungen verdienen grössere Beachtung und besitzen einen gewissen Wert folgende Thatsachen: 1) Alles, was ich in meinem Auge beobachtet habe, gehört zu den «entoptischen» Erscheinungen. Dieselben werden definirt, als ein < Sehen von Schatten verschiedener im Innern des Auges befindlicher Körper auf der Retina. Schon die Beobachtung des Pigments in dem Glaskörper drängte mir die Ueberzeugung von der völligen Unzulänglichkeit einer solchen Definition auf. Indem ich Stückchen Augenpigment oder Gruppen solcher besonders auf nahen Ecrans beobachtete, sah ich ganz deutlich deren Convexität und die allergeringsten Einzelheiten ihrer Reliefe. Der Schatten eines völlig undurchsichtigen Körpers kann in keinem Falle etwas Aehnliches zeigen. Es war also unzweifelhaft nicht der Schatten sondern die Oberfläche der Pigmentkörner sichtbar.
Bei einer Hämorrhagie unter der Retina oder, wie in unserm Falle, in der Retina selbst, wie durch die ophtalmoscopische Diagnose hoher medicini-scher Autoritäten constatirt wurde, ist das Entstehen eines Hämorrhagieschat-tens auf der Retina ganz unmöglich; indessen konnten bei völliger Undurch-