﻿DAS GLOBULIN DER WEISSEN BLUTKÖRPERCHEN.
37
obaclitung derselben in Cblornatrium bemerkte Miescher, dass die hyaline Portion -an Umfang zunahm, deren Umrisse schwächer wurden und endlich ganz verschwanden, während der innere körnige Teil bei einigen Körperchen erhalten blieb bei anderen zerfiel. Beim Umschütteln verteilt sich die geleeartige Masse in der Chlornatriumlösung nicht gleichmässig, dennoch fällt Wasser diese Gallerte in Gestalt von Flocken (ib. p. 445) aus; wie lange letztere auch unter Wasser bleiben sie lösen sich darin nicht auf (ib. p. 444). Miescher zieht daraufhin den Schluss- folglich kann die hyaline Substanz (!) in Wasser nicht löslich sein, wie Rovida annimmt“ *), spricht aber auf derselben Seite etwas weiter (ib. p. 445) von dieser Substanz als von einer wohlbekannten: „die sogenannte hyaline Substanz (Rovida) .der Eiterzellen“, obgleich wir dem Ausdruck „hyaline Substanz“ hier zum ersten Mal begegnen. Aus dem Dargelegten ersehen wir, dass sowohl diese Benennung als auch der darunter gemeinte Körper, weder vom historischen noch vom chemischen Standpunkte aus. ein Recht auf selbständige Existenz besitzt und zwar aus folgenden Gründen: 1) Rovida stellte, soviel mir bekannt ist, eine solche Benennung nicht auf, und wenn dieselbe mit dem Namen irgend eines Gelehrten verknüpft werden soll, so hat Virchow jedenfalls ein grösseres Recht darauf (p. n. 35). 2) Rovida entschloss sich nicht einmal zu irgend einer Voraussetzung über die chemische Natur der Substanz, welche einen Bestandteil des durchsichtigen Randes bildet, -3) Den obenerwähnten Angaben Miescher’s gemäss sind unter »hyaliner Substanz“ in chemischer Beziehung die durch Auswaschen mit Natriumsulfat von dem Eiterplasma (Serum) befreiten Eiterkörperchen zu verstehen, die in der Folge unter dem Einfluss des Kochsalzes das Aussehen einer schleimigen, gallertartigen Masse .angenommen haben. 4) Sowohl Virchow als Rovida sprechen sogar von der vollen Löslichkeit nicht nur des durchsichtigen Teils sondern auch des Kerns (Virchow p. n. 35). 5) Miescher selbst leugnet schliesslich nicht ab, dass bei dem Versuch, die obenerwähnte geléeartige Masse zu filtriren, durch den Filter eine Flüssigkeit läuft, welche unzweifelhaft einen Proteünkörper enthält, obgleich sie von Wasser nicht getrübt wird, was, Miescher’s Ansicht nach, der Fall sein würde, wenn dieser Körper Myosin wäre 2). Dessenungeachtet beobachtete Miescher Spuren von Trübung, schrieb diese aber den Überresten vom Serum, welches nach dreifachem Waschen der Körperchen mit Glaubersalz übriggeblieben war (20 p. 442), zu. 6) Ausserdem fand Miescher, dass diese Gallerte in Natriumcarbonat l/a%0—1 %0 und in Chlorwasserstoffsäure 1%0 löslich sei, was nur in Bezug auf leichtlösliche Globuline bekannt ist. 7) Ferner weist die Fähigkeit, in Salzen bis zum Verlust ihrer Umrisse aufzuquellen, in Wasser zusammenzuschrumpfen und wieder zu einer schleimigen oder geléeartigen Masse aufzuquellen, nicht nur auf Eigenschaften hin. die diesen
!) „Die als Endproduct dieser Einwirkung erhaltene schleimige Masse vertheilt sich niemals gleichmässig in überschüssiger CIXa-Lösung; auch nach noch so oft wiederholtem Schütteln ballt sie sich immer wieder in schleimige Klumpen zusammen. Durch Wasser wird die Gallerte in Fetzen gefällt. Man erkennt zwischen den körnigen' unverändert gebliebenen Zellresten eine faserig membranöse Masse, welche in reichlicher Menge die Zellreste zusammenkittet,—offenbar nichts anderes als die vorher gequollene Substanz, Dieses Bild ist auch nach tagelanger Einwirkung von viel destillirtem Wasser unverändert. Die- hyalirfe Substanz kann also unmöglich,
wie Rovida behauptet, in Wasser löslich sein. Die gefällten Fetzen und Flocken gaben mit Salzlösungen wieder die vorige Gallerte“ (20 p 444-5).
„Ich habe mich nun oft vergeblich bemüht, durch Filtration aus der CIXa-Gallerte eine Lösung zu erhalten, welche Myosinreactionen gäbe. Es lief fast immer eine ziemliche Menge Flüssigkeit durch, dieselbe gab aber, in Wasser getröpfelt, keine Trübung, höchstens in seltenen Fällen eine geringe Spur, die man immer noch' einer unvollständigen Auswaschung des Serums zuschreiben konnte“ (20 p. 445).
3*