﻿Das Globulin der Muskelfasern.
Myoglobin.
Synorume: Faserstoff-—Fourcroy, geronnenes Albumin—Hatchett, Muskelfibrin—Krimmer, Berzelius, Simon, Marchand, Liebig u. a., Albumin—C. Schmidt u. Liebig, Syn-tonin Lehmann, Muscuhn ‘)—Robin	Verdeil u. Nasse, Myosin—Kühne, Myosino-
gen, Paramyosinogen, Myoglobulin, Albumin und Myoalbumose—Halliburton, Myoglobin—Morocliowetz.
Yon Prof. L. Morochowetz.
Historische Angaben. Das weisse faserige Aussehen des durch Auswaschen mit Wasser vom Blut befreiten Fleisches hat unstreitig Veranlassung gegeben,, die Muskelfasern mit dem Blutfibrin nicht nur zu vergleichen sondern auch zu identificiren. Diese Beziehung ist ziemlich scharf ausgedrückt in der Lehre vom Ursprung des Faserstoffs der Muskeln—matière ou partie fibreuse, wie Fourcroy (12 p. 437; Il p. 41—42) ihn nennt—durch unmittelbare Ablagerung des im Blute löslichen fibrins zu Muskelfasern! Um die Muskelsubstanz rein darzustellen, wuschen Fourcroy & Thouvenel (1782, 13 p. 795—6) das Fleisch in kaltem Wasser, dann in Alkohol, worauf sie es. um die leimgebeude Substanz zu entfernen, in Wasser auskochten. Desgleichen befreite auch Hatchett (1S00, 21 p. 738) die Muskeln von den „Beimengungen“, indem er anfänglich dieselben 15 Tage lang in kaltem Wasser weichen liess und dann 5 Stunden lang kochte. Die Löslichkeit der auf diese Weise erhaltenen Masse in Säuren und Alkalien veranlasste Hatchett, dieselbe für geronnenes Albumin anzusehen. Immer (1823. 25 p. 269), Berzelius (1830. 2 p. 464). Simon (1842, 51 p. 532—3) sind jedoch der Ansicht, das Fibrin bilde die Grundlage der Muskeln, wobei Simon findet, dass die Muskelfasern sowohl in Essigsäure als auch in verdünnten Mineralsäuren sich auflösen, und gelbes Blutlaug°ensalz einen Niederschlag in der erhaltenen Lösung erzeugt. Um dieselbe Zeit constatirte Schlossberger (1841,47 p. 7), dass die Muskeln des Ochsen, des Kalbes, des Schweins, des Schafes, der Ziege, der Gemse, des Huhns, der Taube, der Ente, der Forelle und des Flusskrebses identisches Fibrin enthalten.
Zu Gunsten so zu sagen der Identität des Muskel- und Blutfibrins reden auch Simon’s und Marscliand’s Beobachtungen. Ersterer beobachtete schon im Jahre 1842 (51 p. 524), dass frisches, noch warm zerschnittenes Fleisch beim Auspressen eine rötliche, sauer reagirende Flüssigkeit ausscheidet, welche nach einiger
') Commaille (1866, 7 p. 120), der in den Muskeln Musculin in Robin & Verdeil’s (46 p. 361) Sinne zugiebt, nimmt an, dass in das wässerige Fleischextract eine besondere Proteïnsubstanz— Oposin (oposine de orroç—sue)—übergeht, welches dem üralbumin einer Proteïnsubstanz, der man im Urin begegnet, identisch sein soll (ib. p. 122)! Orfilla (1823, 41 p. 117) nennt die Proteïnsubstanz
des fast schwarzen Schaumes eines wässerigen Fleischaufgusses „albumine de la viande“. Ein solches wässeriges Extract aus dem Fleische von Fischen fällte Baumbauer (1 p. 120) bis 50° und nannte den Niederschlag „Albumin“. „Musculin“ nennt Nasse (1879, 605-a p. 269) den von Kuhne bei 45° aus Muskelserum erhaltenen Niederschlag.