﻿DAS GLOBULIN DER MUSKELFASERN.
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Zeit zu Gallerte wird, gerinnt und etwas Fibrin absetzt, während Fleisch, welches gelegen hat, diese Reaction nicht giebt. Marschand (37 p. 154). dem Simon’s Beobachtungen ‘) bekannt waren, erhielt seinerseits aus dem Muskelfleisch eines frischgeschlachteten Tieres unter dem Drucke der hydraulischen Presse „Fibrin in gelöstem Zustande“, welches aber die Fähigkeit besass zu gerinnen, wie es im Blute geschieht, Ist einige Zeit bis zum Auspressen vergangen, so ist die erhaltene Flüssigkeit nicht mehr fähig spontan zu gerinnen. Es ist interessant, das Virchow (1846, 54 p. 84) dieselben Resultate wie Marchand mit dem Muskelfleische eines amputirten menschlichen Beines erhielt. Zugleich spricht Virchow sich gegen die Lehre von der Bildung der Muskelfasern aus in den unlöslichen Zustand übergegangenem Blutfibrin (ib. p. 84—5) aus. Uebrigens sprach schon früher Magendie (1841,36 p. 273—27 5) die Ansicht aus, dass das Muskelfibrin mit dem Blutfibrin nicht identisch sein könne. Die von ihm angeführten Gründe (ib. p. 275—277) liegen ausserhalb der Interessen unserer Arbeit. Auch C. Schmidt (1847, 48 p. 164) findet, dass die Substanz der Muskelfasern von dem Blutfibrin sich unterscheidet und identificirt es mit dem „gefällten Albumin“ 2). Diese Identificirung der Substanz der Muskelfasern mit der Substanz, welche gegenwärtig den allgemeinen Namen „Globulin“ führt, ist in Liebig’s Arbeiten fest begründet. Doch kann nur vollständiges Ignoriren der Lehre von der Identität des Blut- und Muskelfibrins überhaupt und von der Löslichkeit des Blutfibrins in Salzen im einzelnen seitens späterer Autoren den Umstand erklären, dass Liebig’s interessante Angaben über die Eigenschaften der Substanz der Muskelfasern unbemerkt blieben, da diese Thatsachen von den in unserer Zeit erhaltenen sich doch im wesentlichen nicht unterscheiden. Liebig (33 p. 881) war es, der zuerst auf die Löslichkeit der Muskelsubstanz in Salzlösungen hinwiess, wie aus seiner Beschreibung der Eigenschaften der Fibrine im allgemeinen und aus folgendem Satze im besonderen ersichtlich ist......„das Fibrin des Muskelfleisches hinge-
gen wird, wie das Fibrin des venösen Blutes, unter denselben Umständen aufgelöst und in Albumin übergeführt“ (503 p. 881). Dieser Satz muss so verstanden werden, dass frisches ausgewaschenes venöses Fibrin, folglich auch so fein wie möglich zerschnittenes und verriebenes Mnskelfleisch, mit iya Vol. Wasser, welches l/5 seines Gewichtes Salpeter enthält, übergossen und das Gemenge 24 Stunden stehen gelassen wird, wonach eine filtrirbare Lösung mit den Reactionen des Serums entsteht; von Wärme, Alkohol und Sublimat wird sie gefällt, auch Verdünnung der Lösung mit einer grösseren Wassermenge bedingt Fällung in Form von unlöslichem Albumin (ib. p. 881)! Wenn wir andererseits der Benennung Albumin die wirkliche Bedeutung dieses Ausdrucks zu Liebig’s Zeit (p. n. 103 W 48—60) geben, so gewinnen wir die Ueberzeugung, dass in dem angeführten Satze die Lösung der Muskelfasern gerade mit der Lösung der Substanz verglichen wird, die gegenwärtig „Globulin“ genannt und aus mit Wasser verdünntem Serum durch Neutralisation mit einer Säure ausgeschieden wird!
Liebig begnügte sich nicht mit dem Studium der Muskelfaser: im Jahre 1849 machte er (35 p. 11) der pariser „Biologischen Gesellschaft“ in einem Briefe eine Mitteilung über die vollständige und rasche Löslichkeit gut mit Wasser ausgewa-
’) Nach Marchand, experimentirte Simon, um Gallertbildung zu erzielen, indem er „noch warmes Schweinefleisch mit Wasser angerührt, stark auspresste“. Marschand weist nicht auf die Quelle hin, und ich konnte bei Simon über vorhergehende Behandlung mit Wasser keine Angaben finden; er sagt im Gegenteil: „wenn man ganz frisches,
noch warmes Muskelfleisch eiukerbt und stark presst, so Üiesst eine rötlische sauerreagirende Flüssigkeit aus, die nach kurzer Zeit gerinnt und etwas weniger festes Fibrin absetzt (51 p. 524).
-) „Muskelfibrin und Albumin sind jedenfalls identisch, letzteres im isolirten Zustande unlöslich“ (48 p. 164).