﻿Das Globulin der Meissen Blutkörperchen.
Cytoglobin.
Synonyme: Albumin und Fibrin—Mandl, Albumin—(interlock, Casein—Dianas Ç
Cahours, Albumin—Lehmann Sf Messerschmidt, hyaline Substanz—Rorida, Mieschen, cel/-glnbulin—Halliburton, Cytoglobin—Schmidt, Morochoicetz.
Von Prof. Leo Morochowetz.
Historische Angaben. Gegen die vierziger Jahre, als die Lehre von der Identität oder wenigstens nahen Verwandschaft der farblosen Blutkörperchen ') des Blutes, der Lymphe, des Milchsafts, der Eiterkörperchen u. s. w. ihren Anfang nahm, fingen auch Arbeiten über die chemische Structur der weissen Blutkörperchen an zu erscheinen. Mandl (1837, 19 p. 479), welcher die Eiterkörperchen von der Flüssigkeit durch Filtration abtrennte, war der Ansicht, dass die grösseren Körperchen aus Fibrin, die kleineren aus Albumin bestehen. Gleichsam als Bestätigung dieser Angaben fand Güterbock (1837,7 p. 9; 8 p. 378), dass die abgetrennten Eit.er-perchen in Essigsäure sich lösen, und die Lösung von gelbem Blutlaugensalze gelallt wird, woraus er schloss, dass die Eiterkörperchen aus Albumin bestehen. Güterbock beobachtete, dass die Eiterkörperchen sowohl in gewöhnlichem Wasser als in Zuckerwasser an den Rändern heller werden, in der Mitte dagegen sich trüben (7 p. 9). Aufquellen und Hellerwerden der Ränder der Eiterkörperchen unter dem Einfiusse von Wasser beobachteten später Gruby & Delafond (1843, tip. 1309). Nach Güterbock’s Beobachtungen, lösen Alkalien die Eiterkörperchen auf. Zu derselben Zeit beobachtete auch Babington (1837, 1 p. 208), dass die Eiterkörperchen mit Alkalien eine gallertartige Masse zu bilden schienen; Dumas A Cahours (1842. 3 p. 410) sahen die Hauptmasse der farblosen Zellen für Casein an.
Die ersten näheren Untersuchungen über die Proteinkörper der weissen Körperchen begegnen wir in Lehmann's & Messerschmidt's (1842, 17 p. 220) Arbeit. Die genannten Forscher gewannen auf Grund mikroscopischer Reactionen die Überzeugung, dass die Eiterkörperchen in verdünnten Mineralsäuren und auch in verdünnten organischen Säuren aufquellen und dann sich auflösen. Chlornatrium- und Chlorammoniumlösungen und einige andere Salzlösungen verhalten sich etwas anders: die Auflösung der äusseren Schicht des Körperchens, die sie. zum Unterschied vom Kern, Hülle nannten, findet ohne vorhergehendes Aufquellen statt (ib. p. 233) * 2). Im allgemeinen halten Lehmann & Messerschmidt die von ihnen ausgeschiedene Substanz derjenigen für analog, die sie aus Hülmereiweiss (ib. p. 233—4) bei der Verdünnung mit Wasser erhielten, nämlich für salzlösliches (17 p. 234) Ovoglobin
‘) Um Irrtümern vorzubeugen, bemerken wir hier gleich, dass Prévost & Dumas (1823, 4 p. 51 u. folg.) das Stroma der roten Blutkörperchen „globules blancs“ nennen.
2) „Wurden diese Zellen mit Salmiak-, Kochsalz- oder Salpeterlösung behandelt, so löste sich
die Hülle vollkommen auf, so dass nur der Kern und wenig vereinzelte Pünktchen übrigblieben. Wir finden nämlich in der Hülle der Eiterkörperchen einen Stoff, den wir künstlich aus Ei-weiss auf verschiedene Weise darstellen können“ (17 p. 236).